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Geleitwort.
Von Direktor Rudolf Funke, Präsident des Deutschen Brauer-Bundes, E. V.

Gewohnheit macht nicht wißbegierig, und gerade
 auf des alltäglichsten Verkehrs Gegenstände
richtet sich der Erkenntniswille im geringsten Ausmaß.
 Bei zahlreichen Menschen ist das Wissen um
entifernteste Zusammenhänge oft größer als das
Wissen um den Alltag, etwa — um ein naheliegendes
Beispiel zu nennen — vom inneren Wesen des
Geldes, dessen sie sich fast allstündlich bedienen.
Anderenfalls wären Tragik und Panik der Nachkriegsinflationsjahre
 unmöglich gewesen.
Auch über die Naturgeschichte des täglichen Er-Irischungsgetränks
 und Nahrungsmittels „Bier“,
über dessen wirtschaftliche, technische, physiologische
 und kulturelle Bedeutung gehen die Vorstellungen
 der Allgemeinheit kaum über den Bereich
des Nebelhaften hinaus. Die immer wiederholten
und nur zu häufig — echt oder maskiert — weltanschaulich
 betonten Angriffe auf das Braugewerbe
wurzeln ausnahmslos in Irrmeinungen,
Es ist deshalb außerordentlich zu begrüßen, wenn
auf den nachfolgenden Bogen einige Dutzend bewährter
 wirtschaftlicher Führer und wissenschaftlicher
 Sachverständiger unseres Industriezweiges
sich in ideell gemeinsamer Arbeit bemüht haben,
über die Grundlagen, Zusammenhänge, Auswirkungen
 des Brauwesens und der Braugeschichte
Aufklärung zu vermitteln.
Aufklärung. und Erhellung all der verwickelten
Vorgänge in technisch-wirtschaftlicher Hinsicht
iut auf diesem Gebiet auch deshalb not, weil der
volkswirtschaftliche Standort unseres Industriezweiges
 ganz besonders schwierig zu bestimmen ist.
Schlägt man noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts
erschienene Monographien über Deutschlands wirtschaftliche
 Gestaltung auf, so findet man den das
Bier herstellenden Gewerbezweig bald unter „Landund
 Forstwirtschaft“, bald unter „Industrie“ oder
auch in dem Kapitel „Handwerk“ abgehandelt.
Während die Brauereien nach wie vor größte Abnehmer
 der Landwirtschaft sind, die sie in Wechselwirkung
 wieder in beträchtlichem Ausmaß mit wertvollen
 Futtermitteln beliefern, während die Brauerei
im letzten Sinn nicht „produziert“, sondern auf

‘undamental wissenschaftlicher, in Jahrtausenden
rewordener Basis Bier „gewinnt“, d. h. sich die Eineitung
 und Regulierung eines Naturprozesses zur
\ufgabe macht, hat die Gesamtheit der Brauereien
inen industriellen Entwicklungsgang durchgemacht,
ler an keiner modernsten „Rationalisierung“, an
ceinem diffizilsten betriebswirtschaftlichen und
»roduktionstechnischen Organisierungsversuch un-’eeinflußt
 vorübergegangen ist. Die Auswertung der
ımtlichen Berufs- und Betriebszählung des Jahres
925 durch das Statistische Reichsamt hat diese
"atsache ziffernmäßig erhärtet gefunden und in die
*ormel zusammengefaßt, daß kein Wirtschafts-‚weig
 derart die Entwicklung vom Handwerk zur
ndustrie aus innerer, eigener Kraft an sich erfahren
aabe, wie Deutschlands Brauindustrie.
Dennoch stehen auch heute noch wie kaum auf
ınderen Gebieten in der Brauindustrie neben den
üroßkonzernen: und Aktienbrauereien aller Größen
nittlere sowie kleine und kleinste gewerbliche
3rauereien. Alle sind durch gemeinsame Interessen
ıufs engste miteinander verbunden und aufeinander
ıngewiesen. Die erfreuliche, historisch bedingte und
ınbeschadet des offenen Blickes für Verbesserungen
mmer erneut sich erweisende Traditionsgebundenleit
 der Brauer hat. trotz aller strukturellen Wirtschaftswandlungen
 des letzten Jahrzehnts das
Neiterblühen gerade auch eines mittelständischen
3raugewerbes ermöglicht, das ebenso wie die Brau-Äroßindustrie
 weiterhin seine innere Gesundheit
;rweisen wird, wenn man der gesamten Braundustrie
 nicht zum Schaden der Gesamtwirtschaift
ıntragbare Belastungen zumutet, deren Begrünlungen
 leider wie die eingangs erwähnten sonstigen
Angriffe ebenfalls meist von völlig irrigen Anschauungen
 über die wirtschaftliche Verflechtung
ınd Bedeutung der Brauindustrie genährt werden.
Daß es diesem Werk gelingen möge, in breiten
Xreisen solche irrigen Anschauungen zu besserer
Erkenntnis zu wandeln, ist in einer Stunde der
"rneuten steuerlichen Gefährdung unseres Industriezweiges
 der ernsteste Wunsch seiner sämtlichen
Angehörigen auf Arbeitgeber- wie ebenso auf
Arbeitnehmerseite.