50 Die gewerbliche Arbeit u. ihre Organisation.
tion keineswegs notwendig eine handwerksmäßige Organi—
sation des Gewerbes involviert. Freilich, damit Handwerk
bestehen könne, trotzdem die Produktion für den großen
Markt erfolgt, sind bestimmte objektive Bedingungen erforder—
lich, die aber überhaupt erfüllt sein müssen, damit Handwerk
möglich sei. Ich gebe sie im folgenden an:
4. Die Existenzbedingungen des Handwerks.

Das Wesen der handwerksmäßigen Organisation beruht
auf der Voraussetzung, daß der Handwerker als technischer
Arbeiter jahraus jahrein in Frieden seine Stiefel machen kann
und sicher ist, bei dieser beschaulichen Tätigkeit seinen Lebeus—
unterhalt zu erwerben, d. h. in die nationalökonomische
Terminologie übersetzt: Voraussetzung handwerksmäßiger
Organisation ist die Sicherheit und Ständigkeit des Produkten—
absatzes: mit andern Worten: es muß, damit Handwerk
möglich sei, Angebot und Nachfrage nach gewerblichen Er—
zeugnissen sich stets im Gleichgewicht befinden, oder aber es
muß ein Mißverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage in
der Weise bestehen, daß die Nachfrage stets dem Angebot
um eine Nasenlänge voraufeilt. In diesem Falle kann der
Handwerker sicher sein, daß er seine Erzeugnisse nicht nur
an den Mann bezw. an die Frau bringt, sondern daß er
auch den üblichen, für ihn lohnenden Preis als Entgelt dafür
erhält. Damit aber ein solcher, dem Handwerker günstiger
Zustand des Marktes existiert, müssen folgende Voraus—
setzungen zutreffen:
a) Es müssen verhältnismäßig wenig gewerbliche
Produzenten vorhanden sein, d. h. es muß gleichsam ein
Mangel an Handwerkern herrschen. Das ist aber der Fall,
wenn 9) die Zuwachsrate der Bevölkerung überhaupt niedrig
ist, d. h. also die Bevölkerung sich langsam oder gar nicht
vermehrt; 8) wenn insbesondere die Rate der agrarischen