_ Kurt W. Droege, Berlin:
Landwirtschaft und der heimischen Industrie. Das
zeigt sich besonders dann, wenn man neben den
Großkonzernen der Brauindustrie die zahlreichen
kleinen Brauereien ins Auge faßt, die in landwirtschaftlichen
 Gegenden, wie namentlich in Süddeutschland,
 das Zentrum des Verkehrs und Markt-‚ebens
 bilden. Auch in Mittel- und Norddeutschland
beobachtet man noch vielfach heute, daß die Brauerei
ein Zentrum des Marktverkehrs der Landwirtschaft
ist, wohin der Landwirt seine Gerste und seinen
Hopfen liefert und Treber und Malzkeime als hochwertige
 Futtermittel bezieht.
Vergegenwärtige man sich darüber hinaus, was
die Brauindustrie zahlenmäßig für unsere Landwirtschaft
 bedeutet, so sind zunächst ihre gesamten
Rohstoffe agrarischer Herkunft. Jährlich verbraucht
sie allein 12—13 Millionen Doppelzentner Gerste.
Davon werden nur ganz verschwindend geringe
Mengen eingeführt, und zwar, wie an anderer Stelle
dieses Kompendiums eingehend ausgeführt wird,
deshalb, weil die deutsche Landwirtschaft nicht in
genügendem Maße Gerste in der für den Bierexport
notwendigen Qualität produziert. Hier ergibt sich
uw U. für die schwer ringende deutsche Landwirtschaft
 noch eine gute Chance, deren Ausnutzung
nicht zuletzt im Interesse der deutschen Handelsdilanz
 liegt. Immerhin nimmt die Brauindustrie
schon jetzt 50 % der gesamten deutschen Gerstenproduktion
 auf. Dazu kommt ein jährlicher Verbrauch
 der deutschen Brauereien von 250 000
Zentner Hopfen, was bedeutet, daß sie damit dem
deutschen Hopfenbau so gut wie das ganze Ergebnis
seiner Ernte abnehmen. Alles in allem kann man
die Summe, die die Brauindustrie Jahr für Jahr an
die Landwirtschaft zahlt, auf annähernd eine halbe
Milliarde Reichsmark beziffern. Was dieser relativ
sichere Absatz — sicher, wenn die Brauindustrie
durch staatliche und vor allem steuerliche Maßnahmen
 nicht in ihrer Produktion gehemmt wird —
jür die Produktion der deutschen Landwirtschaft,
deren Absatz zu einem erheblichen Teil infolge der
schweren Agrarkrise höchst unsicher geworden ist,
bedeutet, erheilt ohne weiteres. Auf der anderen
Seite muß auch darauf hingewiesen werden, daß die
Brauindustrie als Lieferant, von Trebern und Malzkeimen
 als Futtermittel für die Landwirtschaft schon
heute eine Zurückdimmung der Futtermitteleiniuhr
ünd damit erneut eine kräftige Entlastung unserer
Handelsbilanz herbeiführt, ganz abgesehen davon,
daß diese Restbestände der Brauefeien das eiweißund
 proteinreichste und damit ein höchstqualifiziertes
Futtermittel darstellen, ]
Unter dem Signum der Landwirtschaft muß aber
auch vor allem der deutsche Bierexport in aller
Herren Länder betrachtet werden. Denn es händelt
sich doch bei dem Weg, den deutsches Bier in die

ernsten Gegenden der Welt nimmt, im Grunde um
ıUichts anderes, als um die Ausfuhr veredelter
leutscher landwirtschaftlicher Produkte, Und wenn
ıuch diese Ausfuhr, wie an anderer Stelle dieses
Nerkes näher mitgeteilt wird, gegenüber früheren
Zeiten stark zurückgegangen ist, so erfüllt doch die
‚eutsche Brauindustrie durch ihren Export, der im
ahre 1929 zu einer Aktivität unseres Bieraußenıandels
 in Höhe von rd. 25 Millionen Reichsmark
‚eführt hat, eine dreifache volkswirtschaftliche Auf-‚abe:
 sie bringt einmal veredelte deutsche Produkte
uf den Weltmarkt hinaus und entlastet dergestalt
lien inneren Markt. Sie verfolgt damit eindeutig die
inzig für Deutschland mögliche Tendenz seiner
‚ukünitigen Ausfuhrwirtschaft: nämlich nicht billige
4assengüter auf den Weltmarkt zu werfen, sondern
iurch hochwertige Qualitätsprodukte mit großem
ırbeits- und Intelligenzanteil in der Weltwirtschaft
‘osition nach Position wiederzuerobern und auszuaauen.
 Zum dritten aber leistet sie damit eine hochvertige
 Kleinarbeit im Rahmen der großen Aufgabe
jer Eingliederung Deutschlands in die Weltwirtchaft,
 die mit einer Stärkung seines inneren
Aarktes zwangläufig Hand in Hand gehen muß.
/Zwangläufig schon deshalb, weil der Zwang unserer
eparationswirtschaftlichen Verpflichtungen unserer
"olkswirtschaft kategorisch die Erzielung eines
‚rößtmöglichen Reparationsüberschusses vorschreibt.
Dabei ist durchaus auch der Gesichtspunkt entcheidend,
 daß die Qualitätsware eines Landes, die
lem Käufer gefällt, gleichzeitig auch eine Reklame
ür andere Erzeugnisse dieses Landes ist. So ist
‚weifellos das hochqualifizerte deutsche Exportbier
ür unsere deutsche Volkswirtschaft nicht der
chlechteste Exportvertreter im Ausland. .Auch für
lien Fremdenverkehr spielt das heimische Bier eine
ıicht. zu unterschätzende Rolle. Die Überschüsse
us diesem Fremdenverkehr, soweit er sich auf Ausinder
 erstreckt, kommen zwar nicht der Handelsnlanz
 zugute, wohl aber der Zahlung sbilanz,
‚uf die es ja letzten Endes heute für Deutschland an-"ommt,
 indem auf diese Weise außerhalb des reinen
Varenverkehrs Devisen für Importfinanzierung und
’ährungssicherung beschaffen werden.
Um nun wieder auf die binnenwirtschaftliche Bejeutung
 des Braugewerbes zurückzukommen, möge
nan sich auch vor Augen halten, daß das Brauereiınd
 Mälzereigewerbe im Jahre 1928 etwa 230 000
irwerbstätige einschließlich der Angehörigen umaßt
 hat. Auf diese entfällt die Lohn- und Gehalts-:umme
 von etwa 320 Mill. RM sowie ein Teil der
und 100. Mill. RM betragenden Unternehmerrente.
\uf FEinfuhrbezüge kamen etwa 3% % des Erzeu-‚ungswertes
 oder in Ziffern rund 70 Mill. RM.
00 Mill. RM entfallen, wie schon gesagt, auf die
andwirtschaft und weitere 500 Mill. RM bisher.