Gewerbliche Schutzpolitik. 101
System der Lehrwerkstätte erfreuliche Fortschritte. Freilich
ist ihre Benutzung einstweilen ein Privileg der bessersituierten
Familien, da ihr Besuch noch höhere Ansprüche an die
Börsen der Eltern und Vormünder stellt, als die Lehre
alten Stils mit ihrem Lehrgelde. Daher wird für unsere
Frage die Weiterentwicklung der Lehrwerkstätte in ihrer
heutigen Form keine wesentliche Bedeutung haben. Sie
wird die Elite des gewerblichen Nachwuchses, die schon heute
den Kreisen handwerksmäßiger Ausbildung entwachsen ist,
auf bessere und vollkommenere Weise ausbilden. Sie wird
aber keine Veränderung schaffen für das Gros von „Lehr—
lingen“, das heute dem Handwerk anheimfällt, weil es nicht
mehr die Mittel hat, mehrere Jahre ohne Verdienst zu
leben oder gar Kosten für seine Ausbildung aufzuwenden.
Man kann bei dieser Sachlage daran denken, den gewerb—
lichen Fachunterricht seiner Kostspieligkeit zu entkleiden und
jedermann auf Gemeinschaftskosten zugänglich zu machen.
Dazu drängt die Erwägung, „daß technischer Unterricht noch
mehr als der gewöhnliche Schulunterricht in der Gegenwart
zu große Kosten macht und erst in zu entfernter Zukunft
seine Vorteile einbringt, als daß die große Mehrzahl der
Eltern Mittel dafür aufbringen könnte. Wenn die Gemein—
schaft eine ununterbrochene Folge qualifizierter Arbeiter zu
haben wünscht, wird sie als Ganzes für ihren Unterricht zu
zahlen haben.“

II. Kapitel.
Gewerbliche Schutzpolitik.

J. Die Handwerkerbewegung.
Gewerbliche Schutzpolitik nenne ich alle diejenigen Maß—
nahmen der gewerblichen Politik, denen die Absicht gemein—
sam ist, die in unseren modernen Staaten durch den Kapita—