Die gewerbliche Produktion in den Fronhofwirtschaften. 71

most oder von anderen Getränken, Bäcker, welche Semmeln
zu bereiten verstanden, sodann Verfertiger von Sachen zur
Jagd, ebensowohl wie zum Fisch- und Vogelfang u. a. m.
Für seine größeren Bauten, z. B. in Aachen, ließ Karl der
Große Künstler und Meister aus der weitesten Ferne be—
rufen, daher findet man seit dieser Zeit auch Hofbaumeister
und Hofmaler. Alle diese Künstler und Handwerker nebst
ihren Meistern und den sonstigen Vorstehern sind den herr⸗
schaftlichen Richtern untergeordnet gewesen. Die Künstler
und Handwerker waren daher selbst Hofbeamte, und wie
die Frauen in eigenen Arbeitshäusern zusammen gearbeitet
haben, so waren offenbar auch die Handwerker und Künstler
in diesen Arbeitshäusern, Kammern und Schreinen unter
eigenen Vorstehern vereinigt. Für ihren Unterhalt erhielten
die höheren und angeseheneren Hofbeamten Benefizien, die
niederen Hofdiener und Kolonen aber gegen Zins und
andere Leistungen Bauerngüter. Die übrigen Diener wurden
von ihrer Herrschaft gekleidet und ernährt oder sie erhielten
ein bestimmtes Quantum von Getreide u. dgl. mehr, eine
Pfründe (provenda), von welcher diese Art von Taglöhnern
Pfründner (provendarii oder prehondarii) genannt wurden
(v. Maurer).
Wenn naturgemüß auch in den Villen Karls des Großen
diese erweiterte Eigenwirtschaft den höchsten Grad ihrer
Vollendung erreichte, so müssen wir doch uns in kleineren
Dimensionen eine ähnliche Verfassung der größeren Wirt—
schaften, wie gesagt, über das ganze Westeuropa der da—
maligen Zeit verbreitet denken.