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        <title>Landwirtschaft und Fischerei in Schweden</title>
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LANDWIRTSCHAFT

UND FISCHEREI

IN SCHWEDEN

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STOCKHOLM 1970
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Dichtbevölkertes Gebiet,
Waldgebiet
Wäldloses Gebiet
Hachgebirags-Gebiet:

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        LANDWIRTSCHAFT

UND FISCHEREI

IN SCHWEDEN

KURZE ÜBERSICHT

Zusammengestellt im

KÖNIGL. LANDWIRTSCHAFTLICHEN AMTE

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os0

STOCKHOLM 1930
KUNGL. BOKTRYCKERIET. P. A, NORSTEDT &amp;amp; SÖNER
zo1721

A 35606
        <pb n="5" />
        LAGE UND NATURVERHÄLTNISSE.

Das Königreich Schweden, das einen Flächeninhalt, .einschliesslich
 der Gewässer (Seen und Flüsse), von 448,200
Quadratkilometer hat (nahezu dieselbe Bodenfläche wie das
Deutsche Reich), bildet den ösflichen und südlichen Teil
der skandinavischen Halbinsel und erstreckt sich von 55° 20'
bis 69° nördlicher Breite.
Der Gebirgsgrund des Landes ist der Hauptsache nach
von schwerverwitfernden und an Pflanzennährstoffen armen
Urgebirgsgesteinen, Granit und Gneis, aufgebaut.
Das Urgebirge hat zur Entstehung eines steinigen, kiesigen
und sandigen Moränenbodens geführt, der im allgemeinen
mit Wald bestanden ist und sich nicht recht gut zum Anbau
eignet. Wo dagegen die Moräne aus Kalkstein oder Schiefer
besteht, ist Ackerboden von grosser Fruchtbarkeit entstanden.
Örtliche Vorkommen von Kalk in grösserem Umfang
finden sich mehrorts auf dem Fesflande, und auch die Inseln
Öland und Gofland sind vollständig aus Kalk aufgebaut.
Gut die Hälfte des Ackerbodens Schwedens besteht aus
Ton, der im grossen und ganzen den gewöhnlich angebauten
Pflanzen gute Wuchsbedingungen bietet.
Ungefähr ein Drittel des Ackerbodens besteht aus Sandboden,
 oft genug von magerer und minderwertiger Beschaffenheit,

Torf- und Moorerdeböden kommen auch in grosser Ausdehnung
 vor und sind in nicht geringem Umfang kultiviert
worden.
In klimatologischer Hinsicht liegt Schweden innerhalb
eines Gebietes, in welchem maritime Einflüsse von Westen
her und kontinentale von Osten her wechselweise sich geltend
 machen. Dass das Land trotz seiner nördlichen Lage
auf ungefähr demselben Breitengrad wie Sibirien und Alaska
        <pb n="6" />
        doch so einigermassen gute Bedingungen für Pflanzenanbau
und Landwirtschaft überhaupt bietet, wie das der Fall ist,
beruht in sehr hohem Grade auf der Einwirkung des wärmeführenden
 Golfstroms, der der Westküste Norwegens entlang
 geht und auch einen Arm nach der schwedischen Küste
entsendet.,
Die grosse Ausdehnung des Landes in nord-südlicher Richtung
 sowie seine varılerende Höhe über dem Meere haben
indessen natürlich grosse Verschiedenheiten bezüglich des
Klimas in den verschiedenen Landesteilen zur Folge. So
kann man wohl sagen, dass die südlichste Provinz Schwedens
 im grossen und ganzen in klimatischer Hinsicht ebenso
gute Voraussetzungen für Landwirtschaft besitzt wie Dänemark
 und Norddeutschland, während dagegen in den allernördlichsten
 Teilen des Landes Landwirtschaft im gewöhnlichen
 Sinne kaum betrieben werden kann. Der Boden dort
ist nämlich den grösseren Teil des Jahres über gefroren und
kann nur während einer kurzen Zeit im Sommer bearbeitet
werden. Zwischen diesen beiden Extremen geschieht der
Übergang allmählich. So rechnet man im südlichsten Schweden
 mit 143 Tagen Sommer und 29 Tagen Winter pro Jahr,
in Stockholm mit 124 bzw. ı20 Tagen und im nördlichsten
Schweden mit 57 bzw. 216 Tagen.
Trotz dieser und anderer schwieriger Verhältnisse wird
jedoch eine geordnete und den natürlichen Umständen angepasste
 Landwirfschaft bis hinauf zur nördlichsten Provinz
Schwedens, Norrbotten, betrieben — eine Landwirtschaft,
die auch dort ihren Mann ernähren kann. Dass-.dies bei der
kurzen Wachstumszeit, die dort den angebauten Pflanzen
zu Gebote steht, überhaupt möglich ist, hängt in hohem
Grade mit der reichlichen Lichtmenge der wenigen Sommertage
 zusammen. So hat man während der Sommerzeit im
nördlichsten Norrland nicht weniger als über 50 Tage und
»Nächte» ununterbrochenes Tageslicht.
Die mittlere Niederschlagsmenge pro Jahr an Regen und
Schnee beträgt für das ganze Land 628 mm. Diese Niederschlagsmenge
 ist jedoch keineswegs gleichmässig über das
        <pb n="7" />
        ganze Land hin verteilt. Besonders die grossen Inseln (Gotland
 und Öland) wie auch bedeutende Teile der östlichen
Landschaften leiden recht oft an unzureichenden Niederschlägen,
 und zwar vor allem während der Zeiten des Jahres,
wo die verschiedenen Saaten den grössten Nufzen davon
haben würden.

VERWENDUNG DES BODENS.

Die Bodenfläche Schwedens beträgt insgesamt 41,053,995
Hektar. Sie war im Jahre 1927 auf verschiedene Grundstücksschläge
 nach folgender Zusammenstellung (in runden
Zahlen) verteilt:

Gemüsepflanzenkulturund Obstgärten (0.1 %) 39,100 Hektar
Acker (9.0 %) . .. 5,715,800
Heuwiesen (1.53 % .. 526,400
Geordnete Weidewiesen (0.1 %) 31,300
Andere Weidewiesen (1.7 %) 711,200
Waldboden (53 %) ... 21,746,500
Sonstiger Boden (34.8 %). 14,283,700

Schon wegen der Verschiedenheit der Naturverhältnisse
in den verschiedenen Teilen des Landes variiert die Verwendung
 des Bodens wesenflich. So beträgt beispielsweise
der Acker im südlichsten Regierungsbezirk des Landes nicht
weniger als 71.4 % des gesamten Bodenareals, während im
nördlichsten Regierungsbezirk die entsprechende Ziffer nur
0.6 % ist. Im grossen und ganzen lässt sich sagen, dass
der angebaute Boden prozentisch um so mehr abnimmt, je
weiter man nach Norden kommt.

EIGENTÜMER UND PÄCHTER DER
RETRIEBE.

Der schwedische Ackerboden war im Jahre 1927 in ungefähr
 folgende Anzahlen Betrieben verteilt, geordnet nach
verschiedenen Grössengruppen:

 bi—. 307721

„
        <pb n="8" />
        Grössen- Anzahl
gruppen Betrieben

D.26

0.25 Hektar 217,000
56,100
63,600
117,700
94,500
59,600
17,100 | 20.0 %
10,800
5,200
2,500

| 28.0 %
&amp;gt;

3
10 — 20
20 — 30
30 — 50
50 —100
über 100

\

| 49: %
1

Ve:

Gesamtes
Ackerareal

5,900 Hektar
41,000
105,500
423,700
704,700
851,700
423,000
413,000
355,600
303,200

dr %

20.4 %

454%

9.5 %
10.6 %

Summe 644,100 100 % 3,715,800 Hektar 100 %

Wie aus den oben ‚angeführten Ziffern hervorgeht, ist
Schweden ein ausgesprochenes Bauern- und Kleingrundbesitzerland.
 Die andauernd fortgehende und staatlicherseits
 begünstigte Parzellierung grösserer landwirtschaftlicher
Grundstücke trägt dazu bei, dieses Verhältnis noch weiter
zu akzenfuieren. Auch in dieser Beziehung macht sich ein
bestimmter Unterschied zwischen den südlichen und den
nördlichen Landesteilen bemerkbar. Während in dem
Flachlande Südschwedens 15 % des Ackerbodens auf Befriebe
 mit über 100 Hektar Acker enffallen, ist die entsprechende
 Ziffer für Nordschweden (Norrland) nur 0.7
%. Zu beachten ist, dass zu Betrieben mit ganz geringem
 Areal Acker sehr oft verhältnismässig grosse Areale
 Waldboden gehören, in Norrland bisweilen Tausende
von Hektaren, und es ist nicht selten dieser Boden, von dem
der Bewirtschafter den wesentlichsten Teil seines Einkommens
 in Form von Waldprodukten bezieht.
Von sämtlichen (307,395 St.) Betrieben mit mehr als
2 Hektar Acker wurden im Jahre 1927 79.7 % von dem
Eigentümer bewirtschaftet, während 20.3 % verpachtet
waren. Die grösseren Betrieben sind in verhältnismässig
grösserer Ausdehnung verpachtet als die kleineren.

f
        <pb n="9" />
        KULTIVIERUNG UND BEWIRTSCHAFTUNG
DES BODENS.

Als einstmals in längst entschwundenen Zeiten der Anbauer
 begann, die losen Erdablagerungen, die als das Resultat
 des Spiels mächtiger Naturkräfte gebildet worden
waren, für seine Zwecke in Benutzung zu nehmen, fand er
bald, dass es für den Erfolg seiner Anbautätigkeit einer
kräftigen Bodenverbesserung bedurfte. Und der Anbauer
schritt auch früh zu Massnahmen in dieser Beziehung. Der
Boden wurde nicht nur gerodet, indem Bäume und Sträucher
entfernt wurden, auch das lästige Wasser wurde abgeleitet
und die Bodenoberfläche auf verschiedene Weise bereitet,
um der Saat geeignete Wachstumsbedingungen bieten zu
können. Eine ungeheure Arbeit, deren Grösse und Umfang
nunmehr sicherlich auch nicht annähernd geschätzt werden
kann, ist so im Laufe der Zeiten von den Anbauern der
schwedischen Erde Generation nach Generation auf die
Mehrung und Verbesserung des Ackerbodens verwendet
worden. Von dieser Anbautätigkeit zeugen in ihrer Weise
die gewaltigen Abflussgräben und die mächtigen Haufen
von aus den Feldern wegtransportierten Steinen, die vielerorts
 vorhanden sind. Auch wo das nicht der Fall ist, kann
man sagen, dass der schwedische Kulturboden der Regel
nach mit viel Arbeit und Mühe der Natur abgerungen worden
ist. Eine solche Arbeit hat indessen stets dem Schweden
zugesagt, und sein natürliches Geschick für Erfindung mechanischer
 Vorrichtungen und Hilfsmittel ist ihm dabei
recht oft zu statten gekommen.
Diese Anbautätigkeit ist die ganze Zeit hindurch {fortgegangen
 und ist andauernd ım Gange, wenn auch die Urbarmachung
 neuen Landes nun, nachdem die best kultivierbaren
 Böden bereits in Anspruch genommen worden sind,
nicht mehr so umfangreich ist. Nur etwa 380o Hektar
neuen Bodens, d. h. 0.1 % des Ackerareals, werden nunmehr
jährlich neu in Kultur gebracht. Die Kultivierungsarbeit ist
nun, nicht zum wenigsten aus ökonomischen Gründen, mehr
        <pb n="10" />
        Abb. ı. Institutsgebäude des Schwedischen Moorkulturvereins
 in ]önköping.

auf die Verbesserung des Ackerbodens als auf dessen Erweiterung
 eingestellt,
So ist das Interesse für die Entwässerung des Bodens
mittels Gräben andauernd sehr lebhaft, und der Staat unterstützt
 kräftig diese Arbeit. Jährlich werden mit Staatsunterstützung
 etwa 28,000 Hektar drainiert. Während ungefähr
eines halben. Jahrhunderts hat der Staat diese Tätigkeit
durch Zuschüsse von insgesamt etwa ıı2 Millionen Mark
gefördert, wovon fast die Hälfte als Zuschüsse ohne Rückzahlungspflicht
 und der Rest als Darlehen gegeben worden ist.
Dränierung von Ackerböden findet auch — teilweise mit
Unterstützung aus Staatsmitteln —- jährlich in nicht geringem
 Umfange statt. Zwischen 900,000 und 1,000,000
Hektar Acker oder ungefähr ein Viertel des gesamten Ackerareals
 dürfte so gegenwärtig dräniert sein, davon etwa zwei
Drittel mittels Röhren und ein Drittel mit anderem Material.
 Im allgemeinen kann man sagen, dass je grösser die
Betriebe sind, um so vollständiger Dränierung durchgeführt
ist.
Umwallungsanlagen kommen auch, obwohl in geringerem
Umfange, vor.

