60 Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.

wenn wir in dieser Weise bestimmt beobachtete Vorgänge
begründet haben, ruht unser Denken aus. Da, wie wir
wissen, das Wirtschaftsleben der Gegenwart als Rechts—
grundlage ein System der Gewerbefreiheit hat, also daß
es im wesentlichen jedem einzelnen Wirtschaftssubjekte frei—
steht, zu tun und zu lassen, was es will, so kann es nicht
anders sein, als daß das Wirtschaftsleben durch die freie
Initiative des einzelnen Wirtschaftssubjektes im wesent—
lichen seine Gestalt erhält. Sehen wir also bestimmte
Formen sich entwickeln, so heißt das, daß diese Formen
diejenigen sind, in denen das einzelne Wirtschaftssubjekt
seine Interessen am besten hat wahren können, aber es
zeigt uns auch des weiteren noch, daß es diejenigen sind,
die den Gesetzen der Anpassung an vorhandene Lebens—
bedingungen am meisten entsprechen. Sich anpassen heißt
nun im Rahmen der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung:
die Kundschaft für sich gewinnen, und das Streben der
einzelnen Wirtschaftssubjekte, dieses Ziel zu erreichen, nennen
wir den Wettbewerb oder die Konkurrenz. Die Frage
nach den Ursachen der Entwickelungstendenzen, die das
moderne Wirtschaftsleben beherrschen, ist also die Frage
nach den Gründen, welche im wirtschaftlichen Konkurrenz⸗
kampfe das Obsiegen des einen über das andere bewirken.
Diese Gründe stelle ich im folgenden systematisch zusammen.
GBenau genommen müßte aus ihnen der Nachweis geführt
werden können, warum der gewerbliche Kapitalismus über
das Handwerk, warum der Großbetrieb über die Haus—
industrie oder die Hausindustrie gelegentlich uber den Groß—
betrieb siegt; warum der spezialisierte Betrieb dem nicht—
spezialisierten, der größere dem kleineren, das kombinierte
Werk dem nichtkombinierten Werk überlegen ist. Doch will
ich mich im wesentlichen mit einer Aufzühlung der Gründe
begnügen, die das Obsiegen des gewerblichen Kapitalismus