92 überblick über d. geschichtl. Entwickelung d. Gewerbewesens.

Auf der andern Seite sollte Vorsorge dafür getroffen sein,
daß die einheimische Industrie billige und gute Rohstoffe
für ihre Erzeugnisse stets zur Verfügung habe. Man ver—
bot deshalb die Ausfuhr der Rohstoffe und Halbfabrikate
aus dem eigenen Lande bzw. belegte sie mit Ausfuhrzöllen,
während man der Einfuhr von Rohstoffen aus dem Aus—
lande Erleichterungen zu teil werden ließ. Genügten diese
indirekten Maßregeln noch nicht, um die einheimische In—
dustrie zur Entwicklung zu bringen, so griff man zur direkten
Unterstützung und Förderung der kapitalistischen Industrie.
Man erteilte Prämien für die Anlage von Fabriken, Prämien
für die Ausfuhr von Industriecerzeugnissen, man sorgte dafür,
daß die hervorragenden Gewerbetreibenden, Unternehmer
wie Arbeiter aus den fremden Ländern herbeigezogen wur—
den, damit sie im eigenen Lande die vielleicht noch nicht
vorhandene Industrie begründeten oder eine bestehende zur
rascheren Entwicklung brächten. Die Emigrantenpolitik, wie
sie beispielsweise die Hohenzollern betrieben, ist nicht zuletzt
durch dieses Bestreben hervorgerufen worden, das eigene Land
mit tüchtigen ausländischen Gewerbetreibenden zu bereichern.
Aber nicht nur für die Schaffung eines Marktes im
Innern setzte der Staat seine Kräfte ein, es galt ihm nicht
weniger, seine Machtsphäre auch nach außen hin so sehr als
möglich zu entfalten, ökonomisch gesprochen also der ein—
heimischen Industrie und dem einheimischen Handel einen
möglichst breiten Herrschaftsbereich auf der Erde zu ver—
schaffen. Wenn je der Satz gegolten hat, daß der wirt—
schaftliche Erfolg abhängig von der Macht des Staates war,
so für jene Zeit, in der der moderne Kapitalismus sich in
Europa etablierte. Es ist nicht am Orte, hier im einzelnen
zu verfolgen, durch welche Maßregeln es den einzelnen
Staaten gelang, ihren auswärtigen Handel, ihre Schiffahrt
und vor allem ihren Kolonialbesitz, denn um diesen dreht