32 Die Gestaltung d. Gewerbewesens i. d. mod. Kulturstaaten.

LI. Kapitel.
Die Industrie.

J. Die Umschichtung der Bevölkerung.
Das erste, was der Kapitalismus in der Verfolgung
seiner Zwecke vornimmt, ist eine Umschichtung der Bevolke—
rung. In der früheren Zeit war ein charakteristischer Zug
die Verbreitung der gewerblichen Tätigkeit, auch dort, wo
sie schon in kapitalistischer Organisation vorgenominen wurde,
über das ganze Land hin. Diese Verstreuung hatte ihren
Grund zum ersten in der eigentümlichen Technik vieler In—
dustrien, namentlich auch der Eisenindustrie, die einen starken
Bedarf an Holz hatten (GGolzkohlehochöfen! Frischfeuer!
Pottasche!) und sich deshalb gern in waldreichen Gegenden
ansiedelten, die aber als treibender Kraft sich ausschließlich
des Wassers (oder des Windes) bedienten und darum den
kleinen Wasserläufen (oder den Hügelketten) entlang ihre
Arbeitsstätten aufschlugen. Zum andern in der unvollkom—
menen Betriebsorganisation, die großenteils noch die Haus—
industrie war (bei der die Arbeuer daheim in ihren Woh—
nungen beschäftigt werden) und dies sein konnte dank der
unentwickelten Technik, die den handwerksmäßigen Arbeits—
prozeß noch unberührt gelassen hatte. Dies gilt namentlich
von Spinnerei und Weberei.
Nun drang die moderne Technik, deren Etappen wir
kennen, als willkommener Bundesgenosse den kapitalistischen
Interessen zur Seite vor, und ihre Anwendung heischte jene
Umschichtung der Bevölkerung, von der ich sprach, uͤnd die
in einer Zusammenballung der Arbeitskräfte ihren bezeich⸗
nenden Ausdruck findet. Zusammengeballt werden diese in
bestimmten Gegenden des Landes, zusammengeballt in den
Arbeitsstätten der Unternehmer. Jenes ist eine Folge vor—