71
durch Qualitätsveränderung. Ich spreche zuerst kurz von
dieser.
Das Streben, einem Lieferanten gewerblicher Erzeug—
nisse dadurch gleichsam das Wasser abzugraben, daß man
einen anders gearteten aber gleich verwendbaren Gegenstand
zum Verkauf ausstellte, ist so alt, wie die Konkurrenz über—
haupt. Es ist bekannt, wie es insbesondere der gewerbliche
Kapitalismus in seinen Anfängen war, der auf diese Weise,
durch Ausübung einer Art von Ersatzkunst, dem Handwerk
die ersten Wunden schlug. Drei Wege gibt es, um zu dem
bezeichneten Ziele zu gelangen:
1. die Ersetzung des früheren Stoffes oder der früheren
Form ohne Qualitätsverschlechterung (Substitution);
2. die Verschlechterung der Qualität, sei es des Stoffes,
sei es seiner Bearbeitung, während Stoff und Art der Her—
richtung einstweilen dieselben bleiben (einfache Qualitäts—
verschlechterung);
3. die Ersetzung von Stoff und Form durch minder—
wertige Surrogate (Surrogierung im engeren Sinne).
Alle drei Wege sind seit Jahrhunderten von den ge—
werblichen Produzenten beschritten worden. Gleichwohl sind
erst in unserer Zeit diese Praktiken zu einer ökonomischen
Massenerscheinung geworden; denn erst unsere Zeit schuf in
der verschärften Konkurrenznot die Triebkraft, und in der
modernen Technik, insonderheit in dem wissenschaftlichen Ver—
fahren, die Bedingungen für ihre Ausbreitung. Heute bilden
sie eine der wichtigsten Erscheinungen im modernen Kon—
kurrenzkampfe, und es gibt kein Gewerbe, in dem nicht dieser
oder jener Artikel in einer der drei Richtungen eine Quali—
tätsveründerung erfahren habe; ja es gibt vielleicht in dem
ganzen großen Gebiete gewerblicher Produktion keinen einzigen
Fall einer Verbilligung, bei dem nicht auch eine der bezeich—
neten Qualitätsveränderungen im Spiele gewesen wäre.

Der Preiskampf.