66 überblick über d. geschichtl. Entwickelung d. Gewerbewesens.

Für den persönlichen Dienst des Herrn sind angestellt: ein
Zeremonienmeister, der die Besucher einführt, verschiedene
Kammerdiener, Badewärter, Salber, Abreiber, Leibchirurgen,
Arzte fast für jedes Körperglied, Bartscherer, Vorleser, Privat—
sekretäre u. dgl. Man hält sich einen Gelehrten oder Philo—
sophen zum Hausgebrauch, Architekten, Maler, Bildhauer,
eine Musikkapelle; in der Bibliothek sind Kopisten, Perga—
mentglätter, Buchbinder beschäftigt, durch welche der Biblio—
thekar die Bücher in eigener Regie des Hauses herstellen
läßt. Selbst unfreie Zeitungsschreiber und Stenographen
dürfen in einem vornehmen Hause nicht fehlen. Zeigt sich
der Herr in der Offentlichkeit, so schreitet ihm eine große
Schar Sklaven voraus (anteambulones) eine andere folgt
ihm (pedisequi), der Nomenclator nennt ihm die Namen
der Begegnenden, die begrüßt sein wollen; eigene distributores
 und tesserarii teilen Bestechungen unter das Volk aus
und geben die Wahlparole ab. Es sind die Camelots des
alten Rom, und was sie am schätzbarsten macht, sie sind das
Eigentum des vornehmen Strebers, der sie benutzt. Dieses
politische Beeinflußungssystem wird ergänzt durch die Ver—
anstaltung von Schauspielen, Wagenrennen, Tierkämpfen und
Gladiatorenspielen, für welche besondere Sklaventruppen
abgerichtet werden. Geht der Herr als Statthalter in eine
Provinz oder weilt er auf einem seiner Landgüter, so unter—
halten unfreie Kuriere und Briefboten den täglichen Verkehr
init der Hauptstadt. Und was sollen wir erst von dem
Sklaven-Hofstaat der Herrin sagen, über den Böttiger ein
eigenes Buch („Sabina“) geschrieben hat, von dem unend—
lich spezialisiertem Wart- und Erziehungspersonal der Kinder!
Es war eine unglaubliche Menschenverschwendung, die hier
getrieben wurde; schließlich aber wurde mittels dieses viel—
armigen, durch ein großgrtiges Zischtungs- und Erziehungs—
system erhaltenen Organismus der geschlossenen Hauswirt—