24. Die Gestaltung d. Gewerbewesens i. d. mod. Kulturstaaten.

nicht ein Stück von den in seinem Laden feilgebotenen Er—
zeugnissen von ihm selber verfertigt ist, daß er vielmehr wie
jeder andere Detailhändler nur den Umsatz der Waren ver—
mittelt, die in kapitalistischen Unternehmungen hergestellt
worden sind. Einen anderen Ausweg, seine Einnahmen
zu ergänzen, sieht mancher Handwerker in dem, was wir
Berufsvereinigung nennen, d. h. im Übergriff in andere
gewerbliche Berufszweige. Wie im Laufe der Entwicklung
sich ein Handwerk nach dem andern verselbständigt hatte,
in dem Maße, wie sich der Kreis seiner Tätigkeit erweilerte,
so fallen die alten Einzelhandwerke wieder zu größeren
Gruppen zusammen, in dem Maße, wie sich ihr Produktions—
feld verengert. Ich erinnere hier nur an folgende, beson—
ders häufig wiederkehrende Fälle: Der Schlosser sucht die
Schmiedearbeiten, der Schmied die Schlosserarbeiten an sich
zu ziehen, die Zimmereibetriebe verrichten die Bautischler—
arbeiten; die Tischler setzen die Fensterscheiben ein; die
Bäcker treiben nebenher Konditorei und Pfefferküchlerei;
Sattler- und Tapezierarbeiten werden vereinigt, auch wohl
Stellmacherei und Schmiedearbeit zum Wagenbau.
Vermag nun der Handwerker nicht durch solcherart
Mehrbeschäftigung auf seinem spezifischen Arbeitsgebiet seinen
Unterhalt sich zu verschaffen, so richtet sich sein Streben dar—
auf, irgend welchen, wie auch immer gearteten Nebener—
werb zu bekommen. Diese Tendenz nach beliebiger Neben—
beschäftigung ist eine in neuerer Zeit allgemeine unter den
Handwerkern, und es ist ergötzlich zu sehen, zu welch selt—
samen Berufskombinationen dieses Streben dann häufig
führt. Wir finden die Handwerker im Nebenberuf als Kolpor—
teure, als Agenten, als Pensionshalter und Zimmerver—
mieter, als Karussellbesitzer, als Lohnkellner, als Leichenträger,
als Posthilfsboten, als Vereinsdiener, als Zeitungsträger,
Ausläufer. Laternenanzünder, Kirchendiener, Küster Schul—