84 Überblick über d. geschichtl. Entwickelung d. Gewerbewesens.

hoher Preisaufschläge gar nicht imstande war, dem einzelnen
große Vermögen zu verschaffen, weil infolge der sehr be—
trächtlichen Transportkosten und anderer Unkosten, die
dem Handel erwuchsen, aus Zollgefällen, Unsicherheit der
Straßen ꝛc. zunächst einmal die Profitrate keineswegs eine
übermäßige Höhe erreichte. Selbst aber auch, wenn die
Profitrate höher gewesen wäre, als sie tatsächlich war (wir
können auf Grund der Quellen 1020 9040 als die Regel
annehmen), so wäre doch noch immer die Vermögensakku—
mulation in enge Schranken gebunden gewesen, angesichts
der Kleinheit der Vermögen, die im handwerksmäßigen
Handel investiert waren. Wir müssen uns die große Menge
der mittelalterlichen Händler nämlich als ganz kleine Schnorrer
vorstellen, etwa nach Art unserer größeren Hausierer oder
kleinen Detailhändler. Auch dafür findet der Leser in meinem
„Kapitalismus“ die ziffermäßigen Belege. Was aber für den
mittelalterlichen, als Handwerk betriebenen Handel gilt, gilt
in gleichem Maße auch für die übrigen Zweige der hand—
werksmäßigen Wirtschaft, also insonderheit auch für das
Handwerk im engeren Sinne, für die handwerksmäßig Ge—
werbetreibenden. Selbstverständlich ist nicht zu leugnen, daß
aus diesen Kreisen sich durch besonders glückliche Umstände
hier und da auch einzelne Leute zu Reichtum emporarbeiten
konnten; es ist aber eine ganz verkehrte Vorstellung, anzu—
nehmen, daß auch nur im wesentlichen oder gar ausschließ—
lich die gröäßeren Vermögen, von denen wir den Kapitalismus
seinen Anfang nehmen sehen, in der Sphäre der handwerks—
mäßigen Wirtschaft gebildet seien. Gehen wir von dieser
Anschauung aus, und fragen nunmehr, wo denn die eigent—
lichen Quellen der ursprünglichen Kapitalvermögen zu suchen
seien, so bietet sich uns bei näherem Zusehen eine ganze
Reihe solcher Vermögen bildender Quellen dar. Ich will
sie im folgenden kurz aufzählen: