Der Kampf um die beste Leistung. 65

einem Ausstellungsgebäude oder einer Mietskaserne. Aber
das Bedürfnis nach rascher Lieferung größerer Partien ist
nicht auf das Baugewerbe beschränkt. Überall wo schon
im Wirtschaftsleben eine Konzentration der produktiven
Kräfte erfolgt ist, entsteht leicht ein Massenbedarf und dieser
will in einem prompt befriedigt werden, nicht durch die
Addierung einer Summe ungleicher Einzellieferungen saum—
seliger Handwerksmeister. Man denke an den Fall, daß
eine Weberei oder ein großes Versandhaus binnen acht
Tagen 10000 Kartons gleicher Aufmachung braucht und
dergleichen. Hier ist es auf der einen Seile die größere
Dispositionsfähigkeit des kapitalistischen und darum kauf—
männisch geschulten Produzenten, auf der andern Seite
natürlich die Breite der Produktionsbasis, die für die recht—
zeitige, prompte, gleichförmige Lieferung auch größerer Waren—
posten zu den exakten vereinbarten Bedingungen gewährleistet.
2. Es entscheiden oft im Konkurrenzkampfe den Sieg
die größere Nenheit der Darbietung. Taß alles
frisch und neu sei, darauf sehen wir Sinnen und Trachten
des Händlers, der das Publikum, Sinnen und Trachten des
Produzenten, der den Händler befriedigen will, gerichtet.
Wir sehen, wie sich ein immer rascherer Wechsel des Ge—
schmacks, der auch aus andern Gründen wetterwendisch wird,
zebiert, und sehen wie ein Hasten und Drängen damit in
Handel und Produktion einzieht, das keine frühere Zeit ge⸗
kannt hat. Von allem Wandel der Existenzbedingungen ift
aber vielleicht keiner für den Bestand des Handwerks so ver—
hängnisvoll geworden als dieser, der die Unstetigkeit des
Wirtschaftslebens herbeiführt. Nichts wird dem Handwerker
schwerer als der stete Wechsel, keine andere Organisations⸗
form der Produktion vermag ihm besser gerecht zu werden als
die kapitalistische. Dem Wesen des Handwerks entspricht die
Schwerfälligkeit, die Langsamkeit der Anpassung; dem Wesen
Sombart. Gewerbewesen II.