22 Die Gestaltung d. Gewerbewesens i. d. mod. Kulturstaaten.

bleibenden Handwerksbetriebe und ihrem ziffermäßigen Ver—
hältnis in den letzten Zählungsjahren schon ohne weiteres
einen Schluß auf die Erhaltung der handwerksmäßigen
Produktion zu machen. Es muß nämlich noch des weiteren
in Betracht gezogen werden, daß die Ziffern der Statistik
nichts darüber aussagen, ob und in welchem Umfange die
als Handwerker gezählten Personen ihrer produktiven Tätig⸗
keit obliegen. Ich werde im folgenden noch zeigen, in welch
weitem Umfange heute die Handwerker irgend welchen Neben⸗
beschäftigungen obliegen, so daß sie also nur zum Teil noch
Handwerker sind, und es ist eine bekannte Tatsache, die durch
ein umfassendes Material belegt werden kann, daß auch
innerhalb der eigentlichen Produktionstätigkeit des Hand—
werkers die Produktionsmenge, die er bewältigt, häufig nicht
mehr die gleiche ist, wie früher.
Endlich aber muß, wenin man die Frage nach der Be⸗—
deutung der handwerksmäßigen Organisation in dem Wirt⸗
schaftsleben der Gegenwart richtig beantworten will, noch
in Rücksicht gezogen werden, daß der Handwerksbetrieb
selber, wie ich ebenfalls noch im folgenden angeben werde,
wesentlichen Wandlungen unterzogen worden ist. Will man
—
deutung des Handwerks in der Gegenwart und sein ziffern⸗
mäßiges Verhältnis zu seinem Todfeinde, dem gewerblichen
Kapitalismus bilden, so wird man vielleicht sagen dürfen,
daß während der letzten 50 Jahre der Bestand des Hand—
werks sich absolut annähernd gleich geblieben ist, während
in dieser Zeit der Umfang der gewerblichen Produktion ab⸗
solut etwa sich verdreifacht hat. Stand also vor 50 Jahren
noch nicht ein Lohnarbeiter neben einem Handwerker, so
finden wir heute drei Repräsentanten des gewerblichen
Kapitalismus neben einem Handwerker. Angesichts der
Wandlungen, die die handwerksmäßige Tätigkeit erfahren