30 Die Gestaltung d. Gewerbewesens i. d. mod. Kulturstaaten.
Lage versetzt, diese Arbeitsmaschinerie auch durch mecha⸗
nische Kräfte antreiben zu lassen.
Damit ist auch die Bedeutung gekennzeichnet, die der
Idee zukommt, das Handwerk soll durch den Kleinmotor
gerettet werden. Als zuerst die Technik die kleinen Kraft—
erzeuger geschaffen hatte, entfaltete sich, namentlich in
Technikerkreisen, ein wahrer Enthusiasmus und es knüpften
sich die kühnsten Hoffnungen für das Handwerk an diese
technische Neuerung. Man schloß sehr voreilig, daß das
Handwerk deswegen zu Grunde gegangen sei, weil es sich
der Dampfkraft nicht bedienen konnte, und meinte nun,
wenn man ihm eine gleichwertige Kraft in kleinsten Mengen
zur Verfügung stellte, könne an seiner Erhaltung uͤnd
Wiederbelebung nicht gezweifelt werden. Ich habe im
33. Kapitel des 2. Bandes meines „Kapitalismus“ aus—
führlich die Irrtümlichkeit dieses Raisonnements nach⸗
gewiesen. Hier muß es genügen, festzustellen, daß tat⸗
sächlich die Entwickelung der Motoren für das Handwerk
nur insoweit von Bedeutung ist, als sich dieses zu einer
Betriebsgröße entwickelt, die den Rahmen des normalen
Handwerksbetriebes weit überschreitet und daß auch in
diesem Falle ein Prosperieren nur unter der Voraussetzung
möglich erscheint, daß sich der Betriebsleiter gleichzeitig zu
einem kleinkapitalistischen Unternehmer seinen Strebungen
und seiner Qualifikation gemäf, umwandelt.
Will man diese kleinkapitalistischen Unternehmer dem
Handwerk zurechnen, nur um sich mit dem Bewußtsein zu
trösten, daß dieses wenigstens für einzelne seiner Glieder
auch in Zukunft seinen goldenen Boden nicht zu verlieren
braucht, so steht natürlich für niemand ein Hindernis im
Wege, sich diesen harmlosen Spaß zu machen. Eine tiefere
Betrachtung jedoch wird zu der Einsicht gedrängt, daß das
Handwerk nur denn sich als lebensfähig erweift, abgesehen