Die Prinzipien der modernen Technik im besonderen. 25

iußert sich in der eben besprochenen Vervollkommnung der
Maß- und Wägemethoden bereils jene Tendenz, die wir als
eine der Technik unserer Tage eigentümliche erkannten: der
Tendenz, sich von allem Organischen zu emanzipieren, das
in diesem Falle der Mensch ist. Alle frühere Zeit war zur
Beurteilung bestimmter Aggregat- oder Wärmezustände, zur
Messung und Wägung im wesentlichen auf die menschlichen
Fähigkeiten, zu fühlen, zu schmecken, zu riechen, zu sehen, ange—
wiesen. Jetzt tritt an Stelle dieser subjektiv zufälligen, die
objektiv exakte Ermittelung der Schwere, Länge, Wärme, Dicke,
Dauer durch wissenschaftlich genau konstruserte Maß- und
Wiegeapparate. Das Emanzipatorische äußert sich hier in
doppelter Hinsicht: die Technik wird frei von der zufälligen
Veranlagung beftimmter Persönlichkeiten mit besonders feiner
Zunge, empfindsamen Nerven, klaren Augen und offenen
Ohren und ebenso von der naturveranlagten Zufälligkeit
der Ausführung, die solange bestehen bleibt, als lebendige
Menschen, durch deren Adern warmes Blut fließt, die Funk—
tionen ausüben.
Damit haben wir auch schon den Punkt getroffen, in
dem sich die prinzipielle Bedeutung aller vervollkommneten
Maschinerie äußert: sie vermag den Vollzug irgend einer
Vornahme zu einer Exaktheit zu entwickeln, deren der
der Mensch niemals fähig ift. Auch das feinste Werkzeug,
der delikateste Griffel oder Meißel in der Hand des Ar—
beiters kann doch nie etwas anderes leisten, als manuelle
Fähigkeiten unterstützen: die Arbeitsmaschine dagegen kennt
diese Schranken nicht. Sie braucht nicht mehr den Kon—
takt zwischen Auge und Hand, auf dem alle Verfeinerung
manueller Geschicklichkeit beruht: sie kann so fein schneiden,
o sicher und regelmäßig eine Verrichtung wiederholen, wie
niemals die menschliche Hand es vermöchte: sie ersetzt eben
in vollkommener Form die Arbeit des Arbeiiers.