Das Handwerk.

29

gliederbestande der Schulze-Delitzschschen Kreditvereine, d. h.
derjenigen, welche für den gewerblichen Produzenten von
allen genossenschaftlichen Kreditorganisationen wohl am
ehesten geeignet sind, in den letzten 80 Jahren von fast
2/ auf /, zurückgegangen.
Sodann ist aber in Rücksicht zu ziehen, daß die Vor—
teile des genossenschaftlichen Kredits, soweit die Hand—
werke. sich seiner bedienen, so gut wie ausschließlich nur
den größeren Handwerkern zugute kommen. Was die ge—
nossenschaftliche Kreditgewährung also zu bewirken vermag,
ist nicht eine Rettung des Handwerks, sondern die Be—
schleunigung eines Ausleseprozesses, demzufolge sich
aus den Reihen des alten Handwerks einige kräftige
Existenzen zu demjenigen Typus des gewerblichen Pro—
duzenten entwickeln, den ich als kleinkapitalistischen
Unternehmer vezeichne. Die Erfahrung hat gelehrt, daß
in einer ganzen Reihe von Branchen Personen mit einem
Kapital von 20 — 30000 Mark, die ein überdurchschnitt—
liches Maß von Energie und insbesondere auch kauf—
männische Fähigkeiten besitzen, sehr wohl imstande sind,
auch in der Gegenwart ihr gutes Auskommen zu finden.
Sie können mit diesem kleinen Kapital zunächst ihren
Betrieb soweit vergrößern, sagen wir die Hilfsarbeiterzahl
auf 10 bis 15 oder 20 Personen erhöhen, daß sie die
Vorzüge des gesellschaftlichen Betriebes, Arbeitsspezialisation,
Materialvereinigung usw. wenigstens im kleinen zu genießen
vermögen, daß sie ferner aber auch die technische Ein—
richtung ihres Betriebes in einer den modernen Anforde—
rungen entsprechenden Weise treffen könuen. Ein solcher
gewerblicher Betrieb mit 10 — 15 Hilfspersonen kann sich
die allernotwendigsten Arbeitsmaschinen anschaffen und wird
durch die moderne Entwickelung der Kleinmotoren, die durch
Gas, Benzin oder Elektrizität betriceben werden, in die