3
[
        <pb n="11" />
        Abb. 2. Institutsgebäude des Schwedischen Weide- und Futterwiesenvereins
in Ultuna bei Uppsala.

Unter den Massnahmen zur Verbesserung des Ackerbodens
 seien auch solche für die Verwahrung des Viehdüngers
 erwähnt. Etwa ı2 % sämf$licher lantwirtschaftlicher
 Befriebe haben zementierte Dunggrube, 4 % solche
aus anderem Material und 6 % zementierten Jauchebrunnen.
Je grösser die Betriebe sind, in um so höherem Grade ist die
Düngerpflege rationell geordnet. Verbesserungen auf diesem
 Gebiete werden gleichfalls vom Staate unterstützt.
Die Anwendung von künsflichem Dünger hat nach und
nach zugenommen. So wurden im Jahre 1928 etwa 90,000
Tonnen stickstoffhaltige, etwa 215,000 Tonnen phosphorsäurehaltige
 und 68,000 Tonnen kalihaltige Kunstdüngemittel
 verbraucht; 4o % hiervon, nämlich etwa 69,000
Tonnen stickstoffhaltige und der ganze Betrag kalihaltiger
Bindemittel, stammten aus dem Auslande her. Von 1913
bis 1927 hat der Verbrauch besonders stickstoffhaltigen
Kunstdüngers pro Hektar Acker eine starke Steigerung
erfahren.
Die Bearbeitung des Bodens wird im allgemeinen SOrgfältig
 ausgeführt, und es werden allgemein hierzu geeignete
Geräte und Maschinen angewendet, wozu sicherlich nicht

5
        <pb n="12" />
        wenig beigetragen hat, dass das Land selbst eine hervorragende
 Industrie landwirtschaftlicher Geräte besitzt, Neuerdings
 hat der Motorismus grosse Fortschritte auch auf
diesem Gebiet gemacht, und nicht selten sieht man nunmehr
Motoren verschiedener Typen vor Maschinen und Geräten
bei der Bearbeitung des Bodens und dem KEinbringen der
Ernte und zwar auch auf Gütern, die nicht als gross betrachtet
 werden können.
Auf landwirtschaftlichen Grundstücken, ertsprechend ungefähr
 45 Prozent des Ackerareals Schwedens, steht nun elektrische
 Kraft zur Verfügung, und diese wird nicht nur zu
allerlei Maschinen und Transportvorrichtungen, sondern
auch zu Licht und Heizungsanlagen benutzt.
Zur Landwirtschaft gehörende Maschinen und Geräte
werden geprüft und kontrolliert von Statens Maskin- och
redskapeprovningsanstalter (Staatliche Maschinen- &amp;amp; Geräteprüfungsanstalt,
 Stockholm), und landwirfschaftstechnische
Fragen werden von Jordbrukstekniska föreningen (Landwirtschaftstechnischer
 Verein, Ultuna bei Uppsala) bearbeitet.
Der Kultivierung der in Schweden ziemlich zahlreich vorkommenden
 Moore —— besonders der Niederungsmoore —
ist seit recht langer Zeit grosses Interesse zugewandt worden,
und neuerdings hat man in Schweden, wie auch anderwärts,
eine beträchtliche Arbeit auf die Untersuchung der Frage
verwendet, ob nicht durch Anlegung von Kulturweiden und
rationelle Futterwiesenkultur die Viehzucht von einigen
bisher als unvermeidlich betrachteten Ausgaben für den
Einkauf von Kraftfutter befreit werden könnte. Beachtenswerte
 Resultate in dieser Hinsicht sind auch erzielt worden.
Auf den hier fraglichen Gebieten sind Svenska Mosskulturföreningen
 (Abb. ı) (Schwedischer Moorkulturverein, Jönköping)
 und Svenska Betes- och vallföreningen (Abb. 2) (Schwedischer
 Weide- &amp;amp; Futterwiesenverein, Ultuna bei Uppsala)
 mit Erfolg tätig gewesen.
Die schwedischen landwirtschaftlichen Betriebe sind
ziemlich allgemein mit hinreichenden und zweckmässigen Gebäuden
 versehen. Das strenge Winterklima macht auch

,
        <pb n="13" />
        den Bau von Wohnhäusern und Tierställen notwendig, die
der Kälte und dem Winde widerstehen können. Die grösseren
 Güter sind der Regel nach mit grossen, nicht selten vom
ökonomischen Gesichtspunkt aus allzu grossen Gutshäusern
ausgestattet, die bisweilen schlossähnlich, fast stets geräumig
und oft komfortabel eingerichtet sind (Abb. 3); auch die
Wohnhäuser der Bauerngüter und Kleinstellen sind ziemlich
 überall wohlgebaut. (Abb. 4—5.) Die in letzter Zeit
hochgesteigerten Arbeitskosten haben vielerorts die Einführung
 arbeitersparender Vorrichtungen in den Wirtschaftsgebäuden
 erzwungen. (Abb, 6.) Hierbei hat die überall
zur Verfügung stehende elektrische Kraft gute Hilfe geleistet.


PFLANZENBAU.

Die Kulturpflanzen, die mehr allgemein auf dem schwedischen
 Ackerboden angebaut werden, sind: (Winter- und
Sommer-) Weizen, (Winter- und Sommer-)Roggen, Gerste
und Hafer, Bohnen, Erbsen und Wicken, Hackfrüchte
verschiedener Art, wie Kartoffeln, Zuckerrüben und Mangold,
 Turnips, Kohlrüben und Mohrrüben, Fufterwiesenpflanzen
 von mehreren Arten, unter denen Klee und Timothee
die gewöhnlichst vorkommenden sind. Infolge der grossen
Ausdehnung. des Landes in nord-südlicher Richtung ist der
Pflanzenbestand ganz verschieden in den südlichen und in
den nördlichen Teilen. Als Regel gilt natürlich, dass je
weiter man nach Norden kommt, um so weniger Kulturpflanzen
 für den Anbau in Frage kommen können, und in den
allernördlichsten Teilen ist der Landwirt lediglich auf
Gerste, Kartoffeln, Hafer (als Grünfutter) und gewisse
andere Futterpflanzen angewiesen.
Der Pflanzenbau hat gehabt und hat andauernd eine
kräftige Stütze in der praktisch-wissenschafflichen Tätigkeit,
die im Lande von zwei vom Staate wirksam unterstützten
Pflanzenveredelungsanstalten ausgeübt wird, wovon die eine
        <pb n="14" />
        Abb. 3. Herrschaftliches Gutshaus auf einem grösseren Landgut in
Mittelschweden. Ulvhäll bei Strängnäs.

von Sveriges Utsädesförening (Schwedischer Saatgutverein,
Svalöv) (Abb. 7) und die andere von 7”, Weibulls Aktiebolag
(Weibullsholm bei Landskrona), unterhalten wird. Dank
dieser Veredelungsarbeit sind nach und nach immer ertragreichere
 und gegen Krankheiten und Winterkälte immer
widerstandsfähigere Sorten von den verschiedenen Kulturpflanzen
 der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt worden.
Die Werte, die durch diese auch weit über die Grenzen
Schwedens hinaus beachtete Arbeit der schwedischen Landwirtschaft
 zugeführt worden sind, sind ausserordentflich
gross. Sveriges Fröodlareförbund (Verband von Samenzüchtern
Schwedens, Ultuna bei Uppsala) ist auf dem Gebiete des
Samenbaus tätig.
Die in Schweden gewöhnlichst vorkommende Fruchtfolge
kann als eine Körnerwirfschaft mit Weiden nach folgendem
Schema charakterisiert werden:-ı) Brache, 2) Wintergetreide,
 3—4) Weide, 5—6) Sommergetreide. Der Typus
wird recht oft variiert, entweder durch Vermehrung der
Anzahl Jahre Weide oder durch Einschieben einer Hackfruchternte
 zwischen die Sommergetreideernten. Verschie-7
        <pb n="15" />
        Abb. 4. Wohnhaus eines norrländischen Bauernhofes,
Persäsen, Oviken.,

dene andere Variationen kommen auch vor, u. a. eine 4-Jährige
 Wechselwirtschaft ohne Brache. Die Verhältnisse
in den nördlichen Teilen des Landes bedingen eine besondere
Anpassung auch in dieser Hinsicht. Übrigens macht sich
nunmehr eine gewisse Tendenz zu grösserer Freiheit in der
Abwechslung der verschiedenen Saaten geltend.

VERWENDUNG DES BODENS.

Der Umfang des Anbaus der verschiedenen Kulturpflanzen
 (in runden Zahlen) erhellt aus nachstehender statistischer
Zusammenstellung, die der Landwirtschaftszählung von
1927 entnommen ist:

Winterweizen .
Winterroggen
Sommerweizen
Sommerroggen .
Gerste . .

ham 15172

(5.3 %) za. 105,000 Hektar
(7.2 %) * 267,900
(0.9 %) » 31,800
(0.2 %) » 8,200
(3.3 %) » 123,600

7
        <pb n="16" />
        Hafer .
Mengkorn
Erbsen .
Bohnen. .
Wicken .
Kartoffeln
Zuckerrüben .
Futterhackfrüchte
Grünfutter . ...
Futterwiesenpflanzen . .
Grünfutter ....
Sonstige Pflanzen... .
Vollbrache und unbestellter
 Acker . „4 7.9 %) » 203,800

(18.8 9%)
(6.1 9) 0
(0.6 0

697,300 Hektar
228,100
21,200
“1,300
4,900
140,500
40,200
85,000
101,200
1,468,900
101,200
7,200

Die obigen Ziffern zeigen deuflich, dass, wie bereits
erwähnt, die schwedische Landwirtschaft im grossen und
ganzen in zwiefacher Weise eingestellt ist, nämlich teils
auf Erzeugung vegetabilischer Lebensmittel, wie Brotgefreide,
 Kartoffeln und Zucker, und teils auf Erzeugung
von Futtermitteln, dazu bestimmt, durch die Tiere zu Nützlichkeiten
 höheren Wertes, hauptsächlich animalischen Lebensmitteln,
 veredelt zu werden. Ob die V erteilung des
Bodens zwischen diesen beiden Produktionsformen in Zukunft
 etwa eine grössere Änderung erfahren wird, entzieht
sich vorläufig jeder sicheren Beurteilung. Die Entwicklung
 der internationalen Preisverhältnisse und die eigene
handelspolitische Einstellung des Landes werden hierbei wohl
den Ausschlag geben.
Von einem gewissen Interesse kann es sein, die Verschiebung
 zu verzeichnen, die in letzter Zeit zwischen dem
Anbau von Weizen und dem von Roggen stattgefunden hat.
So ist vom Jahre 1914 bis zum Jahre 1927 das mit Roggen
besäte Areal von rund 392,000 Hektar auf 275,000 Hektar,
d. h. um 117,000 Hektar heruntergegangen, während das
Weizenareal, das sich im Jahre 1914 auf 117,000 Hektar
belief, 1927 auf 227,000 Hektar angestiegen ist, entsprechend
        <pb n="17" />
        Abb. zz. Parzellenwirtschaft in Mittelschweden, Sätra, Bjärka-Säbv.

einer Steigerung des Anbaus dieser Getreideart. um nicht
weniger als 110,000 Hektar, Der Gründe hierfür sind
sicherlich mehrere gewesen, der wichtigste dürfte aber der
sein, dass die Pflanzenveredelung nach und nach der Landwirtschaft
 immer ertragreichere Weizensorten geliefert hat,
wodurch der Anbau dieser Getreidesorte in hohem Grade
stimuliert worden ist.
Zu erwähnen ist auch, dass die Verwendung des Bodens
natürlich in hohem Grade an verschiedenen Orten variiert.
Vor allem ist die mehr oder weniger nördliche Lage hierbei
entscheidend. Einen: gewissen und bisweilen bedeutenden
Einfluss übt auch die Grösse der verschiedenen landwirtschaftlichen
 Betriebe aus. So ist der Getreidebau weniger
umfangreich in den niedrigeren Grössengruppen, während
dagegen der Anbau gewisser Futterpflanzen und — in sehr
hohem Grade — der Kartoffel hier verhältnismässig kräftig
vertreten ist, ein Umstand, der bis zu einem gewissen Grade
seine Erklärung in der mehr auf animalische Produktion
eingestellten Wirtschaft der kleineren Betriebe finden
dürfte.

FE
        <pb n="18" />
        ERNTE.

