Die Schaffung d. objektiven Beding. kapitalist. Wirtschaft. 101

Wogegen dieses sich vor allem sträuben muß, ist gerade
jene Stereotypierung der Produktions- und Absatzverhält⸗
nisse. Jede kapitalistische Unternehmung strebt, wie wir
wissen, nach unbeschränkter Ausdehnung ihres Wirkungs⸗
gebietes. Das folgt unmittelbar aus dem erwerbswart—
schaftlichen Grundzuge ihres Charakters. Die Vermehrung
des Geldes ist an keine Schranken einer naluralen Werk
verrichtung oder einer personalen Bedarfsgestaltung ge—
bunden, sie ist grenzenlos. Schon aus diesem Grunde also
ist die Produktions- oder Absatzbeschränkung allem kapita—
listischen Wesen zuwider. Sie ist es aber auch noch aus
anderen Gründen. Wie das Ausmaß ihrer Tätigkeit, so
soll auch deren Ausübung im Rahmen der kapita—
listischen Unternehmung von jeder zwangsweisen Bindung
frei sein.
Weil das vornehmste Mittel kapitalistischer Wirtschaft
zur Erreichung ihrer Zwecke die Vertragsschließung ist, auf
deren rationell-profitable Gestaltung alles Augenmerk ge—
richtet wird, so kann es gar nicht anders sein, als daß ihr
Wirtschaftssubjekt bei jeder neuen Vornahme einer Vertrags⸗
schließung von dem Gedanken beseelt ist, deren Bedingungen
so günstig wie möglich, günstiger als das vorige Mal zu
gestalten. Es fühlt fich der Leiter einer kapitalistischen
Unternehmung daher in jedem Augenblicke als der selbst⸗
herrische Schöpfer seiner ökonomischen Existenzbedingungen,
als der Gestalter gleichsam der gesamten wirtschaftlichen
Welt, die nach seinem Bilde formen zu können er die Ab—
sicht und das Vertrauen besißt. Es wurde schon darauf
hingewiesen, daß in dieser eigenartigen Konstellation der
wirtschaftlichen Verhältnisse, wie sie durch das Emporkommen
einer kapitalistischen Psyche geschaffen wird, mit einiger
Wahrscheinlichkeit der Ausgangspunkt für die Entwickelung
des modernen „Individualismus“ zu finden ist.