Die Epoche der handwerksmäßigen Organisation. 75

besteht, durch Intensität des Anbaues oder Besiedelung von
Neuland ihre Arbeitskräfte zu verwerten. Das aber war
eben der Fall in den meisten Ländern Westeuropas während
der genannten Zeitepoche. Endlich ist, was die Gestaltung
der Bevölkerungsverhältnisse anlangt, bedeutsam für die
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die geringe Agglomeration der Bevölkerung, wie sie eben—
falls das europäische Mittelalter charakterisiert.
Von der gewerblichen Technik jener Zeiten wissen
wir jedoch mit einiger Sicherheit, daß sie einen verhältnis—
mäßig niedrigen Stand nicht überschritt. Wir können das
aus der Höhe der Preise, aus der Menge der beschäftigten
Arbeiter, aus der Länge der Produktionsdauer, sowie aus
der Art des Gesamtverfahrens, das bei der Herstellung
gewerblicher Erzeugnisse angewandt wurde, ohne weiteres
schließen. Wenn wir erfahren, daß eine Tonne Eisen im
14. Jahrhundert in England nach heutigem Geldwert über
2000 Mark kostete, daß im 15. Jahrhundert für die Her—
stellung im Laufe eines Jahres von 5140 Stück Tuch, das
ist die heutige Monatsproduktion einer großen Fabrik,
tausend Personen nötig waren, daß ein gutes Schloß zu
fertigen noch Ende des 15. Jahrhunderts 14 Tage in Au—
spruch nahm, so sind das schon Symptome genug, um
daraus den geringen Grad von Produktivität der gewerb⸗
lichen Arbeit in jener Zeit zu entnehmen. Zum Über—
fluß wissen wir, daß die Art und Weise, wie produziert
wurde, eine solche war, die einen besonders hohen Grad
der Produktivität überhaupt unmöglich machte. Damit ist
endlich ein letzter Punkt berührt, in dem wir die besondere
Bedingtheit handwerksmäßiger Organisation während der
mittelalterlichen Zeit zu erkennen vermögen. Ich meine
die empirische Gestaltung des technischen Gesamtverfahrens,
das alle Geschichte hindurch, bis in die zweite Hälfte des