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wie der gewerbliche Kapitalismus im modernen Sinne in
größerem Umfange gefehlt. Gegen diese Auffassung ist aus
dem Kreise der Fachhistoriker lebhafter Widerspruch laut
geworden, ohne daß dadurch die bekämpfte Ansicht von ihren
Vertretern aufgegeben worden wäre. Augenblicklich tobt der
Kampf noch unentschieden und man wird es den einzelnen
Untersuchungen der nächsten Jahre überlassen müssen, die
Sachlage weiter zu klären.
Soviel sich jetzt mit einiger Sicherheit über die gewerb—
lichen Zustände des Altertums aussagen läßt, dürfte etwa
folgendes sein: Zweifellos hat sich in den Staaten des
Altertums im Laufe der Jahrhunderte, wie später im Mittel—
alter, aus dem bäuerlichen Eigengewerbe ein selbständiges
Handwerk auch mit freien Leuten heraus entwickelt. Ebenso
sicher dürfen wir annehmen, daß dieses Handwerk in den
europäischen Staaten des Altertums, im geringsten Umfang
vielleicht in Griechenland, in größerem Umfange im kaiser—
lichen Rom und vielleicht im stärksten Maße in den orien—
talischen Kulturstaaten von einer Epoche des gewerblichen
Kapitalismus auch im modernen Sinne gefolgt gewesen ist.
Ganz unzweifelhaft aber ist es, daß sowohl das freie Hand—
werk wie der gewerbliche Kapitalismus nicht annähernd
eine so mächtige Entfaltung erfahren haben, wie etwa im
germanisch-romanischen Kulturgebiet während des Mittel—
alters und der Neuzeit. Man wird vielmehr soviel von der
Rodbertus-Bücherschen Auffassung mit aller Wahrscheinlich—
keit als unumstößliche Erkenntnis retten, daß in der Tat
die Wirtschaft des Altertums, insbesondere also auch die
gewerbliche Produktion, in viel weiterem Umfang als die
spätere Wirtschaft in den Formen der Eigenproduktion stecken
geblieben ist. Der Eigenproduktion, die allerdings in der
Form der erweiterten Eigenwirtschaft zu kunstvoller Ent—
wicklung gelangt ist. Als Grund dieser, dem Altertum eigen—

Das Altertum.