Die Schaffung d. objektiven Beding. kapitalist. Wirtschaft. 103

wurden, durch die man dem Ideal der Freiheit, wie es
jene Zeit beherrschte, zum Siege verhelfen wollte. Ange—
sichts dieser Tatsache, die es unzweifelhaft erscheinen läßt,
daß auch die Gewerbefreiheit idealen Motiven entsprungen
ist, kann es auffällig erscheinen, die Herstellung einer frei—
heitlichen Wirtschaftsordnung auf bestimmte praktische Inter—
essen zurückzuführen. Ich leugne die bezwingende Macht
der liberalen Ideen, aus denen das Wirtschaftsrecht des
19. Jahrhunderts hervorging, ebensowenig, wie ich den
Einfluß der Beihilfe unterschätze, die diesen Bestrebungen
durch die Wissenschaft des 18. Jahrhunderts erwuchs.
Diese nämlich hatte den Satz aufgestellt, daß es allein den
Anforderungen strenger Wissenschaftlichkeit entspräche, wenn
im Wirtschaftsleben die einzelnen Interessenten möglichst
frei schalten und walten könnten, daß allein unter der
Voraussetzung einer solchen weitgehenden individualen Frei—
heit die wirtschaftlichen Gesamtinteressen zu ihrem Rechte
kämen. Aber so sehr ich auch die fördernde Macht dieser
idealen Faktoren bei der Umbildung unseres Verfassungs—
und Rechtslebens anerkenne, so steht es für mich doch uner—
schütterlich fest, daß alle diese Faktoren nicht hingereicht
hätten, die grundstürzende Anderung in den Formen unseres
sozialen Lebens vorzunehmen, wenn bei der erstrebten
Neugestaltung der Dinge nicht die Interessen der mächtigsten
Wirtschaftsfaktoren ebenfalls gefördert worden wären. Wie
sehr aber aus den kapitalistischen Interessen sich die Forde—
rung einer freiheitlichen Wirtschaftsordnung ergeben mußte,
habe ich in den vorherigen Ausführungen zu erweisen
versucht.
Über den Verlauf der Reformbewegung in den ein—
zelnen europäischen Ländern unterrichtet folgende