3. Die wissenschaftlichen Institute und Organe der deutschen Brauindustrie.
Von Dr. AH. Schulze-Besse, Berlin.

Bis in die neue Zeit hinein, noch bis weit ins
L9, Jahrhundert, wurde die Bierbrauerei rein handwerksmäßig
 ausgeübt, und als Handwerk ausschließlich
 wurde ihre Kenntnis und Ausübung dem Lehrling
und Gesellen vom Meister vermittelt. Erst mit der
wissenschaftlichen Erforschung der Vorgänge des
Mälzens und der Gärung um die Mitte des 19. Jahrhunderts
 ergab sich die Notwendigkeit, die gewonnenen
 Frkenntnisse für die Praxis besonders nutzbar
zu machen. Es mußten Einrichtungen geschaffen
werden, welche die Arbeiten eines Balling, Pasteur,
Hansenfortsetzten,
 ausbauten
und in ihrer Anwendung
 auf die
Praxis der Brauerwelt
 als Allgemeingut
 Zzugänglich
 machten.
 Es wurden
eigens Institute
errichtet, die
der Forschung
und der Lehre
auf dem Gebiete
des Brauwesens
dienen.
Wie in ‘der
Medizin und
allen Zweigen
der technischen
Wissenschaft
sind auch in der Brauerei beide, Forschung ‚und
Lehre, nicht zu trennen. Diesen innigen, unlöslichen
 Zusammenhang haben mit sicherem
Blick die Männer erkannt, die vor allem bahnbrechend
 gewesen sind für die Begründung wissenschaftlicher
 Institute für das deutsche Braugewerbe:
im Süden unseres Vaterlandes Carl Lintner und im
Norden Max Delbrück. Des einen Denkmal ‘steht
heute in Weihenstephan, des anderen in Berlin in
der Seestraße. Lintner hat 1865 die Schaffung der
brautechnischen Abteilung an der Weihenstephaner
Anstalt und 1875 die Begründung der Wissenschaftlichen
 Station in München in die Wege geleitet. Auf
die Initiative Delbrücks wurde 1883 die Versuchsund
 Lehranstalt für Brauerei in Berlin ins Leben
gerufen.
Lehr-, Versuchs- und Forschungstätigkeit gehen
Hand in Hand an den wissenschaftlichen Instituten
der Brauindustrie. Die im Laboratorium und bei.der

raktischen Versuchsanstellung gesammelten Kenntısse
 und Erfahrungen übermittelt der Technologe
m Hörsaal und in seinen Publikationen der brauzewerblichen
 Praxis. Die heute bestehenden großen
\nstalten vereinigen deshalb Laboratorien, Ver-‚uchsbetriebe
 und Hörsäle in ihren Mauern, senden
hre Technologen und Ingenieure als Berater in die
7raxis und vermitteln der Fachwelt die gewonnenen
ıeuen Erkenntnisse in den Fachorganen. Aus der
Praxis wiederum fluten die Anregungen und Beobachtungen
 zurück zu den Anstalten aus den Betrieben,
 deren
Leiter dank der
genossenen Vorbildung
 mit geschultem
 Auge
die Vorgänge
in der Mälzerei,
im Sudhaus, im
Gär- undLagerkeller
 beobachten.
 Namentlich
die Brauereien,
die über eigene
Betriebslaboratorien
 verfügen,
an deren Spitze
wissenschaftlich
gebildete Männer
 stehen, leisten
 hier dauernd
 viel fruchtare
 Arbeit, wie nicht minder die Revisionsbeamten
ler Institute, die ihre Beobachtungen in den kon-:rollierten
 Betrieben der Anstalt mitteilen,
Von den wissenschaftlichen Instituten der deutschen
Brauindustrie sind zwei

Brauerei-Hochschulen:
in Berlin die Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei
— in der Landwirtschaftlich-technischen Abteilung
jer Landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin —
ınd in Weihenstephan die Bayerische Hochschule für
„andwirtschaft und Brauerei — im Verbande der
Technischen Hochschule München.
Die Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in
Berlin (Berlin N 65, Seestraße 12—15). Die Anstalt
st ein Teil des zur Landwirtschaftlichen Hochschule
3erlin gehörigen Instituts für Gärungsgewerbe und
Stärkefabrikation, das zusammen mit dem Instituf
ir Zuckerindustrie und der Versuchs- und For-Die

 deutsche Brauindustrie der Gegenwart