Die Leistungsfähigkeit des schwedischen Bodens ergibt
sich aus nachstehend in runden Zahlen angegebenen Durchschnittsbefrägen
 der Ernten der verschiedenen Anbaupflanzen
 während der Jahre 1926—29:
Winterweizen . . 395,000 Tonnen 2,225 kg pro Hektar
Sommerweizen. . 55,000 1,685 »
Winterroggen . 442,000 1,595
Sommerroggen . 13,000 1,230
Gerste . . . 247,000 1,850 &amp;gt;»
Hafer .. 1,214,000 1,710 »
Mengkorn 481,000 2,000 »
Erbsen . 37,000 1,460 »
Bohnen . . 3,000 1,795
Wicken. . .. 8,000 1,550 &amp;gt;
Kartoffeln. . . . 1,906,000 13,030 »
Zuckerrüben. . . 952,000 26,790 »
Futterhackfrüchte 3,064,000 33,690 ©
Heu von bestelltem
Boden . . . . 4,918,000 » 3,730 » »
Der Geldwert der schwedischen Ernte wurde im Mittel
für dasselbe Jahr auf über ı.2 Milliarden Mark geschätzt.
Die Hektarernte in Schweden ist im allgemeinen bei
einem Vergleich mit der verschiedener anderer Länder als
ziemlich befriedigend anzusehen, besonders wenn man die
relativ ungünstigen Naturverhältnisse berücksichtigt, unter
denen sie, wenigstens zu grossem Teil, hervorgebracht ist.
Bemerkenswert ist, dass, besonders bezüglich gewisser
Anbaupflanzen, die Hektarernte nicht in so hohem Grade,
wie man anzunehmen geneigt sein möchte, bei Anbau unter
nördlicheren Breitengraden abnimmt.
Der Gesamtertrag des Bodens hat während der letztverflossenen
 fünfzig Jahre kräftig zugenommen, Die Erschliessung
 neuen Ackerbodens, die bessere Dränierung, Düngung
und Bewirtschaftung überhaupt sowie nicht zum wenigsten
die Pflanzenveredelung haben hierbei zusammengewirkt.

“
ry
        <pb n="19" />
        Abb. 6. Wirtschaftsgebände eines grösseren Gutes in Mittelschweden.
Bjärka-Säby.

Wie gross diese Steigerung in Wirklichkeit gewesen ist,
erhellt in gewissem Grade daraus, dass, während die gesamte
Getreideernte zu der Zeit um 1870 herum etwa 1,549,000
Tonnen befrug, die entsprechende Menge während der
Jahre 1926/29 sich auf etwa 2,847,000 Tonnen belief. Die
entsprechenden Ziffern für die Ernte an Futfterhackfrüchten
sind 75,000 Tonnen und 3,064,000 Tonnen sowie für die
Ernte von Futterwiesenheu 1,480,000 Tonnen und 4,918,000
Tonnen.
Auch die Ernte pro Hektar weist eine ähnliche Steigerung
 auf, So hat die Hektarernte an Getreide während
derselben Zeit von 12.3 dz auf 22.1 dz und an Kartoffeln von
74 dz auf 130.3 dz zugenommen.
Volle Selbstversorgung des Landes inbezug auf Brotgetreide
 besteht noch nicht, die Möglichkeit einer solchen in
absehbarer Zukunft dürfte aber nicht ausserhalb der Grenzen
der Wahrscheinlichkeit liegen, falls die Preisverhältnisse
inbezug auf Weizen und Roggen sich derart gestalten, dass
der Brotgetreidebau als lohnend betrachtet werden kann.
        <pb n="20" />
        AUF DEN PFLANZENBAU DIREKT GEGRÜNDE-TE
 INDUSTRIE.

Ein bedeutender Teil der jährlichen Ernte wird durch
besondere industrielle Tätigkeit zu Produkten veredelt, die
für den menschlichen Verbrauch anwendbar sind. So wird
in einer grossen Anzahl Mühlen, davon gegen tausend von
beträchtlicher Grösse, das für die Zwecke des Brotverbrauchs
 bestimmte Getreide vermahlen. ‘
Die Zuckerrübenernte wird in 24 Zuckerfabriken zu
etwa 161,000 Tonnen Rohzucker veredelt, und von der Kartoffelernte
 werden etwa 65,000 Tonnen in gegen hundert
Brennereien zu Branntwein und etwa 85,000 Tonnen in
ungefähr ebenso vielen Stärkefabriken zu Stärke verarbeitet.
 Besonders die grösseren der obenerwähnten industriellen
 Anlagen stehen technisch auf der Höhe unserer
Zeit.

GARTENBAU.

Die Anfänge des schwedischen Gartenbaues gehen in
das Mittelalter zurück. Im ı7. und 18. Jahrhundert wurden
nach deutschem und französischem Muster stattliche Parke
und Gärten bei den grossen Schlössern und auf den Herrensitzen
 in Süd- und Mittelschweden angelegt, welche Anlagen
mehrfach noch heute vorhanden sind. In unserer Zeit ist
das Interesse für Garten- und Parkanlagekunst und Gartenbau
 lebhaft. Moderne Anlagen hohen Ranges sind auch
nicht selten. Im Jahre 1927 wurde der Schätzung nach ungefähr
 0.1 % der ganzen Bodenfläche des Reiches zum Anbau
von Gemüsepflanzen und Obstbäumen verwendet.
Die Voraussetzungen für den Anbau von Baumobst,
Beeren und anderen Gartenerzeugnissen sind in verschiedenen
 Teilen Schwedens natürlich in hohem Grade verschieden,
 besonders infolge der verschiedenen Strenge des
Klimas. Während man in Schonen in günstigen Lagen
Pfirsiche, Aprikosen und Walnüsse im Freien ziehen: kann,
kann man in grossen Teilen von Norrland, wenn Gartenbau

8
        <pb n="21" />
        Abb. 7. Institutsgebäude des Schwedischen Saatgutvereins in Svalöv

in gewöhnlichem Sinne dort überhaupt vorkommt, an Obstbau
 nicht denken.
Dank der allmählich zunehmenden Wertschätzung von
frischem Obst, Gemüse und Blumen hat der Gartenbau
während der letzten‘ Jahrzehnte einen verhältnismässig
hohen Stand erreicht und sich zu einem Gewerbe von grosser
 wirtschaftlicher Bedeutung entwickelt. Etwa 7.5 Millionen
 Obstbäume gab es 1927 im Lande, und die Anzahl derselben
 ist in ‚ständiger Zunahme begriffen. Auf 100 Hektar
angebauten Boden kamen etwa 200 Obstbäume.
Ein bedeutender Gemüsebau sowohl im Freien wie unfer
Glas wird besonders in der Nähe der grösseren Städte betrieben
 (Abb. 8), und der weit überwiegende Teil der bedeutenden
 Nachfrage nach Blumen wird durch einheimischen
 Anbau befriedigt. Die schwedische Blumenzucht wird
allgemein als hochstehend anerkannt. Auch der Pflanzschulenbau
 und der Anbau von Gartengewächsen zur Gewinnung
 von Samen werden in nicht geringem Umfang betrieben.

Der schwedische Gartenbau wird staaflicherseits unterstützt
 teils durch Unterrichtsanstalten verschiedener Art
        <pb n="22" />
        Abb. 8. Handelsgärtnerei in Mittelschweden. Thunberg bei Göteborg.

— Schulen und kürzere Kurse — und teils durch die Förderung
 gartenbaulichen Versuchswesens. Eine Tätigkeit
der letztgenannten Art wird mehrorts, in grösster Ausdehnung
 an der Stateno Trädgärdsskola dä Alnarp (Staatliche
Gartenbauschule auf Alnarp, Äkarp) betrieben.
Verschiedene Vereine sind auf dem Gebiet des Gartenbaus
 tätig, von denen besonders Sveriges Pomologiska Förening
(Schwedischer Pomologischer Verein, Stockholm) erwähnt
sei, der u. a. in gewissem Umfang auch Versuchstätigkeit
betrieben hat.
Bezüglich der Fähigkeit des Gartenbaues, der einheimischen
 Nachfrage nach Erzeugnissen desselben zu genügen,
ist kurz zu sagen, dass die Erzeugung von Obst nur in verhältnismässig
 geringem Grade der Nachfrage entspricht,
während dagegen betreffs anderer Erzeugnisse das KEinfuhrbedürfnis
 gering ‚oder nicht vorhanden ist,

HAUSTIERZUCHT.

Bei der letzten Landwirtschaftszählung 1927 wurden für
die Anzahlen Haustiere verschiedener Arten in runden

2
        <pb n="23" />
        Abb. 9. Institut für Haustierveredlung, Stocksund.

Zahlen die nachstehenden Ziffern gefunden; zum Vergleich
sind auch die entsprechenden Ziffern für 1916 angeführt.

Pferde .
Rindvieh
Schafe .
Ziegen .
Schweine
Hühner

1927 1916
620,000 701,000
‚899,000 2,913,000
708,000 1,198,000
66,000 139,000
1,389,000 1,065,000
6,852,000 6,035,000

Die Anzahl Pferde, die während der Kriegsjahre wegen
der damals herrschenden guten Absatzmöglichkeiten rasch
zunahm, ist danach wieder infolge veränderter Verhältnisse
— u. a. infolge des zunehmenden Motorismus — zurückgegangen.
 Der Rindviehstamm, der in den letzten Kriegsjahren
kräftig reduziert wurde, hat nahezu — nunmehr vielleicht
vollständig — seinen früheren Bestand wiedererreicht. Mit
dem Schafbestand verhält es sich anders; dieser ist in sehr
starkem Niedergang begriffen gewesen, was noch deutlicher
wird bei einem Vergleich mit der im Jahre 1919 festge-13—501721
        <pb n="24" />
        Abb. ı0. Schwedischer Halbbluthengst

stellten Anzahl, die 1,500,000 überstieg. Auch die Ziegenzucht
 zeigt starken Rückgang. Das völlig entgegengesetzte
Verhältnis gilt dagegen für die Anzahl Schweine und Hühner,
die unter dem Einfluss verhältnismässig günstiger Marktverhältnisse
 eine kräftige Zunahme zeigt.
Die Anzahl Haustiere überhaupt und insbesondere die
Anzahl Rinder pro Hektar Acker ist in der Regel grösser
in solchen Distrikten, wo die Verhältnisse nicht in besonders
 hohem Grade zum Getreidebau in grossem Massstabe
einladen, und wo die Tiere in beträchtlicherem Umfang
während der Sommerzeit ihren Unterhalt durch Weiden in
Hagen und Wäldern finden können.
Bezüglich der Tierhaltung auf Anbauungsstellen verschiedener
 Grösse gilt als allgemeine Regel, dass je kleiner
ein Betrieb ist, um so mehr Tiere pro Arealeinheit gehalten
werden. So zeigte es sich für das Jahr ı927, dass die
nächstkleinste Grössengruppe Anbauungsstellen, die mit
ı—2 Hektar angebautem Boden, pro 100 Hektar Acker
nicht weniger als ı2.7 Pferde, 135.0 Rinder, 34.7 Schafe,

4%
        <pb n="25" />
        Abb. ı1. Hengst Cyklon, nordschwedische Rasse

10.5 Ziegen, 49.4 Schweine und 424.4 Hühner aufwies,
während die entsprechenden Ziffern für die höchste Grössengruppe,
 die mit über 100 Hektar Acker, bzw. 10.9,
58.4, 3.6, 0.0, 22.5 und 51.8 sind. Dass die Viehhaltung
bei den kleinsten landwirtschaftlichen Betrieben in nicht
geringem Grade auf den Einkauf von Futter gegründet sein
muss, versteht sich von selbst.
Wie schon oben erwähnt worden, sind die nafürlichen
Verhältnisse, unter welchen die schwedische Landwirtschaft
 arbeitet, derart, dass sowohl die Produktion vegetabilischer
 wie die animalischer Erzeugnisse möglich ist;
seit alters ist auch die Produktion auf diese beiden Ziele
eingestellt gewesen, wenn auch, seitdem während der zweiten
 Hälfte des 19. Jahrhunderts die Konkurrenz seitens des
überseeischen Getreidebaus immer fühlbarer wurde, ein
deutlicher Umschwung nach stärkerer animalischer Produktion
 hin sich bemerkbar gemacht hat. Von einer sonderlich
 weitgetriebenen Einseitigkeit bezüglich der Produktionsrichtung
 kann man im grossen und ganzen kaum.

