28 Die Gestaltung d. Gewerbewesens i. d. mod. Kulturstaaten.
1 Schneider-, 1 Büchsenmacher- und 1 Bandwirker—
genossenschaft.
Die gewerblichen Produktivgenossenschaften, von
denen nach den Angaben des Jahrbuchs (1903) 323 be—
stehen — 11 berichtende mit 763 Mitgliedern hatten einen
Verkaufserlös von 1035009 Mark — scheinen in ihrer
überwiegenden Mehrzahl nicht den Kreisen der Handwerker
anzugehören: von den 11 berichtenden gewerblichen Pro⸗
duktivgenossenschaften waren 3 Buchdruckereien, 2 im Brau—
gewerbe, 2 Branntweinbrennereien und je 1 im Bergbau
(die Mitglieder des Braunsteinhandelsvereins in Gera bei
Elgersburg liefern ihren selbst geförderten Braunstein zur Auf⸗
bereitung im eigenen Pochwerk und zur weiteren Verwertung
an den von ihnen errichteten, Braunsteinhandelsverein“), im
Tuchmacher⸗, Schuhmacher- und Ziegelfabrikationsgewerbe.
Will der Leser die Gründe kennen lernen, weshalb
die Idee der Handwerker-Betriebsgenossenschaften scheitern
mußte, so bitte ich ihn, das 35. Kapitel im 2. Bande meines
„Kapitalismus“ nachzulesen.
Etwas anders muß das Urteil über die letzte Kategorie
der Genossenschaften lauten, die häufig auch unter der
Kategorie der Handwerkergenossenschaften inbegriffen werden,
die Kreditgenossenschaften. Zunächst ist es je—
doch falsch, diese Organisationen, welche den Zweck
haben, kleinere wirtschaftliche Existenzen, denen die großen
Banken nicht zur Verfügung stehen, durch genossenschaft⸗
lichen Zusammenschluß in den Stand zu setzen, sich an
dem modernen Kreditverkehr zu beteiligen, lediglich oder
auch nur vorwiegend als dem Handwerk dienende Ein—
richtung zu betrachten. Die genossenschaftliche Kreditorga—
nisation kommt nämlich im wachsenden Umfange anderen
Kreisen der Bevölkerung, namentlich den bäuerlichen Kreisen,
zugute. Ist doch der Anteil der Handwerker an dem Mit—