Die kapitalistische Organisation des Gewerbes. 59

Es ist vielmehr möglich, daß der Geldbesitzer ganz und gar
nicht die Absicht hegt, sein Vermögen in einer kapitalistischen
Unternehmung zu verwerten. Was also zu der Geldakku—
mulation als subjektive Voraussetzung hinzutreten muß, um
die kumulierten Geldbeträge in Kapital zu verwandeln, ist
der spezifisch kapitalistische Geist ihres Besitzers.
Darunter wird also jene Seelenstimmung zu verstehen sein,
die wir als dem kapitalistischen Unternehmer eigentümliche
kennen gelernt haben: das Gewinnstreben der kalkulatorisch—
spekulative Sinn, der ökonomische Rationalismus.
bp) Die objektiven Bedingungen, an deren Erfüllung
die Existenzmöglichkeit kapitalistischer Organisation geknüpft
ist, kunnen wir zunächst zusammenfassend dahin bestimmen,
daß wir sagen: es müssen diejenigen Bedingungen exfüllt
sein, die dem kapitalistischen Unternehmer eine seinen Be—
dürfnissen entsprechende Vertragsschließung mit dritten Per—
sonen ermöglicht. Diese Bedingungen sind entweder for—
meller oder materieller Natur.
Fragen wir zunächst: wie ist Vertragsschließung im
kapitalistischen Sinne formell möglich, so ergibt sich die
Antwort von selbst dahin, es müsse die Rechtsordnung
derart beschaffen sein, daß sie die vom Wesen der kapita—
listischen Unternehmung erheischten Rechtsverhältnisse und
Verträgegestaltung zulasse. Dies ist aber vor allem das
Privateigentum auch an Produktionsmitteln. Dies sind so—
dann folgende Arten von Verträgen: Kauf, Pacht, Leihe,
Dienstmiete. Immer muß der kapitalistische Unternehmer
Verkäufer oder Käufer, Vermieter oder Mieter, Verpachter
oder Pachter von Sachgütern ebenso wie Käufer und in—
sonderheit Verkäufer von Leistungen (Diensten) finden, mit
denen er kontrahieren kann. Und alle diese Vertragsschlie—
zung ruht, wie ebenfalls ersichtlich ist, nur dann auf einem
sicheren Fundament, wenn dem kapitalistischen Unternehmer