27
        <pb n="26" />
        sprechen; die weit überwiegende Anzahl schwedischer
landwirtschaftlicher Betriebe erzeugt sowohl Brotgetreide
und damit in diesem Zusammenhang vergleichbare Produkte
 als auch Futtermittel zum Zwecke der Veredelung
zu lebenden‘ Tieren und animalischen Lebensmitteln, wie
Milch, Butter, Käse, Fleisch, Schweinefleisch, Eiern u.
dgl. Wenn man auch sagen kann, dass die Naturverhältnisse
 der Produktion sowohl des einen wie des anderen
günstig sind, so dürfte sich doch nicht bestreiten lassen, dass
der Futterpflanzenanbau sich ganz besonders für die Verhältnisse
 eignet, unter denen die schwedische Landwirtschaft
 arbeitet, und zwar relativ um so mehr, je weiter
nordwärts man kommt. Ausgeschlossen ist auch nicht,
dass rein ökonomische Rücksichten die schwedische landwirtschaftliche
 Produktion in dieser Richtung noch weiterdrängen
 wird.
Die Haustierzucht wird mit grossem Interesse betrieben,
und die Tierbesitzer haben sich dabei auch die Erfahrungen
zunufze zu machen versucht, die auf diesem Gebiete als
wegweisend angesehen worden sind. Erst in Jüngster Zeit
ist indessen eine mehr wissenschaftlich orientierte Arbeit
in Gang gekommen, um die vielen unsicheren Fragen der
Tierzuchtlehre zu klären. Diese Arbeit ist Gegenstand der
Tätigkeit des Inotitutet för husdjureförädling (Institut für
Haustierveredlung, Stocksund) (Abb. 9.).
Die schwedische Haustierzucht geniesst den Vorteil, durch
ein aufgeklärtes und wirksam organisiertes Veterinärwesen
unterstützt und kontrolliert zu werden, das dem Kel. Obermedizinalamt
 unterstellt ist.
Die Pferdezucht hat in Schweden alte Traditionen und ist
stets Gegenstand lebhaften Interesses gewesen. Im Laufe
der Zeiten sind Zuchttiere mehrerer fremden Rassen in
das Land eingeführt worden, um zur Verbesserung des
Pferdestammes mitzuwirken. Nunmehr besitzt die Pferdezucht
 des Landes eine feste Organisation, und die Richtlinien
 derselben sind völlig klar.
Die edle Pferdezucht ist in Schweden hauptsächlich auf
        <pb n="27" />
        Abb. ı2. Hengst Golde (4582), schwedische Ardennerrasse.

hannöversches, aber auch auf ostpreussisches Blut sowie
auf englisches Vollblut gegründet. Das edle Hengstmaterial
 wird fast ausschliesslich vom Staate gehalten, der in
zwei Hengstdepots, Strömsholm und Flyinge, etwa zehn
Vollblut- und gegen hundert Halbblufhengste hält, welch
letztere nunmehr der Regel nach in dem auf Flyinge auch
vorhandenen Gestüt aufgezogen werden.
Das schwedische Halbblutpferd ist (Abb. 10) meistens
von miftlerer Grösse und zeichnet sich durch Härte und
Ausdauer aus.
Die Anforderungen an ein Arbeitspferd im Dienste der
Landwirtschaft und des Waldbaus sind sehr verschieden in
den nördlichen und den südlichen Teilen des Landes. Diese
Anforderungen haben auch bei der Pferdezucht Beachtung
gefunden. So dominiert in den nördlichen Landesteilen die
nordschwedische Rasse (Abb. 11), die von der Natur selbst an
die dort herrschenden Verhältnisse angepasst worden ist.

Hr
2
        <pb n="28" />
        Abb. ız. Kuh Kaja, schwedische Alpenrasse

Dieses Pferd ist energisch, ausdauernd, unempfindlich und
genügsam. Seine Fähigkeit, in schwierigem und ungebahntem
Gelände sowie in tiefem Schnee vorwärtszukommen, ist
erstaunlich.
In Süd- und Mittelschweden herrscht die Ardennerraddse vor
(Abb. 1ı2.). Die Ardennerzucht wird hier seit etwa 60 Jahren
getrieben. Sie gründete sich zunächst auf Einfuhr des kleinen
belgischen Hochlandspferdes, das bald sehr geschätzt war.
Mit der zunehmenden Intensivierung der Landwirtschaft
und den damit erhöhten Ansprüchen an Schwere des Zugpferdes.
 hat sich auch die schwedische Ardennerzucht auf
Steigerung der Grösse und Stärke der Pferde eingestellt.
Die schwedische Ardennerzucht kann nunmehr als völlig
konsolidiert angesehen werden und steht im grossen und
ganzen auf selbständigem Grunde. So waren von 970 ım
Jahre ı929 prämiierten Ardennerhengsten 743 im Lande
geboren, und das Bedürfnis einer Zufuhr belgischen Originalblutes
 ist.nunmehr sehr gering.
Für die Hengsthaltung innerhalb der kaltblütigen Rassen
sorgen die Pferdebesitzer selbst, entweder privat oder zu

‚6
        <pb n="29" />
        \bb. ı4. Stier Trubadur (R zı57), schwedische rotbunte Rasse.

Vereinen zusammengeschlossen, deren es Ende 1929 239
gab mit etwa 8,900 Mitgliedern und ungefähr 315 Hengsten.
Zuchtvereine für die verschiedenen Rassen sind gegründet
worden und haben grossen Anschluss unter den Züchtern
gefunden. Die wichtigsten sind Föreningen för den ädla hästavelns
 befrämjande (Verein zur Förderung der edlen Pferdezucht,
 Stockholm), Föreningen Nordswvenska hästen (Verein
Nordschwedisches Pferd, Östersund) und Svenska Ardennerföreningen
 (Schwedischer Ardennerverein, Örebro).
Der Staat lässt der Pferdezucht eine wirksame und mannigfache
 Unterstützung zuteil werden. Von Massnahmen zu
diesem Zwecke —— ausser der bereits erwähnten Hengsthaltung
 und der Gestütstätigkeit — seien genannt: Prämlierung,
Gewährung zinsfreier Darlehen zum Einkauf von Zuchttieren
 sowie Unterstützung an Zuchtvereine und Hengstaufzuchtanstalten.


Wie oben bereits angeführt, ist der Pferdezucht nach
Beendigung des Weltkrieges ein etwas geringeres Interesse
entgegengebracht worden‘ als vorher, was auch in einem
Rückgang des Pferdebestandes zum Ausdruck gekommen ist.
        <pb n="30" />
        Abb. ı5. Kuh Nr. z94 Aslög (R.S.B. 43034), schwedische rotbunte Rasse.

Ertrag:
1923/24. . . 8;948 kg. Milch mit 4.07 % Fett — 365 kg. Butterfett.
1924/25 . . . 7,803 » » 54
1925/26 . . . 9,108 » » »
1926/27. . . 0,734 » . »

Verschiedenes deutet jedoch darauf hin, dass ein Umschwung
in dieser Beziehung einzutreten im Begriffe steht.
Die Rindviehzucht nimmt einen sehr hervorragenden Platz
in der modernen schwedischen Landwirtschaft ein, die
meistens aus dem Viehstall einen sehr wesenflichen Teil
ihrer Bareinkünfte bezieht. Dieses Verhältnis hat sich
während des letzten halben Jahrhunderts mehr und mehr
akzentuiert, und manche sind der Meinung, dass die Ökonomie
 der Landwirtschaft eine weitere Entwicklung in
dieser Richtung verlangt. Die natürlichen Voraussetzungen
 sprechen nicht gegen eine solche Auffassung.
Gleich anderen Zweigen der Haustierzucht hat sich auch
die Rindviehzucht erst während der letzten fünfzig Jahre
konsolidiert. Schon vor Jahrhunderten versuchte man durch
Einführung fremder Zuchttiere von verschiedenen mehr
oder weniger geeigneten Rassen den schwedischen Rindvieh-RR
        <pb n="31" />
        Abb. 16. Stier Militär (R. 7184), schwedische Niederungsrasse.

stamm zu verbessern, Versuche, die, wenn sie auch nicht
zu einem allgemein durchgehenden Resultat führten, doch
teilweise merkbare Spuren zurückliessen.
Das Resultat der Organisation und Konsolidierung der
Zuchtarbeit ist es, dass Schweden heute vier anerkannte
Rindviehrassen hat: schwedische Alpenrasse, schwedische Landrasse
 »Rödkullar, schwedisches rotbuntes Rindvieh (S. R. BJ)
und schwedisches schwarzbuntes Niederungsvieh.
Die beiden erstgenannten Rassen, die einander sehr nahestehen,
 sind als ganz einheimisch anzusehen und sind seit
alters im Lande vorhanden gewesen. Beide sind verhältnismässig
 kleinwüchsig und hornlos, die Gebirgsrasse der
Farbe nach weiss mit oder ohne Flecken, die von hellbraun
bis schwarz wechseln, die Rödkullarasse ist braun. Die Alpenrasse
 (Abb. 13) ist, praktisch genommen, in den nördlichen
Provinzen des Landes alleinherrschend, deren besonderen
Verhältnissen sie sich im Laufe der Jahrhunderte angepasst
hat. Abhärtung und Anspruchslosigkeit sowie im Verhältnis
 zur Körpergrösse (350—400 kg Lebendgew.) gute Ertragsfähigkeit
 sind diese Rasse auszeichnende Eigenschaften.
 Die Rödkullarasse hat ihre Heimat in einigen wenigen

20
        <pb n="32" />
        begrenzten Gebieten Mittelschwedens. Der Ertrag der
beiden Rassen pro Jahr kann auf 2,500—3,000 kg Milch
mit einem Fettgehalt von 3.75—4.00 % geschätzt werden.
Einzelne Bestände und Individuen haben natürlich bedeutend
 höhere Ziffern geliefert. Etwa 14,000 im Stammbuch
 eingetragene Tiere von den beiden Rassen zusammen
sind zur Zeit vorhanden.
Die Rasse, die die grösste Verbreitung im Lande hat, ist
die schwedische rotbunte Rindviehrasse (Abb. 14—15). Sie herrscht
 im ganzen Lande vor mit Ausnahme von Norrland und
Dalarne sowie Südschonen. Die Rasse, in deren Adern Blut
von der alten schwedischen sog. »Herrgärds»-, Kurzhornund
 Ayrshirerasse her fliesst, ist das Erzeugnis einer langdauernden
 und zielbewussten Zuchtarbeit, die auf die Hervorbringung
 einer Rasse mit guten Körperformen sowie auf
eine mit hohem Ertrag von fettreicher Milch verbundene, wirtschafflich
 befriedigende Ausnutzung des Futters gerichtet gewesen
 ist. Diese Bestrebungen sind mit Erfolg gekrönt worden.
Das rotbunte Rindvieh hat einen kräftigen und harmonischen
 Körperbau von mittlerer Grösse. Das Lebendgewicht
 der Kühe kann im allgemeinen auf zwischen 500 und
600 kg geschätzt werden. Die Farbe ist klar rotbraun mit
grösseren oder — meistens — kleineren weissen Feldern.
Die Rasse zeichnet sich durch eine gute Fähigkeit, das Futter
umzusetzen, aus und ist besonders dafür bekannt, Weide
gut auszunufzen. Das natürliche Produktionsvermögen der
Rasse ist sowohl auf Milch als auf Wachstum eingestellt.
Auch ist für die Rasse charakteristisch eine hervorragende
Fähigkeit, sich den jeweils vorhandenen Verhältnissen
anzupassen. Der Jahresertrag der rotbunten Kuh dürfte
auf 3,300 —3,800 kg Milch mit einem Fettgehalt von 3.80—
4.00 % zu schätzen sein. Wohlgepflegte Bestände erreichen
jedoch nicht selten einen Ertrag von 4,000—5,000 kg, und
einzelne Individuen haben beträchflich höhere Resultate
aufzuweisen. Der gegenwärtige Bestand im Stammbuch
eingetragener Tiere dieser Rasse beläuft sich der Berechnung
 nach auf etwa 70,000 Tiere, davon 5,000 Stiere.

70
        <pb n="33" />
        Abb. ı7. Eber schwedischer Landrasse.

