836 überblick über d. geschichtl. Entwickelung d. Gewerbewesens.

korrekt unter der Bezeichnung der Grundherren zusammen—
fassen kann. Das häufig eintretende Bedürfnis nach rascher
oder plötzlicher Geldbeschaffung dieser Elemente bewirkte es,
daß sie häufig zu für sie außerordentlich ungünstigen, für
die aushelfenden Geldgeber günstigen Bedingungen Geschäfte
mit hürgerlichen vermögenden Personen einzugehen gezwungen
wurden. Welche gewaltige Bedeutung der Geldleihe-Verkehr
mit den Großen der mittelalterlichen Reiche für die Ver—
mögensbildung hatte, machtf man sich am besten klar, wenn
man die in Frage kommenden Summen etwa mit den Wertken
des mittelalterlichen Handels vergleicht. Man wolle sich
etwa vergegenwärtigen, daß ungefähr in derselben Epoche
Mitte, bezw. Ende des 14. Jahrhunderts als der Wert des
gesamten Einfuhrhandels einer Stadt wie Reval 1 bis
11, Millionen Mark, derjenige Lübecks 2—3 Millionen
Mark heutiger Währung betrug, ein einziges Florentiner
Bankhaus dem König von England über 8 Nillionen Mark
heutiger Währung, ein anderes über 5 Millionen Mark ge—
liehen hatte; daß zu der Zeit, da die sämtlichen hanseatischen
Kaufleute für 5—600000 Mark, die italienischen zusammen
für 11,,—2 Millionen Mark heutiger Währung Wolle in
England einkauften, Ende des 13. Jahrhunderts die Geld⸗
leiher in Paris, die sogenannten Lombarden, einen Jahres—
umsatz von 61 Millionen Mark heutiger Währung versteuerten.
3. kommt in Betracht als Quelle der Vermögensbildung
die Ausbeutung fremder Länder und Völker, wie sie durch
die Kolonialherrschaft erfolgte. Während des Mittel—
alters waren es die Italiener, welche aus ihren Besitzungen
in der Levante die kolossalen Reichtümer herbeischafften, mit
denen sie ihre Macht begründeten. Seit Erschließung des
Seewegs nach Ostindien bezw. der Entdeckung Amerikas
dagegen sind es der Reihe nach die Portugiesen, Spanier,
Holländer, Franzosen, Engländer, die sich durch eine rücksichts⸗