Die Schaffung der objektiven Beding. kapitalist. Wirtschaft. 89

erobern mußte. Bei diesen seinen Bestrebungen aber be—
durfte das junge Fürstentum vor allem wiederum eines
Hilfsmittels, das ihm niemand so leicht zur Verfügung zu
stellen vermochte, als der kapitalistische Haudel und die
kapitalistische Industrie, nämlich des Geldes. Geld bedurfte
der Fürst vor allem für seine Armee, Geld bedurfte er für
die Erhaltung seines Hofstaates und seiner Beamten. Dies
ersehnte Geld aber kam durch nichts leichter in ein Land
hinein, als durch Erwerbung minenreicher Kolonialgebiete
oder durch Entwicklung des überseeischen Handels, oder der
einheimischen großen Exportindustrie. Es ist deshalb nur
natürlich und begreiflich, wenn wir die kapitalistischen Inter—
essen gefördert sehen durch die Politik des aufkommenden
Fürstentums, wenn wir wahrnehmen, daß der gewerbliche
Kapitalismus von vornherein ebenso seinen Stutzpunkt in
den großen Landes- und Staatsgewalten fand, wie das
Handwerkertum ihn in den Gewalten der mittelalterlichen
Städte gefunden hatte.
Diejenige Gewerbepolitik, die berufen war den Kapita—
lismus in den modernen Staaten zuerst fest zu setzen, wird
unter der Bezeichnung der merkantilistischen Politik zu—
sammengefaßt. Der Merkantilismus umfaßt freilich die
gesamte Wirtschaftspolitik der damaligen Zeit. Er bildet
den wesentlichen Inhalt der Staatsklugheit, die wir in den
europäischen Staaten vom 16. bis zum 18. Jahrhundert
angewandt finden, er ist die lebendige Praxis aller bedeu—
tenden Staatsmänner von Karl V. bis Friedrich dem Großen
und erreicht seinen Höhepunkt in England unter der Herr—
schaft Cromwells, in Frankreich unter dem Regimente
Colberts, von dem er deshalb wohl auch den Namen des
Colbertismus trägt. Aber den Kern aller merkanti—
listischen Maßnahmen machte doch das Streben aus, neben
dem Großhandel vor allem auch eine moderne Großindustrie