Je mehr sich der politische Streit in Deutschland
 um die Annahme des Youngplans in die
Länge zog, um so größer wurde die allgemeine
Mißstimmung. Es gibt tatsächlich in Deutschland
kaum jemand, der sich öffentlich mit der Regelung
 zufrieden erklären würde, die der Youngplan
 für die Reparation vorschreibt. Von der deutschen
 Regierung sowohl wie von den Führern
der Wirtschaft, die für die Annahme des Youngplans
 eingetreten sind, ist immer betont worden,
daß er durchaus nicht die Lösung bringt, die
Deutschland habe erwarten müssen, daß er aber
unter dem Druck der Verhältnisse angenommen
werden müsse, da er gegenüber den bisherigen
Zuständen immer noch das kleinere Uebel darstelle
 und doch auch, verglichen mit dem Dawesplan,
 gewisse Vorteile in finanzieller und nationaler
 Hinsicht biete. Vor allem aber wurde ständig
darauf hingewiesen, daß es ganz unmöglich sei,
den Youngplan abzulehnen und zum System des
Dawesplanes zurückzukehren, weil dies eine unabsehbare
 politische und wirtschaftliche Krise
über Deutschland heraufbeschwören würde. Unter
 diesem negativen Zeichen ganz allein und
ohne jede positive Einstellung sind die heftigen
Angriffe, die von den extremen rechten und linken
Parteien in Deutschland gegen den Youngplan
gerichtet wurden, schließlich abgewehrt worden.
Deutschland hat den Youngplan angenommen,
aber ohne jede Befriedigung und ohne rechte
Ueberzeugung. Es sieht in ihm nur einen Notbehelf
 in schwierigster Lage, nicht aber eine
„vollständige und endgültige“ Lösung des Reparationsproblems.


So drängt sich die Frage auf, warum die
deutsche Regierung sich darauf eingelassen hat,
mit den Gläubigern über ein neues Schuldabkommen
 zu verhandeln, wenn das Ergebnis, das dabei
 schließlich herausgekommen ist, so wenig Zufriedenheit
 findet. Man erinnert sich, daß am
16. September 1928 die in Genf beim Völkerbund
versammelten fünf Hauptmächte der Reparations-1

 am