72 Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.
Die Gründe, weshalb dem Handwerker das Gebiet des
Surrogats so gut wie ganz verschlossen ist, sind mannigfaltige.
Allenfalls kann er sich der allgemeinen Qualitätsverschlechte—
rung als Hilfsmittel bedienen, aber auch dieses vertraͤgt sich
nicht mit der innersten Natur des Handwerks. Nicht nur,
daß es der Handwerkerehre zuwider ist, Schundware zu liefern,
er würde es nicht einmal können, weil es ihm auf die Dauer
seine Kundschaft vertreiben würde. In den meisten Fällen
ist die Qualitätsverschlechterung doch mit einer Täuschung,
mindestens einer Düpierung des Publikums verbunden, und
dazu bedarf es einer Unpersönlichkeit des Produzenten, wie
sie die kapitalistische Organisation leichter mit fich bringt.
Kaufe ich die Schundware im Laden beim Herrn Kohn, so
kann ich diesen als Händler niemals in dem Maße verant—
wortlich machen, wie ich es tue, wenn der Schuhmacher
Schmidt oder der Tischlermeister Müller mir als Lieferanlen
des Schwindelstückes bekannt sind. Fast ganz verschlossen
sind nun aber dem Handwerker die Wege der Substitution
und Surrogierung. Auf dem gesamten Gebiet der diesen
Bestrebungen dienenden Industrie befindet sich der hand—
werksmäßige Produzent im entschiedenen Nachteil gegenüber
dem kapitalistischen Unternehmer, und das ist kein Wunder,
denn diejenigen Qualitätsveränderungen, wie sie in der
Subbstitution und Surrogierung vor sich gehen, sind ja doch
ausgesucht unter dem Gesichtswinkel kapitalistischer Interessen.
Sie haben nur eine Bedeutung, soweit sie auf kapilalistische Pro—
duktionsweise zugeschnitten sind, und dadurch werden sie natür—
lich in derMehrzahl derFilleunanwendbarfürdenHandwerker.

II. Die Verbilligung durch Quantitätsverändernng.
Diese ist, wie wir aus dem einleitenden Kapitel dieses
Abschnittes wissen, entweder eine Produktionsfaktoren-Ver—
billigung oder eine Produktionsverbilligung.