Die schwedische Niederungarasse (Abb. 16) stammt von Holland
 her und kommt hauptsächlich auf den Zuckerrüben
bauenden Ebenen vor. Die Rasse ist grosswüchsig mit einem
Durchschnittsgewicht pro Kuh von gut 600 kg. Die Farbe
ist schwarz und weiss in grossen Feldern. Der Körperbau
ist kräftig, während gleichzeitig der Milchtypus ausgeprägt
ist. Die Rasse zeichnet sich durch ihre Fähigheit aus, grosse
Mengen Futter, besonders Hackfrüchte und Fabrikabfall,
umzusetzen. Um alle ihre Vorteile zur Geltung zu bringen,
verlangt sie auch reichlichen Vorrat von Futter und passt
daher weniger gut dort, wo ein wesentlicher Teil der Fütterung
 auf Naturweiden geschieht.
Der Milchertrag pro Kuh und Jahr dürfte auf 4,000—
4,500 kg zu schätzen sein. Der Feftgehalt ist verhältnismässig
 niedrig, etwa 3.50 %. Die Zuchtarbeit ist indessen
auf die Erhöhung des Fettgehalts gerichtet und es sind bereits
 günstige Resultate in dieser Beziehung zu verzeichnen.
Einzelne Bestände und Individuen haben Ertragsziffern aufzuweisen,
 die die oben erwähnten Durchschnittszahlen weit
übertreffen.
Die Anzahl der im Stammbuch eingetragenen Tiere wird
zur Zeit auf etwa 26,000 geschätzt.
Die Besitzer von den verschiedenen Rassen angehörigen
Tieren haben sich zu Zuchtvereinen, einem für jede Rasse,
zusammengeschlossen. Es sind dies: Aveloföreningen för fjäll-Z

 j
        <pb n="34" />
        ras (Zuchtverein für Alpenrasse, Östersund), Avelsföreningen
för rödkullig wensk lantras (Zuchtverein für schwedische Landrasse
 Rödkulla, Falun), Aveloföreningen för wensk röd och vit
boskap (S. R. B.) (Zuchtverein für schwedisches rofbuntes
Rindvieh, Stockholm) und Avelsföreningen för ovensk läglandsboskap
 (Zuchtverein für schwedisches Niederungsvich,
Alnarp bei Äkarp).
Ausser den hier oben unter den verschiedenen Rassen
ausgewiesenen, in die betreffenden Stammbücher eingetragenen
 Tieren gibt es natürlich eine sehr grosse Anzahl Tiere
— der Hauptteil des Rindviehbestandes des Landes — die
in Wirklichkeit einer dieser Rassen angehören, ohne eingetragen
 zu sein. Man kann nämlich sagen, dass die genannten
Rassen nunmehr praktisch genommen den gesamten Tierbestand
 durchsetzt haben, dessen Veredelung langsam, aber
sicher und sozusagen automatisch fortschreitet.
Seitens des öffentlichen sind während der letzten Jahrzehnte
 verschiedene Massnahmen zur Förderung der Entwickelung
 der Rindviehzucht getroffen oder unterstützt
worden. Von solchen seien hier besonders erwähnt Prämlöierung,
 Stammbuchführung, Zuchtzentren, Stiervereine
und Kontrollvereine. Durch Auszeichnung der für Zuchtzwecke
 geeigneten Tiere fördert die Prämiierung eine zielbewusste
 Zuchtarbeit; die Stammbücher verzeichnen das ausgewählte
 Zuchtmaterial und verleihen der Zucht eine feste
Stütze; durch Zuchtzentren wird eine kontrollierte Erzeugung
 von Zuchttieren gefördert; die Stiervereine stellen dem
grossen Publikum gute männliche Tiere zur Verfügung;
und durch die Kontrollvereine ist es möglich, die Ertragsfähigkeit
 der verschiedenen Tiere sowohl quantitativ wie
qualitativ zu kontrollieren und den Futterverbrauch festzustellen.
 Erst hierdurch ist ein zuverlässiger Grund für die
wichtigen Bestrebungen gelegt worden, die Zucht auf ökonomische
 Ziele einzustellen.
Allen diesen Einrichtungen zur Hebung der Viehzucht
ist seitens der Tierbesitzer ein lebhaftes Interesse entgegengebracht
 worden. So kann erwähnt werden, dass im Jahre

zZ
        <pb n="35" />
        Abb. 18. Eber Arran av Forsby (R. 5666), grosse weisse englische Rasse.

1929 nicht weniger als etwa 39,000 Tierbesitzer Mitglieder
von 2,235 Stiervereinen waren. Im selben Jahre waren 874
Kontrollvereine in Tätigkeit, etwa 15,259 Bestände mit ungefähr
 276,500 Kühen umfassend, deren Ertrag auf diese Weise
regelmässig, im allgemeinen alle drei Wochen, von einem
unparteiischen Kontrollanten kontrolliert worden ist. Gestützt
 auf diese Kontfrolltätigkeit, werden nunmehr in Schweden
 betreffs jedes Zuchttieres von einigermassen höherem
Werte vollständige Angaben bezüglich der Leistungsfähigkeit
 der Stammütter in mehreren Generationen, in Milch und
Fett ausgedrückt, verlangt und geliefert.
Diese Leistungsfähigkeit hat auch nach und nach zugenommen;
 so war im Jahre 1929 die Durchschnittsziffer für
276,498 kontrollierte Kühe 3,280 kg Milch mit 3.59 % Fett —
117.84 kg Butterfett. Die entsprechenden Ziffern für die
Jahre 1913/15 waren 210,504, 2,918, 3.42 und 100.
Der durchschnittliche Ertrag für die Gesamtzahl Kühe im
Reiche lässt sich natürlich schwer berechnen. Er wurde
jedoch im Jahre 1870 auf etwa 1,200 kg und wird jetzt auf
2,500 kg geschätzt. Die gesamte Milcherzeugung des Landes
wird gegenwärtig zu über 4,000,000 Tonnen berechnet.

zZ
        <pb n="36" />
        Seit 1897 wird in Schweden mit Unterstützung des Staates
 an der Ausrottung der Rindertuberkulose gearbeitet, eine
Arbeit, die einen ständig vermehrten Umfang erhalten hat.
Die hervorragenderen Zuchtbestände sind so gut wie sämtlich
 reaktionsfrei gegen Tuberkulin.
Schweinezucht wird in sehr grossem Umfang in Schweden
betrieben und zwar nicht nur in Zusammenhang mit Landwirtschaft,
 sondern im allgemeinen von auf dem Lande wohnhaften
 Personen. Innerhalb der Haustierzucht der Landwirtschaft
 steht die Schweinezucht an zweiter Stelle gleich
nach der Rindviehzucht, und eine sehr grosse Anzahl landwirtschaftlicher
 Betriebe gibt es, besonders in Südschweden,
wo ein höchst beträchflicher Teil des Einkommens aus dieser
Quelle herrührt. Die Schweinezucht hat auch in letzter
Zeit kräftige Fortschritte gemacht, u. a. infolge der mit
der gesteigerten Milchproduktion zusammenhängenden ständigen
 Zunahme der Bestände von Molkereiabfällen sowie
der auf dem Schweinefleischmarkt herrschenden, verhältnismässig
 günstigen Konjunktur.
Zwei verschiedene Schweinerassen werden zurzeit in
Schweden gehalten, nämlich teils eine Landrasse (Abb. 17)
älteren Ursprungs und teils die grosse weisse englische Rasse
(Abb. 18), die im Lande grosse Verbreitung gewonnen hat.
Die beiden Rassen, die in vielen Beziehungen einander
ähneln und sich eigenflich nur bezüglich der Form des Kopfes
und der Stellung der Ohren unterscheiden, eignen sich sehr
wohl zur Fleischproduktion.
Auch in der Schweinezucht ist der Fortschritt durch Prämiierung
 und Stammbuchführung, Errichtung von Zuchtstationen
 und Bildung von Zuchtebervereinen organisiert worden.
Bisher sind rund 11,500 Tiere in das Stammbuch über Zuchtschweine
 der grossen weissen englischen Rasse und 22,000
Schweine in das Stammbuch über veredelte Landrasse eingetragen.
 Die Anzahl Zuchtebervereine belief sich im Jahre
1929 auf 1,057 mit ungefähr 1,200 Zuchtebern.
Von der staatlichen Zentralanstalt für das Versuchswesen auf
dem landwirtschaftlichen Gebiet sind einige Untersuchungen über

74
        <pb n="37" />
        Abb. ıgo. Schäfe schwedischer Landrasse.

die Anlagen einzelner Zuchttiere und verschiedener Tierstämme
 für eine ökonomisch vorteilhafte Fleischproduktion
ausgeführt worden. Diese Versuche haben zu Resultaten
geführt, die, wie es scheint, in Zukunft eine nicht geringe
Bedeutung für die Leitung der Schweinezucht erhalten
können.
Die schwedischen Schweinezüchter haben sich zu einer
Organisation, Svenska Svinavelsföreningen (Schwedischer
Schweinezuchtverein, Stockholm), zusammengeschlossen,
Die schwedische Schweinezucht deckt — abgesehen von
einer geringeren Quantität von spezieller Beschaffenheit —
nicht nur den Bedarf des inländischen Marktes an Schweinefleisch,
 sondern liefert darüber hinaus Material für eine
bedeutende Ausfuhr. Der Ausfuhrüberschuss betrug im
Jahre 1929 19,693 Tonnen mit einem berechneten Werte
von etwa 42 Mill. Mark.
In’ älteren Zeiten, wo die Landwirtschaft zu einem wesenflichen
 Teile darauf gerichtet war, die eigene Wirtschaft
mit notwendigen Waren oder Rohstoffen zur Anfertigung
solcher zu versehen, nahm die Schafzucht, besonders dank der

z5
        <pb n="38" />
        erzeugten Wolle, einen ziemlich hervorragenden Platz in
der Landwirtschaft ein. Grössere oder kleinere Schafherden
gab es da nahezu überall. Hierin trat indessen eine durchgreifende
 Änderung während des ı9. Jahrhunderts ein, wo
die ungleiche Konkurrenz mit der rasch anwachsenden
Schafzucht der überseeischen Länder dazu führte, dass die
schwedische Schafzucht nach und nach an Umfang und
Bedeutung abnahm. Die besonderen Verhältnisse der
Kriegsjahre bewirkten ein vorübergehendes Aufblühen dieser
Zucht, die jedoch, wie die oben angeführten Zahlen zeigen,
wenigstens numerär gesehen, wieder kräftig zurückgegangen
ist.
Man darf indessen hieraus nicht den Schluss ziehen, dass
die Schafzucht in Schweden zu einem langsamen und vollständigen
 Eingehen verurteilt wäre. Dies ist um so weniger
der Fall, als dieser Zweig der Haustierzucht gegenwärtig
Gegenstand eines sehr lebhaften Interesses ist und qualitativ
 gesehen in der letzten Zeit bedeutende Fortschritte gemacht
 hat. Gleichzeitig damit, dass eine grosse Anzahl kleinerer
 Grundstücke, bei denen es an wirklichen Voraussetzungen
 für diese Zucht fehlte, eine meistens ziemlich mittelmässige
 Schafzucht eingestellt hat, ist eine nicht geringe
Anzahl grösserer Herden von hervorragendem Zuchtwert
auf anderen Gütern mit besseren Voraussetzungen gebildet
worden. Die schwedische Schafzucht hat sich auch in letzter
 Zeit in hohem Grade konsolidiert, und ihre Konkurrenzkraft
 sowohl inbezug auf Fleisch wie auf Wolle hat mehr und
mehr zugenommen.
Die in der schwedischen Schafzucht vertretenen Rassen
sind: Schwedische Landrasse (Abb. 19), Cheviot, Shropshire und
Oxforddown,
Die Landrasse ist einheimischen Ursprungs. Sie ist klein
von Wuchs und mit langer und glänzender Wolle versehen,
die sich als ein vorfreffliches Material für gewisse Wolltextilien
 erwiesen und daher grosses Interesse seitens hausgewerblicher
 Kreise gefunden hat. Vor allem aus diesem
Grunde hat man die Reste dieser uralten Rasse zu retten und

m
70
        <pb n="39" />
        Abb. 20. Hühnerhof in Mittelschweden. Solberga bei Stjärnhov.

zusammenzuführen versucht, um darauf eine wirkliche Rasse
aufzubauen, eine Arbeit, die, allem nach zu urteilen, erfolgreich
 gewesen ist.
Die übrigen im Lande vorkommenden Rassen haben dieselben
 charakteristischen Eigenschaften, die sie an den betreffenden
 Ursprungsorten besitzen, von deren besten Stämmen
 sie abstammen.
Wie erwähnt, ist die schwedische Schafzucht in einem
qualitativen Fortschritt begriffen, Dieser Umstand ist zu
nicht geringem Teil der Unterstützung zuzuschreiben, die
von öffentlicher Seite her der Schafzucht zuteil geworden
ist. Diese Unterstützung ist in mehreren verschiedenen
Formen erfolgt: Prämiierung, Stammbuchführung, Zuchtstationen
 und Schafzuchtvereine. Von Jetzteren, die die
Sicherstellung einer gemeinsamen Haltung von Zuchtwiddern
bezwecken, gab es im. Jahre 1929 206 mit ungefähr 300
Widdern.,
Die schwedische Schafzucht versorgt den inländischen
Markt mit Hammelfleisch, während dagegen der grössere
Teil des Bedarfs der Industrie an Wolle durch Einfuhr gedeckt
 wird.

