40 Die Gestaltung d. Gewerbewesens i. d. mod. Kulturstaaten.

Diese hochmoderne Arbeitsorganisation hat wiederum
in der Konfektionsindustrie ihre klassische Ausbildung
erfahren und zwar in allen Ländern mit kapitalistischer Pro—
duktion gleichmäßig. Zuerst in England, wo sie schon in
den 1840 er Jahren Gegenstand ernster Bedenken bei Sozial⸗
politikern und Menschenfreunden war, weil in ihr grauen—
hafte Elendszustände beobachtet wurden. Man hat deshalb
für sie eigens das Wort „Sweatingsystem“ — Schwitzsystem
 — geprägt, obwohl das „Schwitz“-Ausbeutungs—
system naturgemäß nicht an diese eine Organisationsform
gebunden ist. Trotz dieser Unkorrektheit hat sich die Ter—
minologie selbst in der wissenschaftlichen Literatur festgesetzt.
Die beim sogenannten „Sweatingsystem“ in Frage
kommenden Personen sind folgende: a) der Exporteur (Groß⸗
händler, Unternehmer, Kapitalist), welcher als der oberste
Leiter der Produktion angesehen werden darf. Er befindet
sich im Besitze der für die Beherrschung des Warenmarktes
notwendigen Kenntnisse, kraft deren er den Organen der
Produktion die Wege weist. Unmittelbar von ihm empfängt
die Weisung und Aufträge b) der sogenannte Kontraktor,
eine Art Faktor, welcher entweder an einen anderen Mittels—
mann oder aber an die Arbeiterschaft selbst die Aufträge
weitergibt und von dieser die fertigen Produkte einholt.
Die Ausführung der Aufträge nimmt dann e) der sogenannte
Sweater in die Hand. „Sweater ist derjenige, der unmittel—
bar Männer, Weiber und Kinder in Lohn hat, um die Arbeit
auszuführen, und der hofft, aus deren Schweiße (by sweating)
Gewinn herauszuschlagen.“ Die eigentliche Arbeiterschaft (ã)
bilden die von dem Sweater meist in seiner Wohnung be—
schäftigten Männer, Weiber uud Kinder. Die Gewerbe, in
denen das Sweatingsystem hauptsächlich zu Hause ist, sind
vornehmlich die Bekleidungsgewerbe, Schneiderei, Schuh—
macherei usw. Die neueren englischen Untersuchungen über