Die Prinzipien der modernen Technik im besonderen. 23

faßbares und erreichbares Wissen außerhalb jeder aus—
führeuden Persönlichkeit. Einmal durch Wort und Schrift
festgelegt, ist es ein unvergängliches Eigentum aller künf—
tigen Geschlechter. Damit ist es aber in doppelter Hinsicht
von der Zufälligkeit des rein Persönlichen befreit: sofern
seinem gänzlichen Verlust vorgebeugt ist, sodann aber es
nicht notwendig eines bestimmten, an Ort und Zeit ge—
bundenen Individiums bedarf, um das betreffende Ver—
fahren anzuwenden: solange die gewerbliche Tätigkeit, auch
schon die moderne kapitalistische Industrie, noch im Stadium
der Empirie sich befand, konnten neue Industriezweige in
einem Lande nur begonnen werden, wenn man Menschen
dahin verpflanzte, die das Geheimnis mit sich trugen: die
Berufung der Humiliaten-Mönche durch zahlreiche Städte
im Mittelalter, die Hereinziehung brabantischer Tuchmacher
nach England, italienischer Seidenspinner und-Weber nach
Frankreich, die ganze Emigrantenpolitik der Hohenzollern
reden eine deutliche Sprache dafür, daß in damaliger Zeit
die technische Kunst noch an den Künstler gebunden war.
Dann bleibt sie eine Zeit lang an die Produkte gebunden:
dann sorgt ein Land etwa dafür, daß bestimmte Maschinen
nicht ins Ausland kommen: England im Anfang des
XVIII. Jahrhunderts. Und heute braucht eine Nation
ihre jungen Ingenieure und Techniker nur an die deutschen
Hochschulen zu senden, um alle Weisheit im Kern sich zu
beliebiger Verwendung im eigenen Lande zu verschaffen.
Und wie die Ausübung und Erhaltung der technischen Kunst
durch das rationelle Verfahren von der Zufälligkeit des
Individuellen befreit werden, so in noch viel höherem Maße
auch die Vermehrung des technischen Könnens. An Stelle
des versuchsweisen Tastens, das, wie wir sahen, aller Em—
pirie eigentümlich ist, tritt beim rationellen Verfahren das
blanmäßige und methodische Suchen auf Grund der Kennt—