5, Der kaufmännische Brauereibetrieb.
Von Prof. Dr. Ecker, Weihenstephan.

Das Braugewerbe wird von Außenstehenden
 vielfach als ein Wirtschaftszweig
 beurteilt, der an die
kaufmännischen Kenntnisse und
Fähigkeiten der Betriebsleiter keine
allzuhohen Ansprüche stelle. Aus den
Dividenden der Aktienbrauereien und ihren Reserven,
 aus der Tatsache, daß die Brauereien in den
letzten Jahren erhebliche Kapitalien in Betriebsneudauten
 und Verbesserungen, in Wirtschaftskäufen
und in Kundendarlehen anlegen konnten und aus
sonstigen, der Öffentlichkeit besonders günstig erscheinenden
 Merkmalen wird allgemein der Schluß
zezogen, daß das Braugewerbe sehr günstige, wenn
nicht gar übermäßige Gewinne gewissermaßen von
selbst einbringe und infolgedessen ein beneidenswerter
 Wirtschaftszweig sei,
In Wirklichkeit liegen jedoch die
Verhältnisse so, daß heute jeder
Brauereibetrieb, vielleicht von einigen
 wenigen, besonders günstig gelagerten
 Betrieben abgesehen, förmlich
 um seine Existenz kämpfen muß
unddaßeinegroße Zahlvon Betrieben
tatsächlich bereits an die Grenze der
Existenzmöglichkeit gelangt ist. Die
'mmer größer werdende Zahl von Geschäftsaufsichten
 und Konkursfällen in der Brauerei dürften
lies auch dem Fernstehenden deutlich machen.
Die verhältnismäßig günstigen Dividenden der
Aktienbrauereien gehen zum größten Teil darauf
zurück, daß diese Betriebe bei Eintritt der Stabilisierung
 ihr Aktienkapital außerordentlich niedrig
umgestellt haben. Nach meinen Berechnungen ist
das Aktienkapital durchweg auf die Hälfte dessen
bemessen worden, was normalerweise als Aktienkapital
 für einen Brauereibetrieb notwendig ist.
Manche Aktienbrauereien haben auf einen noch
zeringeren Betrag umgestellt,, sogar herunter bis
stwa M des an sich notwendigen Aktienkapitals. Die
Folge davon ist, daß die Betriebe gezwungen sind,
aunmehr verhältnismäßig hohe Nominaldividenden
auszuschütten, um eine einigermaßen zureichende
Fifektivdividende zur Verteilung zu bringen. Bei
zerechter Beurteilung der Dividenden der Aktienbrauereien
 müßten daher die sämtlichen Dividenden
mit ganz wenigen Ausnahmen halbiert, wenn nicht
sogar auf % oder % reduziert werden, um sie‘ mit
den Dividenden der Betriebe anderer Wirtschaftszweige
 vergleichen zu können. Berücksichtigt man
allein diesen Gesichtspunkt, dann erscheinen auch

die gegenwärtigen Dividenden der Aktienbrauereien
als außerordentlich niedrige und unzureichende
Efifektivdividenden.
Der weitere Umstand, daß die Brauereien in den
etzten Jahren verhältnismäßig viel Kapital für
Zetriebserneuerung und Betriebsverbesserung aufrewendet
 haben, hängt damit zusammen, daß die
3rauereibetriebe während der Kriegs- und Inilationszeit
 so gut wie nichts in den Betrieben investieren
zonnten. Das Braugewerbe hat während der Kriegsind
 Inflationszeit eine wesentlich andere Entwickung
 durchgemacht als fast die ganze übrige Wirt-‚schaft.
 Während unsere Wirtschaft im allgemeinen
'ast durchweg in der Kriegszeit und insbesondere
yährend der Inflationsiahre ihren Produktionsıpparat
 in üppigster Weise ausgestalten und bis zu
ıngesunden Formen erweitern und verbreitern
connte, war das Braugewerbe in diesen Jahren insjesondere
 durch die Kontingentierungsvorschriften
ınd die damit aufgezwungene Qualitätsyverschlechteung
 des Bieres und den wiederum dadurch. belingten
 Absatzrückgang in eine Lage versetzt, in
velcher in der schärfsten Form Raubbau an den Beriebsanlagen
 getrieben werden mußte. Diese sehr
jef gehenden Schädigungen der Kriegs- und In-'lationsjahre
 müssen aber unbedingt ausgeglichen
verden, wenn nicht die Betriebe in kürzester Zeit
lurch diesen Raubbau zum Erliegen kommen sollen.
Die Investierungen in den Betriebsanlagen sind demı1ach
 den Brauereien durch diese Entwicklung in
z;wingender Weise aufgenötigt und können nicht vernieden
 werden. Sie sind übrigens zum weitaus
rrößten Teil, soweit sie bisher durchgeführt werden
connten, nicht aus eigenen Mitteln, sondern durch Inınspruchnahme
 fremder Mittel durchgeführt worden.
Die bedeutsamen /nvestierungen auf der Seite des
Absatzes, welche sich im Ankauf von Wirtschaften
ınd insbesondere in der Gewährung von Darlehen
an ‘die Kundschaft äußern, sind den Brauereien
viederum aufgezwungen, und zwar durch den
‚ußerordentlich starken Konkurrenzkampf. Dieser
viederum hat seinen Grund in dem immer noch be-;tehenden
 erheblichen Leerlauf infolge des Absatzückganges.
 Letzten Endes wird die Wirtschaft auf
ine Beseitigung des Leerlaufes auch in der Brauerei
zanz von selbst dringen, indem voll ausgenutzte Beriebe
 im. Wirtschaftskampf stärker sind als nur teilweise
 ausgenutzte Betriebe. Jeder Betrieb muß
Jemnach das Bestreben haben, den Leerlauf mögichst
 zu beseitigen und mit möglichst voller Auszutzung
 zu arbeiten, weil er sonst Gefahr läuft, im