54. Die Gestaltung d. Gewerbewesens i. d. mod. Kulturstaaten.
Von 260 dieser Kartelle kennt man die Zeit ihrer Ent—
stehung. Danach bestanden vor dem Jahre:
1865 1870 1875 1879 1885 1890 1896
4 6 8 14 90 210 260.
Diese Zahlen (die auf Genauigkeit keinen Anspruch er—
heben) geben ein Bild von der außerordentlich raschen Ent—
wicklung der Kartellbewegung in den 80er Jahren. Seitdem
geht die Entwicklung zwar nicht mit derselben Rapidität
weiter — die Hauptunternehmungszweige sind eben schon
kartelliert — aber doch ist die Zunahme immer noch eine
bedeutende.
Was die innere Organisation der Kartelle an—
betrifft, so wissen wir, daß sie trotz der kurzen Zeit ihres
Bestehens doch bereits eine merkliche Entwicklung zu höheren,
d. h. festeren und dauerhafteren Formen durchgemacht hat.
Der erste Schritt zur Kartellbildung besteht wohl in
der Regel in einer bloßen Verabredung über inuezu—
haltende Mindestpreise, wodurch man gleichsam auf Um—
wegen den Gang der Produktion zu regeln trachtet. (Reine
Preiskartelle oder Preiskonventionen.) Diesen Preisverab—
redungen gesellen sich Vereinbarungen über die jedem der
Vertragschließenden gestattete Maximalproduktion zu, was
einen ersten Versuch einer direkten Beeinflussung der Pro—
duktion bedeutet: das Kartell wird ein Kontingentierungs—
kartell. Bald mußte sich nun aber herausstellen, daß
solcherart lose Vereinbarungen nicht genügen, um das vor—
gesteckte Ziel zu erreichen. Wollte man die Pflichttreue
des einzelnen nicht auf eine zu harte Probe siellen, so
mußte man Vorkehrungen treffen, daß er nicht in Ver—
suchung komme, vom Pfade der Tugend abzuweichen.
Diese Erwägungen sind es wohl, denen der weitere Aus—
bau des Kartellwesens zu danken ist. Sie mußten zunächst
dazu führen, etwelche Möglichkeit einer Beaufsichtigung der