Zr
        <pb n="40" />
        Die Schafzüchter im Lande sind, gleichgültig welche
Rasse sie halten, in einem gemeinsamen Verein, Svenska
Färavelsföreningen (Schwedischer Schafzuchtverein, Stockholm),
 zusammengeschlossen.
Ziegenzucht wird in grösserem Masstabe nur in denjenigen
Teilen des Landes befrieben, wohin der Anbau noch nicht
vorgedrungen ist, und hauptsächlich in Norrland. Wie
bereits angeführt, ist die Ziegenzucht im Rückgang begriffen,
 aber unter gewissen Verhältnissen hat sie noch eine
Aufgabe zu erfüllen. Es ist das der Fall dort, wo Kühe nicht
gehalten werden können. Die gewöhnlichst vorkommende
Ziegenart ist einheimischen Ursprungs, bisweilen mit Spuren
von auswärts eingeführten Saanenbluts.
Die Ziegenzucht ist bisher ziemlich auf sich selbst angewiesen
 gewesen. Indessen sind nunmehr von öffenflicher
Seite her Schritte getan worden, um auch auf dieses Gebiet
gewisse Massnahmen anzuwenden, die in anderen Zweigen
der Haustierzucht sich als nützlich erwiesen haben.
Oben ist bereits angeführt worden, dass bei der landwirtschaftlichen
 Zählung 1927 der Hühnerbestand zu etwa
6,850,000 festgestellt wurde, wozu nahezu 2,500,000 Kücken
kamen, und es liegt Anlass zu der Annahme vor, dass die
Anzahl seitdem weiter zugenommen hat. Hühner werden
allgemein von nahezu einem jeden gehalten, der die Möglichkeit
 dazu hat (Abb. 20). Die nördlichen Provinzen mit
ihren langen und kalten Wintern bieten jedoch weniger
günstige Voraussetzungen für diese Art von Haustierzucht
dar; infolgedessen ist auch die Anzahl Hühner daselbst verhältnismässig
 gering.
Verschiedene fremde Rassen werden als Veredelungsmaterial
 verwendet. Erwähnt seien von diesen White
Leghorn, Rhode Island red, Wyandotte. In mehreren Hühnerhöfen
 ist eine Kontrolle über die Produktion der einzelnen
Tiere eingerichtet, und dadurch, dass zur Zucht Eier von
hervorragenden Legehennen verwendet werden, wird die
Leistungsfähigkeit des Hühnerbestandes nach und nach erhöht.
 Wie weit man auf diesem Wege gelangen kann, geht

X
4
        <pb n="41" />
        Abb. 21. Renntierherde in Nordschweden.

daraus hervor, dass die jährliche Durchschnittszahl der von
so kontrollierten Hühnern gelegten Eier von 115.6 im Jahre
1910—11 auf 165 im letzten Kontrolljahr gestiegen ist. Einzelne
 Hühner haben fast an 30o Eier geliefert.
Ausser Hühnern werder. auch Puten, Gänse und Enten
gehalten, insgesamt etwa 230,000 Tiere.
Eine grosse Anzahl Geflügelzüchter sind Mitglieder des
Vereins Sverigea allmänna fjäderfäavelgförening (Schwedischer
allgemeiner Geflügelzuchtverein, Stockholm).
Die schwedische Geflügelzucht dürfte im grossen und
ganzen den Bedarf des Landes sowohl an geschlachtetem
Geflügel wie an Eiern decken. Die jährliche Produktion
von Eiern beträgt der Berechnung nach etwa 700,000,000
St. mit einem berechneten Werte von 80 Mill. Mark. Eine
nicht geringe und ständig steigende Ausfuhr von Eiern findet
statt. Im Jahre 1929 betrug der Ausfuhrüberschuss etwa
84,834,300 St. Eier mit einem Werte von ungefähr 9.5
Mill, Mark.
In den Gebirgsgegenden der nördlichen Landschaften wird
eine eigenartige Haustierzucht — Renntierzucht — betrieben.
Die‘ nömadisierende : Lappenbevölkerung in diesen kargen

70
        <pb n="42" />
        Gegenden, in denen andere Haustiere nicht gedeihen können,
hält seit alters Renntiere, von denen grosse Herden vorhanden
 sind (Abb. 21). Die Renntiere müssen im Freien —
zur Winterszeit unter dem Schnee — ihre Nahrung in der
spärlichen Vegetation suchen, die die Natur darbietet. Die
wichtigsten Produkte der Renntierzucht sind Fleisch und
Häute. Diejenigen, die mit Sorgfalt sich dieser Haustierzucht
 widmen, können davon ihren Unterhalt haben.
Gegenwärtig wird die Anzahl Renntiere auf etwa 200,000
St. geschätzt.

MOLKEREIGEWERBE.

Die Veredelung der Kuhmilch zu Butter und Käse ist
seit Jahrhunderten ein wichtiges Glied der schwedischen
Landwirtschaft, und heutzutage hat diese Veredelungstätigkeit
 in grosser Ausdehnung eine solche Form und einen solchen
 Umfang angenommen, dass sie mit Recht eine Veredelungsindustrie
 genannt werden kann.
Im vorhergehenden ist angeführt worden, dass die Jahreserzeugung
 von Milch auf 4 Millionen Tonnen geschätzt
wird. Hiervon wird natürlich ein bedeutender Teil an
Ort und Stelle im menschlichen Haushalt sowie zur Aufzucht
 von Kälbern usw. verbraucht. Der übrige und weit
überwiegende Teil wird teils direkt als Verbrauchsmilch
und teils in durch das Molkereigewerbe veredelter Form als
Sahne, Butter und Käse abgesetzt. Noch bis in die zweite
Hälfte des vorigen Jahrhunderts hinein geschah die Herstellung
 von Butter und Käse fast vollständig auf den Grundstücken,
 wo die Milch produziert wurde. Erst mit der Erfindung
 des Separators wurde ein grösserer Molkereibetrieb
in industriellem Stil möglich, wenigstens inbezug auf andere
 Produktion als die von vollfettem Käse.
Nachdem die Voraussetzung für einen Grossbetrieb im
Molkereiwesen einmal vorhanden war, dauerte es nicht
lange, bis grössere und kleinere Molkereien zustande kamen
und die Hausveredelung der Milch ziemlich allgemein aufgegeben
 wurde (Abb. 22). Zu dieser Veränderung hat auch

10
        <pb n="43" />
        Abb. 22. Mittelgrossse Molkerei in Mittelschweden. Gunesta.

der Umstand beitragen, dass in einer Molkerei Erzeugnisse
besserer‘ und gleichmässigerer Qualität hergestellt werden
können als zu Hause.
Von sehr grosser Bedeutung ist es auch gewesen, dass über
das ganze Land hin sog. Genossenschaftsmolkereien gegründet
wurden, d. h. Molkereien, welche die Milchlieferanten selbst
auf gemeinsame Rechnung besitzen und betreiben — eine
Form von Kooperation auf landwirtschaftlichem Gebiet die
in Schweden sehr gute Resultate gezeitigt hat. Von allen
im Jahre 1928 vorhandenen 1,673 Molkereien waren nicht
weniger als 692 Genossenschaftsmolkereien. Die relative
 Bedeutung derselben erhellt am besten aus der Tatsache,
 dass von in den Molkereien im Jahre 1928 eingelieferten
 1,691,000 Tonnen Milch nicht weniger als 1,193,000
Tonnen oder über 70 %, herrührend von über 92,000 Teilhabern,
 von Genossenschaftsmolkereien verarbeitet worden sind.
Die Molkereien sind allgemein mit zweckmässigen Lokalen
sowie zeitgemässen Maschinen und Geräten ausgerüstet. Der
Staat unterstützt auch durch Darlehen die Errichtung neuer
und die Verbesserung älterer Molkereien. Die Entwicklung
geht übrigens von kleineren zu grösseren Molkereien hin.
        <pb n="44" />
        Rechnet man von der in den Molkereien im Jahre 1928 eingelieferten
 Milchmenge die Quantität ab, die als Verbrauchsmilch
 oder in Form von Sahne Absatz gefunden hat, so
bleiben etwa 1,328,900 Tonnen übrig, die zu 41,300 Tonnen
Butter und 24,800 Tonnen Käse veredelt worden sind. Von
Butter wird sowohl gesäuerte wie ungesäuerte hergestellt.
Käse wird in mehreren Sorten und verschiedener Benennung
je nach dem Herstellungsort, dem Fettgehalt und dem Herstellungsverfahren
 fabriziert. Die hauptsächlich hergestellten
 Käsesorten sind sog. wvensk herrgärdsost (schwedischer
Gutskäse), . V/ästgötakäse und Sveciakäse.
Die Molkereierzeugnisse unterstehen einer gewissen Kontrolle.
 So ist das Feilhalten von Butter mit höherem Wassergehalt
 als 16 % verboten. Die Einhaltung dieser Bestimmung
 wird durch öffentliche Organe überwacht.
Ein besonderes Institut, Svenska Smörprovningarna (Schwedische
 Butterprüfungen, Göteborg), ist errichtet worden, um
eine fortlaufende öffentliche Kontrolle über die Qualität
der in den Molkereien erzeugten Butter auszuüben. Molkereien,
 die nach Ausweis dieser Prüfungen eine Butter hert
stellen, welche gewisse, ziemlich hochgestellte Forderungen
erfüllt, erhalten das Recht, ein gewisses Warenzeichen,
‚Runmärket» (Runenmarke) (Abb. 23), zu führen. Die Teilnahme
 an den Prüfungen ist freiwillig, das Recht, Butter
zu exportieren, ist aber an die Bedingung gebunden, dass
die Butter mit der Runenmarke versehen ist. Durch die
Prüfungen wird auch eine Kontrolle über die zur Ausfuhr
angemeldete Butter ausgeübt. Wird diese minderwertig befunden,
 so wird die Runenmarke makuliert, wodurch die
Ausfuhr unmöglich gemacht wird.
Gegenwärtig sind 611 buttererzeugende Molkereien an
dieser Kontrolle beteiligt. Aus dem Obengesagten ergibt
sich, dass zu diesen sämtliche . Exportmolkereien gehören.
Bezüglich der Käseherstellung sei erwähnt, dass eine
gewisse Deklarationspflicht hinsichtlich des Fettgehalts
des Käses besteht. Damit Käse als sog. Vollfettkäse verkauft
 werden darf, ist es erforderlich, dass die Trocken-
        <pb n="45" />
        CHOICEST DWEDISH BurTrEp
4 LA A
RUNE SC Cpl)
ZN REGISTERED WR ns
CEO PURE AND WITHOUT ANY PRESERVATNES mE

Abb. 2z. Runenmarke für Butter

substanz einen Fettgehalt von 45 % besitzt. Für sog. halbfetten
 Käse ist der entsprechende Fettgehalt auf 30 % festgesetzt.
 Vollfettkäse wird durch einen roten Streifen und
Halbfettkäse durch einen blauen bezeichnet.
Eine ziemlich umfangreiche Versuchs- und Forschungstätigkeit
 auf dem Gebiete des Molkereiwesens wird von der
obenerwähnten Centralanstalt för försöksväsendet pä jordbruksomrädet
 (Zentralanstalt für das landwirtschaffliche Versuchswesen)
 ausgeübt.
Das schwedische Molkereigewerbe versorgt in voller
Ausdehnung den inländischen Markt, doch mit Ausnahme
einiger speziellen Käsesorten von Delikatessentypus. Der
Umfang der Buttererzeugung gewährt die Möglichkeit einer
bedeutenden Ausfuhr.

AUSFÜHR LANDWIRTSCHAFTLICHER
ERZEUGNISSE.

Die wichtigsten Ausfuhrartikel der schwedischen Landwirtschaft
 sind Butter, Schweinefleisch und Eier,
Die Gesamtmenge . ausgeführter Butter belief sich im
Jahre 1929 auf za. 24,900 Tonnen. Hiermit hatte die Aus-4%
        <pb n="46" />
        Abb. 24. Schwedische Schweineschlächterei.

fuhr dieser Ware wieder ungefähr die Höhe erreicht, die sie
in dem günstigsten Jahre vor dem Kriege aufgewiesen hatte,
und die Möglichkeit einer weiteren Steigerung der Ausfuhr
scheint vorzuliegen. Von der genannten Menge wurden
ungefähr 13,000 Tonnen nach Grossbritannien und der
Rest nach Deutschland ausgeführt.
Von der Kontrolle, die bezüglich des Wassergehalts der
Butter ausgeübt wird, sowie von der Aufsicht über die
allgemeine Beschaffenheit derselben, die von dem Institut
»Svenska Smörprovningarna» gehandhabt wird, ist im vorhergehenden
 die Rede gewesen. Die Butter, für welche
seitens dieses Kontrollinstituts die Führung des speziellen
Warenzeichens (Runenmarke) genehmigt worden ist, wird
in Kübeln exportiert, bei denen eine Daube mit der ebenerwähnten
 Runenmarke versehen ist, die sich auch auf dem
Pergamentpapier findet, womit der Kübel inwendig bekleidet
 ist,
Zusammenfassend kann von der schwedischen, mit Runenmarke
 versehenen Butter gesagt werden, dass sie eine hochklassige,
 unverfälschte Naturbutter mit einem Wassergehalt
von höchstens 16 % ist; dass sie aus einem Rohstoff hergestellt
 ist, der auf mindestens 80° Celsius oder 64° Reaumur
erhitzt (pasteurisiert) worden ist; dass sie keine anderen
Konservierungsmittel als Salz enthält; sowie dass ihre Herstellung
 in Molkereien stattgefunden hat, deren hygienische
        <pb n="47" />
        /SWEDEN\

\5b.

