38 Die Gestaltung d. Gewerbewesens i. d. mod. Knlkurstaaten.
Wenn wir diese Gewerbe überblicken, so bemerken wir
leicht, daß es sich um eine ganz andere Kategorie von In⸗
dustrien handelt, als jene waren, bei denen wir eine Ver⸗
mehrungstendenz der Hausindustrie beobachten konnten. Es
handelt sich nämlich hier um solche Hausindustrien, die
ich als moderne bezeichne, weil sie entstanden sind zu
einer Zeit schon hochentwickelter kapitalistischer Wirtschafts⸗
weise. Zu einer Zeit, die in zunehmenden Maße von der
—00— und be⸗
sonders gern in den Großstädten ins Leben treten, von
denen sie sich dann erst über kleine Städte und plattes Land
verbreilen. Was sie besonders charakterisiert, ist die ganz
andere Beschaffenheit ihres Arbeitermaterials: sie basieren
auf der infolge des immer rapider sich abwickelnden Auf⸗
lösungsprozesses aller früheren sozialen Verfassung Bauern⸗
wirtschaft, Gutswirtschaft, Handwerk, Familie) in großen
Mengen freigesetzten und auf den Markt geworfenen Be—
völkerungsmassen: deklassierter Handwerksmeister, bäuerliche
Überschußbevölkerung, vor allem aber Weiber in den Groß⸗
städten: Weiber in Gestalt berufsmäßiger Gewerbetreibender,
Weiber in Form von Witwen und Ehegattinnen, die ihre
früher in der Konsumtionswirtschaft verwandte Arbeitskraft
jetzi durch gewerbliche Lohnarbeit als Füllarbeit zu ver—
werten suchen. Weiber in Gestalt von Zuschußverdienst
suchenden Haustöchtern u. dergl. Die bedeutendsten dieser
modernen Hausindustrien sind die Totengräber der letzten
großen Handwerke: Tischlerei, Schuhmacherei, Schneiderei.
unter diesen ist bei weitem die wichtigste wiederm die haus⸗
industrielle Schneiderei, die wir uns als Konfektions—
industrie zu bezeichnen gewöhnt haben.
Diese moderne Hausindustrie, deren Existenz im wesent⸗
lichen, wie schon aus den vorhergehenden Andeutungen sich
ercibt, auf ein besonders ausbeuiungsfähiges Proletariat