52 Die Gestaltung d. Gewerbewesens i. d. mod, Kulturstaaten.

größerung und Umbildung der Unternehmungen spielte sich
alles im Rahmen einer Produktionswirischaft ab. Die Kar—
tellierung dagegen setzt ftets voraus, daß zwei oder mehrere
ehemals selbständige Unternehmungen in Beziehung zueinander
treten. Aus Gründen, die bekannt sind: um (ganz allgemein
gesprochen) an Stelle des Wettbewerbes die Vereinbarung,
die Verständigung über wesentliche Punkte der Gütererzeugung
und des Güterabsatzes treten zu lassen, oder dasselbe in
einer etwas getrageneren Sprache ausgedrückt (wie sie die
Geschäftsführer der Kartelle selbst gern zur Anwendung
bringen): um an die Stelle der „anarchischen“ eine, geregelte“
Produktion zu setzen.
Die Kartelle, deren Ursprung nur wenige Jahrzehnte
hinter uns liegt — im Jahre 18883 wurden sie von Professor
Kleinwächter für die Wissenschaft erst entdeckt! — sind nicht,
wie man vielfach angenommen hat, Notstandskinder. Nicht
die Zeiten schwerster Depression sind es (wie man denken
könnte), in denen sich die einzelnen Unternehmer eines Ge—
werbezweiges bereit finden, über Preise und ähnliche Dinge
Vereinbarungen zu treffen (in solchen Zeiten hofft vielmehr
jeder doch wohl noch eher auf eigene Faust sich durchschlagen
zu können), sondern gerade die Zeiten des Aufschwunges,
wenn also ein Absatz auch zu höheren Preisen, als sie den
Produktionskosten entsprechen, gesichert erscheint.
Nach einer Untersuchung Robert Liefmanns sind ihm
im Jahre 1897 348 industrielle (einschl. Bergbau) Kartelle
in Deutschland bekannt geworden, davon bestanden nach
seiner Annahme noch 230 bis 250.
Von den 345 Kartellen entfallen auf:
die chemische Industrie
Eisenindustrie
Industrie der Steine u. Erden

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