25. Runenmarke für Schweinefleisch

Verhältnisse und maschinelle Ausrüstung eine erstklassige
Produktion sicherstellen. Herstellung und Ausfuhr werden
in genügender Weise öffenflicherseits überwacht.
Von Schweinefleisch (bacon) wurden 1929 za. 19,600 Tonnen
ausgeführt. Auch diese Ausfuhr weist in den letzten Jahren
eine Steigerung auf. Der hauptsächliche Teil dieses Exports
ist nach Grossbritannien gegangen.
Das Schlachten der Schweine und die Zubereitung dse
Schweinefleisches finden in völliz modern eingerichteten

EN

&amp;gt;

AX5b. 26. Ruanenmarke für Bier.

Schlächtereien (Abb. 24) und unter wirksamer Kontrolle
seitens des Staates statt. Der Betrieb in den Schlächtereien
wird von der obersten staaflichen Sanitätsbehörde, dem Obermedizinalamt
 (Medicinalstyrelsen), überwacht, das die Kontrolle
 durch approbierte Tierärzte ausübt. Die Schweine
werden vor dem Schlachten einer Besichtigung unterzogen.
        <pb n="48" />
        Die veterinäre Kontrolle erstreckt sich durch den ganzen
Schlachtprozess hin und bezweckt die. Prüfung von Fleisch
und inneren Organen. Das Fleisch. wird mikroskopisch auf
das Vorkommen von Trichinen untersucht. Bei der Kontrolle
 genehmigtes Fleisch wird mit behördlicher Kontrollmarke
 versehen.
Auch für Schweinefleisch gibt es ein eingetragenes Warenzeichen,
 auch hier »runmärket» (Runenmarke) (Abb. 25)
genannt, das in gewissen vorgeschriebenen Fällen auf jeder
Seite an mindestens drei Stellen angebracht wird.
Bei der Ausfuhr von Schweinefleisch wird von der betreffenden
 Zollbehörde genau darauf gesehen, dass nur
Schweinefleisch, das den geltenden Bestimmungen über
Kontrolle bei der Ausfuhr von Fleisch genügt, aus dem
Lande ausgeführt wird.
Von Eiern wurden während des Jahres 1929 za. 89,033,700
St. ausgeführt, davon za. 66,256,700 St. nach Grossbritannien.
 Auch bei dieser Ware ist der Ausfuhrüberschuss in
raschem Anstieg begriffen, und eine Möglichkeit zu weiterer
Steigerung scheint vorzuliegen.
Der Handel sowohl im Inlande als nach dem Auslande ist
bis zu einem gewissen Grade durch erlassene Bestimmungen
geregelt. So sollen Eier, die zum Verkauf in Kühlhäusern
gelagert sind, mit dem Worte »kylhusägg», und solche, die
zum Verkauf mit Konservierungsmitteln behandelt worden
sind, mit dem Worte »konservägg» bezeichnet werden.
Schwedische Hühnereier dürfen aus dem Lande nicht
anders als in mit besonderem Warenzeichen, der »Runenmarke»
 (Abb. 26), versehener Verpackung ausgeführt werden.
Das Recht zur Anwendung dieses Warenzeichens kann auf
Antrag demjenigen erteilt werden, der unter anderem für
den Betrieb über geräumige, luftige und in sanitärer Hinsicht
völlig zweckmässige Lokale und eine zeitgemässe Ausrüstung
für die Ausübung des Betriebes verfügt und ferner sich verpflichtet,
 die erlassenen Vorschriften zu befolgen. In mit
Runenmarke versehener Verpackung dürfen ausgeführt werden
 sowohl schwedische frische Eier als auch schwedische

iS
        <pb n="49" />
        Kühlhauseier und schwedische konservierte Eier. Betreffs
der Forderungen, welche Eier dieser verschiedenen Kategorien
 bei Durchleuchtung erfüllen sollen, sind besondere Bestimmungen
 erlassen. Ferner besteht die Vorschrift, dass
die Eier nach der Grösse sortiert sein sollen. Das Gewicht
ist auf der Verpackung anzugeben. Die HEierkisten müssen
rein und nicht vorher benutzt sein. Auch muss das Verpackungsmaterial
 rein und geruchlos sein.
Die Kontrolle darüber, dass die obigen Bestimmungen
befolgt werden, liegt zunächst dem Institut »Svenska Smörprovningarna»
 ob.
Darf man die oben angeführten Ausfuhrquantitäten Butter,
Schweinefleisch und Eier in gewisser Weise als Exponenfen
für die gegenwärtige Leistungsfähigkeit der schwedischen
Landwirtschaft betrachten, so ist dabei auch der nach dem
Kriege in Schweden in sehr erheblichem Grade erhöhte
Lebensstandard zu beachten, der für sich eine im Verhältnis
zu früher wesentlich grössere Menge von der Produktion der
Landwirtschaft in Anspruch genommen hat.

FISCHEREI.

Die lange Küstenstrecke sowie die zahlreichen Seen und
Flüsse des. Landes bieten Gelegenheit zu einer Fischerei
bedeutenden Umfanges. Am wichtigsten ist die Seefischerei,
die längs der ganzen Küste und oft weit auf die offene See
hinaus betrieben wird, und zwar nicht nur in der Ostsee, dem
Kattegatt und dem Skagerrak, sondern auch in der Nordsee,
nördlich und westlich von den Sheflandsinseln und Schottland
 sowie bei Island (Abb. 27.).
Die für die Seefischerei wichtigsten Fischarten sind Hering
 und Strömling, Aal, Dorsch, Schellfisch, Scholle und
Lachs. Die Heringsfischerei ist jedoch in den letzten Jahren
        <pb n="50" />
        Abb. 27. Fischereihafen in Westschweden. Gothenburg

stark zurückgegangen. Der Ertrag der Seefischerei wurde
für das Jahr 1928 zu ungefähr 87,000 Tonnen Fische mit
einem Schätzungswerte von über 28 Millionen Mark berechnet.
 Hieran sind die wichtigeren Fischsorten mit folgenden
 Ziffern beteiligt:

Hering und Strömling za. 49,100 Tonnen
Aal 7 1,000
Dorsch . 7,800
Schellfisch 7,800
Scholle 2,600
Lachs 200

Q.i
2,2
2.1
2.0
2.7
8

Mill. Mark

Die Süsswasserfischerei hat ihre grösste Bedeutung in den
Binnenseen und in den grossen Flüssen. Die wichtigsten
Fischarten sind in den Binnenseen Hecht, Barsch, Maräne,
Zander, Brassen, Aal, Saibling und Krebse sowie in den
Flüssen Lachs und Forelle. An verschiedenen Orten wird
Sportfischerei auf lachsartige Fische betrieben.
Im Jahre 1923, dem letzten Jahre, für das eine Statistik
über die Süsswasserfischerei vorliegt, betrug der Gesamtx
        <pb n="51" />
        Abb. 28. Zentralanstalt für das landwirtschaftliche Versuchswesen.

fang za. 6,400 Tonnen im berechneten Werte von 8.5 Mill.
Mark,
Daran waren die wichtigeren Fischsorten folgendermassen
 beteiligt:

Hecht .
Barsch .
Maräne
Zander
Aal ..
Lachs

1,400 Tonnen
1,100
600
300
200
200

1.9 Mill. Mark
1.0
0.9
0.6
0.5
0.”

Um die Süsswasserfischerei zu fördern, wird Fischzucht
sowohl von lachsartfigen Fischen wie von Karpfen und
Schleien betrieben.
Eine staatlich unterstützte Fischereischule findet sich bei
Adneboda (Postadresse: Ugglehult).
Für die Förderung des Fischereigewerbes interessierte
Personen haben sich in Svenska fiskareförbundet (Schwedischer
Fischerverband, Södertälje) zusammengeschlossen.

1
        <pb n="52" />
        Abgesehen von einer stets notwendigen Einfuhr von gesalzenem
 und gedörrtem Fisch, deckt die Fischerei in Schweden,
kann man sagen, der Hauptsache nach den inländischen Bedarf
 an Fisch.

LANDWIRTSCHAFTLICHES VEREINSWESEN.

In verschiedenem Zusammenhang sind oben bereits eine
grosse Anzahl Zusammenschlüsse von grosser Bedeutung erwähnt
 worden, die sich die Aufgabe stellen, gewisse, verschiedene
 Teile der Landwirtschaft betreffende Interessen
zu fördern. Ausser diesen gibt es noch eine ganze Reihe
anderer, von denen wenigstens einige, besonders solche,
deren Tätigkeit das 'ganze Land umfasst, hier Erwähnung
verdienen.
Verschiedene von diesen verfolgen ausschliesslich oder
hauptsächlich einen ideellen Zweck, Von solchen seien an
erster Stelle genannt Lantbruksakademien (Landwirtschaftliche
 Akademie, Stockholm) und Sveriges allmänna lantbrukssällskap
 (Schwedische Allgemeine Landwirtschaftliche Gesellschaft,
 Stockholm), welcher beider Tätigkeit die Landwirtschaft
 in ihrer Gesamtheit umfasst. Ferner sind anzuführen
 Jordbrukarungdomens förbund (Bund junger Landwirte,
Lidingö) und Svenska mjölkintressenters upplyaningasförening (Auskunftsverein
 der Milchinteressenten, Stockholm). Hierher
ist auch zu stellen Sverigeo fröodlarförbund (Verband schwedischer
 Samenzüchter, Ultuna bei Uppsala).
Als Vereinigung, die auf dem ökonomischen Gebiet arbeitet,
ist vor allem zu nennen Sveriges allmänna: hypoteksbank (ANgemeine
 Schwedische Hypothekenbank, Stockholm), deren
Aufgabe es ist, die Anleihen zu vermitteln, die erforderlich
sind, damit die lokalen Hypothekenvereine ihren Teilhabern
Darlehen zur Verfügung stellen können.
Um, wenn auch in anspruchsloserem Umfange, dem Bedürfnis
 der kleineren Landwirte inbezug auf Betriebskredit
 entgegenzukommen, sind auf kooperativer Grundlage
eine Anzahl — fünf — Zentralkassen gegründet worden.

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        <pb n="53" />
        FA

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Eee ar

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22729

Abb, 20. Staatliche Zentralanstalt für Samenkontrolle, Stocksund.

Svenska lantmännens rikeförbund (Reichsverband der schwedischen
 Landwirte, Stockholm) mit unterstehenden Zentralvereinen
 hat sich vor allem die Aufgabe gestellt, die Anschaffung
 des Bedarfs der Mitglieder an den erforderlichen
Mengen hauptsächlich von Futter- und Düngemifteln zu
besorgen.
Ausserdem gibt es eine ganze Reihe Vereine mit dem Programm,
 die Interessen der Mitglieder bei dem Verkauf der
landwirtschaftlichen Erzeugnisse, wie Milch, Butter, Schweinefleisch,
 Eier, Kartoffeln und Zuckerrüben, wahrzunehmen.
Es ist hier besonders zu nennen Lantmännens mjölkförsäljningsförening
 u. p. a. (Milchverkaufsverein der Landwirte,
Genossenschaft ohne persönliche Haftung, Stockholm), welcher
 Verein einen befrächtlichen Teil der Veredlung und des
Verkaufs der in Mittelschweden erzeugten Milch in Händen
hat

FORSCHUNGS- UND KONTROLLINSTITUTE.

Verschiedene Anstalten und Institute, die im Dienste der
praktisch-wissenschaftlichen landwirtschaftlichen Forschung
oder der Kontrolle tätig sind, haben bereits oben in verschiede-1
        <pb n="54" />
        nem Zusammenhang Erwähnung gefunden. Es sei bezüglich
dieser hier nur erinnert an Centralanstalten för försökswvägendet
pä jordbruksomräde (Zentralanstalt für das landwirtschaftliche
Versuchswesen, Postadresse: Experimentalfältet) (Abb. 28),
die mit Abteilungen für Ackerbau und Pflanzenzucht$,
landwirtschaftliche Chemie, Haustierzucht und Molkereigewerbe,
 landwirtschaftliche Botanik, Entomologie und Bakteriologie
 eine umfangreiche Versuchs- und Forschungstäfigkeit
 betreibt.
Zuvor nicht erwähnt sind Statens Centrala frökontrollanstalt
(Staatliche Zentralanstalt für Samenkontrolle) (Abb. 29)
mit unterstehenden 7 lokalen Samenkontrollanstalten sowie 9
chemische Stationen an verschiedenen Orten‘ des Landes.
Sämtliche hier genannte Anstalten werden ganz oder teilweise
 aus Staatsmitteln unterhalten.

