10 Die Gestaltung d. Gewerbewesens i. d. mod. Kulturstaaten.

werblichen Berufs und wird nunmehr als gewerbliche sta—
tistisch ermittelt. Erster Grund, weshalb (in diesem Falle
nur scheinbar), die gewerbliche Tätigkeit an Umfang während
des 19. Jahrhunderts zugenommen hat.
Aber sie hat es auch in Wirklichkeit. Und zwar aus
mehrfachen Gründen. Es ist zunächst der gesteigerte Reich—
tum, der es bewirkt. Der bei weitem größte Teil dessen,
was wir zur vermeintlichen oder wirklichen Steigerung un—
seres Lebensgenusses heute an Gütern mehr wie vor hun—
dert Jahren gebrauchen, entstammt der Sphäre der gewerb—
lichen Produktion — richtiger, hat diese durchschritten, ehe
er gebrauchsfertig wurde. Es muß bedacht werden, daß die
Vervollkommnung unserer Wohnung und ihrer Ausstattung,
unserer Kleidung, unseres Schmuckes, unserer Unterhaltung
mit Gegenständen der Kunst oder der Literatur oder durch
Schaustellungen aller Art, die Vervollkommnung des Reisens,
der Behandlung Kranker, Irrer, Gefangener, die Vervoll—
kommnung der Heilkunst (Instrumente) und Hygiene, die
Anlage von städtischen Bereinigungs- und Beleuchtungs—
werken: daß alles dieses, was wir unter der Bezeichnung
sachliche Kultur zusammenzufassen pflegen, gewerbliche Er—
zeugnisse zur Grundlage, richtiger: eine Stoffbearbeitung
zur notwendigen Voraussetzung hat. Unzweifelhaft nimmt
nun aber diese einen größeren Raum ein bei der Herstellung
dieser tausend und aber tausend Gegenstände, als die auf die
Erzeugung der dazu erforderlichen Rohstoffe gerichtete Mehr—
arbeit; und auch die zur Hervorbringung von Nahrungs⸗
mitteln dienende Tätigkeit, weil diese selbst nicht in gleichem
Umfange differenziert und verfeinert sind wie die gewerb⸗
lichen Erzeugnisse, brauchte längst nicht in gleichem Umfange
gesteigert zu werden wie die stoffverarbeitende Tätigkeit.
Schon aus diesem Grunde würde also auch in einem nach
anßen geschlossenen Staate die Zahl der Gewerbetreibenden