Die Epoche der handwerksmäßigen Organisation. 73

zu verschaffen wissen, die nicht mehr Grundbesitzer sind.
Es erwächst in den Handwerkern der mittelalterlichen Städte
in diesem weiten Umfange wohl zum erstenmal in der Ge—
schichte eine breite Bevölkerungsschicht, die selbständig und frei
ist, ohne Grundbesitzer zu sein, die sich ihre Selbständigkeit
und Freiheit vielmehr lediglich durch ihrer Hände Arbeit
und notfalls einiges Sachvermögen zu erringen und zu
erhalten vermag. Damit wird die nichtlandwirtschaftliche
Arbeit verselbständigt und werden breite Schichten der Be—
völkerung dauernd vom Boden getrennt und bilden, indem
sie sich zu gemeinsamen Leben zusammenfinden, eine neue
Erscheinung, die Stadt im ökonomischen Sinne aus, d. h.
eine Ansiedelung von Menschen, die für ihren Unterhalt
auf die Erzeugnisse fremder landwirtschaftlicher Erzeugnisse
angewiesen sind. Gleichzeitig aber wird die Notwendigkeit
eines regelmäßigen Güteraustausches erzeugt und die zu
diesem Behufe erforderliche Einrichtung — der Markt —
geschaffen. Vom ökonomischen Standpunkt aus kann man
deshalb auch die neu entstehenden Städte als Märkte be—
zeichnen.
Wenn wir die handwerksmäßige Organisation des
Gewerbes während des europäischen Mittelalters fast ein
halbes Jahrtausend lang in Blüte finden, so müssen wir
zum Verständnis uns klar machen, daß jene Jahrhunderte
eine Zeit waren, in der die objektiven Bedingungen
hand werksmäßiger Produktion, wie ich sie in meinem
„Kapitalismus“ ausführlich dargestellt und im dritten Kapitel
des ersten Abschnittes stizziert habe, in besonders voll—
ständiger Weise erfüllt waren. Auf der einen Seite ent—
faltete sich die Nachfrage nach gewerblichen Erzeug—
nissen in dem Maße immer reger, als die Besiedelung des
vielfach noch unkultivierten Landes zunahm, als gleichzeitig
die Produktivität der landwirtschaftlichen Arbeit stieg, somit