34. Die Gestaltung d. Gewerbewesens i. d. mod. Kulturstaaten.
dustrien in das 19. Jahrhundert, während dessen Verlauf
er aber ebenfalls in der überwiegenden Mehrzahl aller
Industrien auch hier zu Ende gelangt ist.
Wenn wir speziell wieder einen Blick auf Deutschland
werfen, so finden wir hier bis in die Mitte des 19. Jahr—
hunderts die alte Hausindustrie, namentlich also die haus—
industrielle Spinnerei und Weberei, als vorherrschende Be—
triebsfforn. Im Jahre 1810 kam die erste Flachsspinn⸗—
maschine nach Deutschland, aber im Jahre 1837 gab es erst
fünf mechanische Spinnereien mit zusammen 10000 Spin-—
deln, 1846 war ihre Zahl auf 14, diejenige der Spindeln
auf 45000 gestiegen. Anfang der 1850er Jahre wurde die
Spindelzahl auf 65000 angesetzt. Für die gleiche Zeit
muß man die von hausindustriell beschäftigten Handspinnern
in Tätigkeit gesetzten Spindeln auf etwa einundeinhalb
Millionen veranschlagen. Ahnlich lag es mit der Woll—⸗
spinnerei, während die Baumwollspinnerei schon viel früher
zum fabrikmäßigen Betrieb übergegangen war. Dagegen
müssen wir uns die Weberei in allen ihren Branchen bis
in die Mitte des 19. Jahrhunderts überwiegend als Haus—
industrie organisiert denken. Die Wollweberei Preußens
beschäftigt noch im Jahre 18946 — 29700 Stühle in den
Wohnungen der Arbeiter; dagegen 14000 in geschlossenen
Etablissements; in der Baumwoll- und Halbwollweberei
laufen 71000 von insgesamt 139000 Stühlen in den Be—
hausungen der Arbeiter.
Noch 1855 gab es im Königreich Preußen für leinene
Zeuge erst 204 „Fabriken“ mit 3000 Stühlen, daneben
jedoch noch 46000 gewerbsweise gehende, d. h. hausindu—
strielle Stühle. Am längsten hat sich in der hausindustriellen
Betriebsform die Seidenweberei erhalten, die erst während
der letzten Jahrzehnte in die Form des Großbetriebes über—⸗
geführt wird. Heute, wie gesagt, darf man im wesentlichen