LANDWIRTSCHAFTLICHER UNTERRICHT.

Für den fachlichen Unterricht in der Landwirtschaft und
damit in Zusammenhang stehenden Fächern ist im grossen
und ganzen gut gesorgt. Höherer Unterricht, geeignet zur
Ausbildung von Lehrern, Konsulenten und Wirtschaftsleitern
 auf grösseren Gütern, wird teils an dem Lantbruksinatitutet
 vid Ultuna (Landwirtschaftliches Institut Ultuna, Postadresse:
 Uppsala) und teils an .dem Zantbruks- och mejerlinstitutet
 vid Alnarp (Landwirtschafts- und Molkereiinstitut
Alnarp, Postadresse: Äkarp) (Abb. 3o.) erteilt.
Zur Ausbildung von landwirtschaftlichen Arbeitsleitern
finden sich in verschiedenen Teilen des Landes ı2 Ackerbauschulen
 (Lantbruksskolor) mit ı- bis 2-jährigem sowohl
praktischem wie theoretischem Kursus. 41 an verschiedenen
Stellen im Lande errichtete Landwirtschaftsschulen (Abb. 31)
(Lantmannaskolor) mit einem mindestens 125 Arbeitstage umfassenden
 theoretischen Kursus bieten Gelegenheit zur Ausbildung
 in der Bewirtschaftung kleinerer und mittelgrosser
Grundstücke (Bauerngüter).

4
        <pb n="55" />
        MET
ar X AR
Dsd 4 WIRTSCHAFT 2.4.57

Abb. zo. Hauptgebäuder, des Landwirtschafts- und Molkereiinstituts
Alnarp.

Um den Frauen auf dem Lande die für die Führung eines
bäuerlichen Haushalts notwendigen Kenntnisse zu vermitteln,
sind Landhaushaltungsschulen (Lanthushällsskolor) in einer
Anzahl von 38 eingerichtet worden, auch diese über das
ganze Land hin verbreitet. Die Ausbildung von Lehrerinnen
für diese Schulen erfolgt an hierzu errichteten Lehranstalten,
davon eine in Brogärd (Postadresse: Vattholma) und eine
in Rimforsa (Postadresse: Rimforsa).
Im Molkereiwesen wird höherer Unterricht an dem Landwirtschafts-
 und Molkereiinstitut Alnarp erteilt, niederer Unterricht
 für Männer gleichfalls auf Alnaro und für Frauen an 7
Molkereischuten.
Gartenbauschulen sind gegenwärtig 5 vorhanden.
Ferner bestehen Ausbildungskurse für Kontrollassistenten,
Kuhwärter (Männer und Frauen), Schweinewärter und Wanderinspektoren.


A
        <pb n="56" />
        Hinzugefügt sei schliesslich, dass ausser diesem mehr
fest organisierten Unterricht eine umfangreiche Aufklärungstätigkeit
 in Form von kurzen Kursen und Vorträgen
für die breiteren Schichten der Landwirte regelmässig ın
den verschiedenen Provinzen des Landes ausgeübt wird.
Die Kosten der Unterrichts- und Aufklärungstätigkeit
in ihrer Gesamtheit wird ganz oder teilweise vom Staate
bestritten.

LANDWIRTSCHAFTLICHE ADMINISTRATIVE

INSTITUTIONEN.

In der Regierung wird die Landwirtschaft und die Fischerei
 von dem Landwirtlschaftsminister vertreten, der dem Landwirtschaftsministerium
 vorsteht. In Übereinstimmung mit dem
schwedischen administrativen System liegen die staaflichen
Verwaltungsaufgaben in den Händen besonderer selbständiger
 Zentralbehörden, von denen das Landwirtschaftliche
Amt (Lantbruksstyrelsen) die meisten Fragen betreffs Massnahmen
 zur Förderung der Landwirtschaft und der Fischerei
sowie zur Regelung des landwirtschaftlichen Unterrichts behandelt.
 Die Oberleitung der Pferdezucht im Lande wird
von der Gestütverwaltung (Stuteriöverstyrelsen) ausgeübt.
Die vom Reichstage für die Landwirtschaft und Fischerei
bewilligten Geldmittel dienen zur Besoldung teils des eigentlichen
 Verwaltungspersonals und teils von staaflich angestellten
 Konsulenten für verschiedene Teile des landwirtschaftlichen
 Gewerbes, Landwirtschaftsingenieuren für Bodenentwässerung,
 Fischereiintendanten u. a., zur Bestreitung
der Kosten des landwirtschaftlichen Unterrichts verschiedener
 Art, zur Unterstützung von Vereinen und Korporationen
 sowie von seitens derselben getroffenen Massnahmen
zur Förderung der Landwirtschaft und Fischerei sowie zu

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        Abb. zı. Landwirtschaftsschule in Südschweden. Fridhem bei

Svalör.

Prämiierungen verschiedener Art, Massnahmen zur Hebung
der kleineren Landwirtschaft usw. Von Korporationen,
die die praktische Verwendung der bewilligten Staatsmittel
 vermitteln, seien in erster Linie genannt die 26 Landwirtschaftskammern
 (Hushällningssällskap), deren Tätigkeitsgebiet
 lokal, im allgemeinen auf ein Län, begrenzt ist, und die
eine sehr wichtige Rolle als zwar formell freie, sachlich aber
doch offizielle Mittelglieder zwischen der eigentlichen Staatsverwaltung
 und dem grossen landwirtschafflichen Publikum
spielen. Ein sehr beträchtlicher Teil der Massnahmen zur
Förderung der Landwirtschaft, für welche Staatsmittel bewilligt
 werden, wird von den Landwirtschaftskammern besorgt,
 die für diese Aufgaben Beamte verschiedener Art,
besonders Landwirtschafts-, Haustier- und Molkereikonsulenten,
 anstellen.
Die Landwirtschaftskammern, von denen die meisten seit
mehr als hundert Jahren tätig sind, haben sich sehr grosse
Verdienste um die Verbesserung der Landwirtschaft erworben.


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        Nachstehend sei eine kurze Zusammenstellung der staatlicherseits
 zur Förderung der Landwirtschaft für das Etatsjahr
 1928/29 bewilligten Geldmittel gegeben:

A. Die staatliche Verwaltung für Landwirtschaft
 und Fischerei (Landwirtschaftsministerium,
 Landwirtschaftliches Amt, Gestütwerwaltung
 usw... . .. i „4
Die staafliche Versuchstätigkeit auf dem
landwirtschaftlichen Gebiet usw... . .
Unterrichtsanstalten für Landwirtschaft und
landwirtschaftliche Gewerbe
I. Staatliche... ..
IT. Staaflich unterstützte
Viehzucht usw... ..
Förderung der Pferdezucht usw. .....
Landwirtschaft im allgemeinen (die staaflich
unterstützte lokale Landwirtschaftsverwaltung,
 staatlich unterstützte Versuchstätigkeit
 usw.) . . 2... 4.
G. Bodenverbesserungen usw.
H. Fischerei:
Staatlich unterstützte lokale Fischereiadministration,
 Versuchstätigkeit
auf dem Gebiet der Fischerei usw. 372,700
Summe Mark 16,070,060

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Die oben angeführten Zahlen und sonstigen Tatsachen
bezüglich der schwedischen Landwirtschaft haben für sich
selbst sprechen müssen. Die Kommenfare und Betrachtungen,
 die hier und da daran geknüpft worden sind, sind kurz
und summarisch gewesen. Der Leser har daher natürlich
aus dem Gesagten nur ein oberflächliches und unvollständiges
Bild von der Landwirtschaft Schwedens und den damit
zusammenhängenden Verhältnissen erhalten können.

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        Aus dem Angeführten dürfte jedoch zu entnehmen sein,
dass das landwirtschaftliche Gewerbe von ausserordentlicher
 Bedeutung für das schwedische Gemeinwesen in seiner
Gesamfheit ist. Nicht weniger als 4o % der Gesamtbevölkerung
 sind direkt von der Landwirtschaft abhängig, eine
Ziffer, die noch bedeutend steigt, wenn alle diejenigen mitgerechnet
 werden, welche in Industrie, Handel und anderen
Gewerben und Berufen mit der Herstellung und Veredlung
sowie dem Austausch und Transport der Bedarfsartikel und
Erzeugnisse der Landwirtschaft zu tun haben. Es kann daher
ohne Übertreibung gesagt werden, dass das Gedeihen der
schwedischen Landwirtschaft von grosser Bedeutung für die
ökonomische Stellung des Landes überhaupt ist.
Die Staatsmächte haben auch Verständnis hierfür gezeigt,
und bedeutend sind unter anderem die Geldmittel, die im
Laufe der Jahre für Massnahmen bewilligt worden sind,
welche die Verbesserung und Förderung der Landwirtschaft
 und ihrer Nebengewerbe bezwecken. Das so bekundete
 Interesse isf auch nicht resultatlos geblieben. Eine
nähere Prüfung des gegenwärtigen Standes der schwedischen
Landwirtschaft wird sicherlich auch ergeben, dass diese in
Anbetracht ihrer natürlichen Voraussetzungen und im Vergleich
 mit der Landwirtschaft anderer Länder nicht gut als
rückständig bezeichnet werden kann.
Trotzdem muss mit Bedauern konstatiert werden, dass
die ökonomische Stellung derselben, gleich der so vieler anderer
 Länder, zurzeit nichts weniger als gut ist, dies dürfte
aber im grossen und ganzen weder der Landwirtschaft noch
ihren Ausübern zur Last gelegt werden können, sondern ist
ein Ausdruck der Depression, die gegenwärtig das landwirtschaftliche
 Gewerbe in nahezu der ganzen Welt heimsucht.
 Wenn die Ausgaben der Landwirtschaft für Arbeit,
Steuern und Bedarfsartikel verschiedener Art andauernd
verhältnismässig bedeutend höher als ihre Einkünfte durch
den Verkauf ihrer Erzeugnisse sind, so muss notgedrungen
das ökonomische Resultat ein schlechtes sein, und der Landwirt
 kann nur wenig oder gar nicht Einfluss auf die Verhältm

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        nisse ausüben, die hierbei entscheidend sind., Man kann
jedoch davon überzeugt sein, dass die schwedischen Landwirte
 nun wie schon oftmals zuvor ihre Kräfte aufs äusserste
anspannen werden, um, soweit dies möglich ist, die Schwierigkeiten
 zu überwinden.

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KULTIVIERUNG UND BEWIRTSCHAFTUNG
DES BODENS.

Als einstmals in längst entschwundenen Zeiten der Anuer
 begann, die losen Erdablagerungen, die als das Re-Itat
 des Spiels mächtiger Naturkräfte gebildet worden
iren, für seine Zwecke ın Benutzung zu nehmen, fand er
‘ld, dass es für den Erfolg seiner Anbautfätigkeit einer
äftigen Bodenverbesserung bedurfte. Und der Anbauer
hritt auch früh zu Massnahmen in dieser Beziehung. Der
;&amp;gt;den wurde nicht nur gerodet, indem Bäume und Sträucher
tfernt wurden, auch das lästige Wasser wurde abgeleitet
d die Bodenoberfläche auf verschiedene Weise bereitet,
der Saat geeignete Wachstumsbedingungen bieten zu
nnen. Eine ungeheure Arbeit, deren Grösse und Umfang
nmehr sicherlich auch nicht annähernd geschätzt werden
an, ist so im Laufe der Zeiten von den Anbauern der
hwedischen Erde Generation nach Generation auf die
‚ehrung und Verbesserung des Ackerbodens verwendet
orden. Von dieser Anbautätigkeit zeugen in ihrer Weise
e gewaltigen Abflussgräben und die mächtigen Haufen
m aus den Feldern wegtransportfierten Steinen, die vielerts
 vorhanden sind. Auch wo das nicht der Fall ist, kann
an sagen, dass der schwedische Kulturboden der Regel
ıch mit viel Arbeit und Mühe der Natur abgerungen worden
„Eine solche Arbeit hat indessen stets dem Schweden
gesagt, und sein natürliches Geschick für Erfindung me-\anischer
 Vorrichtungen und Hilfsmittel ist ihm dabei
cht oft zu statten gekommen.
Diese Anbaufätigkeit ist die ganze Zeit hindurch fort-"gangen
 und ist andauernd im Gange, wenn auch die Urırmachung
 neuen Landes nun, nachdem die best kultivieriren
 Böden bereits in Anspruch genommen worden sind,
‚.cht mehr so umfangreich ist. Nur etwa 3800 Hektar
;uen Bodens, d. h. 0.1 % des Ackerareals, werden nunmehr
hrlich neu in Kultur gebracht. Die Kultivierungsarbeit ist
an, nicht zum wenigsten aus ökonomischen Gründen, mehr
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