Der Preiskampf. 81

einzelnen Bestandteile, wodurch er die kunstvolleren Leistungen
auf der einen Seite verselbständigte, schuf er auf der andern
Seite die große Menge der rein mechanischen Verrichtungen,
die nun von dem Dümmsten ohne weiteres ausgeübt werden
können. Mit der Anwendung der Maschinentechnik hat die
Verwendbarkeit ungelernter und billiger Arbeitskräfte, wie
man sieht, im Prinzip gar nichts zu tun. Diese vielmehr
wie jene beruht lediglich auf der Verselbständigung der ent⸗
geistigten Teilverrichtung im ganzen des Produktionspro—
zesses. Daher sie nicht minder groß war in Industrien,
in denen die maschinelle Technik bislang gar keine wesent⸗
lichen Veränderungen des Arbeitsprozesses hervorgerufen
hat, wie in der Schneiderei, als dort, wo die Produktion
auf eine völlig neue technische Basis gestellt wurde, wie in
der Spinnerei. Einen bedeutsamen Einfluß übt die Maschinen—
technik als solche auf den Preis der Arbeitskraft nur insofern,
als sie das physische Krafterfordernis verringert und damit
vielfach den Ersatz der ungelernten männlichen durch die
ungelernte weibliche oder jugendliche Arbeitskraft ermöglicht.
Es ist nun ersichtlich, daß der Vorsprung in der Pro—
duktionskostengestaltung ceteris paribus um so größer ist,
je größere Massen der Gesamtarbeit als unqualifizierte aus—
geschieden werden können. Danach richtet sich denn auch
die Bedeutung der Verbilligung der Arbeitskräfte für die
einzelnen Industriezweige. Diese ist ferner um so größer,
je weniger Anforderungen an die Arbeitsgeschicklichkeit der
überqualifizierten Arbeiter gestellt werden. Doch sind das
alles nur Quantitätsunterschiede, die an der prinzipiell
wichtigen Tatsache nichts ändern, daß die kapitalistische
Unternehmung infolge Auflösung des Arbeitsprozesses die
Arbeitsleistungen selbst differenziert hat und damit in die
Lage versetzt ist, aus der Differenzierung der Arbeitskräfte
Nutzen zu ziehen.

Sombart. Gewerbewesen II.