20 Die Gestaltung d. Gewerbewesens i. d. mod. Kulturstaaten.

Endlich will ich noch die Ziffern mitteilen, in denen der
Anteil der selbständigen Handwerker an der Gesamt—
bevölkerung zum Ausdruck kommt.
Nach den Berechnungen, die Paul Voigt auf Grund der
im Jahre 1895 veranstalteten Reichsenquete gemacht hat,
entfielen im Jahre 1895 auf 100 Einwohner 2.67 selbst⸗
ständige Handwerker in Deutschland. Thilo Hampke be—
rechnet auf Grund des vom 3. deutschen Handwerks- und
Gewerbekammertages, der vom 25. bis 27. September 1902
in Leipzig stattfand, zusammengetragenen Materials diesen
Anteil auf 1.900/6. Es würde also in den letzten Jahren
abermals eine starke prozentuale Verminderung der Hand—
werksmeister stattgefunden haben.
Was lehren uns nun diese Ziffern? Wenn wir einmal
annehmen, daß alle Betriebe, die weniger als fünf Hilfs—
personen beschäftigen, zum Handwerk gehören, so würde
ein Blick auf unsere Tabellen lehren, daß das Handwerk
während der letzten Menschenalter immerhin noch an Um—
fang zugenommen habe. Freilich ist die Zahl seiner An—
gehörigen höchstens im gleichen Verhältnis wie die Gesamt—
bevölkerung gewachsen oder aber sie ist wie beispielsweise
die Vergleichung der preußischen Ziffern von 1834 —1895
lehrt, hinter der Gesamtbevölkerung zurückgeblieben. Daraus
folgt schon, wenn wir uns des im vorigen Kapitel Aus—
geführten erinnern, daß das Handwerk längst nicht in gleichem
Verhältnis wie die gewerbliche Arbeit überhaupt gewachsen
ist, denn diese hat sich, wie wir sahen, viel rascher als die
Gesamtbevölkerung vermehrt. Es würde also schon aus den
Ziffern der Statistik mit hinreichender Deutlichkeit hervor—
gehen, daß das Handwerk in der Gegenwart die Tendenz
hat, gegenüber dem gewerblichen Kapitalismus, denn er ist
es, auf den die rasche Zunahme der gewerblichen Produktion
im übrigen entfällt, an Umfang zurückzuweichen.