92 Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.

Anwendung dieses Verfahrens an keine bestimmte Wirt—
schafts- oder Betriebsform gebunden ist. Weder die Klein—
heit des Umfanges handwerksmäßiger Produktion schließt
sie von vornherein aus, noch stellt ihr die spezifische
Qualität des handwerksmäßigen Produktionsleiters unüber—
steigliche Hindernisse in den Weg. Anders dagegen liegen
die Dinge, sobald es sich um die zweckmäßige Anwen—
dung des Verfahrens, um seine Nutzbarmachung handelt.
Diese nämlich, so ergibt sich, ist nur unter beftimmten Vor—
aussetzungen möglich, und diese Voraussetzungen vermag
der Handwerker in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle
nicht zu erfüllen. Es ist allerdings unzweifelhaft richtig,
daß theoretisch jeder Einzelschneider, der ein Dutzend Au—
züge macht, den Stoff zu diesen Anzügen in einem zu—
schneiden, daß jeder Tischler das Holz zu einem Dutzend
Schränke in einem zusägen, daß ein Buchbinder hundert
Bücher in einem der Reihe nach heften, beschneiden, mar—
morieren usw. kann.
Wie aber sieht es in praxi aus? Da hat zunächst der
Handwerker, wenn er die Prodnktion des einen Stücks an—
fängt, in der Regel noch gar nicht die Aufträge zur An—
fertigung der anderen. Hätte er sie aber, so würden sie
nur außerordentlich selten so gleichmäßig sein, um für alle
das Material einer gleichförmigen Behandlung unterziehen
zu können. Angenommen aber auch, diese Schwierigkeit
wäre behoben, so stände der Anwendung des material—
vereinigenden Verfahrens doch immer noch das schwer—
wiegende Bedenken entgegen, daß es die handwerksmäßige
Produktion viel zu sehr verlangsamen würde. Das ge—
nannte Verfahren gehört nämlich offenbar zu denjenigen,
die den Produktionsweg für eine Anzahl Produkte ver—
längern, um ihn im Durchschnitt für alle abzukürzen. Auch
der einzelne Arbeiter wird ohne Zweifel hundert Büchet