Das Handwerk. 21

Nun muß aber sehr ernstlich in Betracht gezogen werden,
daß es nicht zulässig ist, ohne weiteres die von der Statistik
ermittelten Kleinbetriebe mit Handwerksbetrieben zu identi⸗—
fizieren. Es ist vielmehr jedem Kenner der gewerblichen
Verhältnisse bekannt, daß sich eine sehr große Anzahl von
gewerblichen Kleinbetrieben nicht mehr in einer handwerks—
mäßigen Verfassung befindet, sondern in Abhängigkeit vom
Kapitale lebt. Ich denke nicht einmal an diejenigen Fälle,
in denen der Handwerker zwar äußerlich poch selbständig
auftritt, in Wirklichkeit aber schon in eine Art von Kapital—
hörigkeit geraten ist, dadurch, daß ihm etwa seine Arbeits—
stätte, seine Rohstoffe oder seine Werkzeuge auf Kredit zur
Verfügung gestellt werden, wie wir es häufig in der Bäckerei
finden, wo die sogenannten Bäckermeister oft nichts anderes
als die Puppen sind, die von den Mehlhändlern oder den
Häuserbesitzern in den Laden gesetzt werden. Ich denke
auch nicht an viele kleine Bauhandwerker, die sich überall
dort in einer gedrückten Lage befinden, darf man sagen, wo
sie, statt wie früher mit einem privaten Bauherrn, mit einem
kapitalistischen Unternehmer ihre Verträge abschließen. Es
genügt, sich derjenigen Existenzen zu erinnern, die bereits in
einer direkten Abhängigkeit vom kapitalistischen Unternehmer
sich befinden, die also im Grunde nichts anderes sind, als
Lohnarbeiter, obwohl sie ihre Arbeit noch in ihren eigenen
Häusern oder Werkstätten verrichten. Es unterliegt keinem
Zweifel, daß in der Gewerbestatistik ein sehr großer Teil
der in der Möbeltischlerei, in der Schuhmacherei, in der
Schneiderei gezählten Kleinbetriebe in Wirklichkeit nichts
anderes sind als hausindustrielle Betriebe.
Aber auch wenn man für diese, ihrem inneren Wesen
nach nicht mehr handwerksmäßigen Existenzen den ent—
sprechenden Abschlag von den Ziffern der Gewerbestatistik
machte, so wäre davor zu warnen, aus der Summe der übrig—