32 Prof. Dr. Ecker, Weihenstephan:
sofort die Frage, ob hier nicht doch bereits die bei
einer derartigen Organisation stets im Auge zu be-J1altenden
 ökonomischen Grenzen überschritten sind.
Wenn nämlich die für einen Zweck aufzuwendende
Summe von Arbeit und Kosten größer ist, als der
durch diesen Zweck erzielte Nutzeffekt oder wenn
der gleiche Nutzeffekt auf andere Weise mit geringerem
 Aufwand erreicht werden kann, dann liegt
eine derartige Organisation nicht mehr innerhalb des
Rahmens der ökonomischen Grenzen,
Um den Punkt möglichst genau zu sehen, an
welchem gegebenenfalls die ökonomische Grenze
bei der Organisation der Buchführung überschritten
wird, ist zu berücksichtigen, daß in der Brauerei
speziell, wie auch sonst in anderen Wirtschaftszweigen,
 die Kostenrechnung nicht nur Ergebnis aus
der Betriebsbuchführung sein muß, sondern auch als
Ersatz der Betriebsbuchführung gedacht werden
kann. Bei dieser letzteren dualistischen Durchführung
 wird zwar auch die Buchführung in maßgebender
 Weise für die Kalkulation verwendet, es
wird aber nicht die Organisation der Buchführung
vollständig in der Weise durchgebildet, daß sich aus
ihr die Kalkulation von selbst ergibt. Eine Reihe
von Kosten lassen sich nämlich in der Brauerei in
ihrem Anfall pro Hektoliter im Wege technischer
Berechnung wesentlich einfacher und mindestens
ebenso sicher berechnen, wie auf Grund der Buchi{ührung.
 Beispielsweise können die Malzkosten pro
Hektoliter der einzelnen Biersorten durch technische
Berechnung des Malzverbrauches unter Zugrundeıegung
 der tatsächlichen Selbstkosten iür den
Zentner Malz ohne weiteres berechnet werden. Setzt
man in die Kalkulation die so ermittelten Werte ein,
dann erübrigt sich die ganze umständliche Verbuchung
 des jeweiligen Malzaufwandes auf die einzelnen
 Produktionskosten der einzelnen Biersorten.
Gleiches gilt vom Hopfen und Ähnliches auch von
der Biersteuer und der Umsatzsteuer.
Anderseits erfordert die exakte Aufteilung mancher
Kostenposten auf die letzten Endes in Frage
&lt;ommenden Kostenträger unverhältnismäßig große
Aufwendungen in Form von Nebenaufschreibungen
ınd dergleichen, wenn die Aufteilung in streng buchnäßiger
 Form durchgeführt werden soll. Hingegen
läßt sich bei diesen Posten vielfach eine schlüsselmäßige
 Aufteilung im Rahmen der Kostenrechnung
außerhalb der Buchführung mit wesentlich geingerem
 Kostenaufwand und mit mindestens derselben
 Genauigkeit durchführen. |
Daraus ergibt sich, daß eine Organisation der
Buchführung in der Brauerei, wie sie zum Beispiel
Lönertz in Vorschlag bringt, wohl den Idealzustand
der Brauereibuchführung darstellen würde, wenn
man sie rein isoliert für sich und insbesondere ohne
Rücksicht auf die ökonomischen Grenzen betrachten
wollte. In der Wirklichkeit dürfte aber eine im

inne vorstehender Andeutungen vereinfachte Form
len gleichen Zweck mit wesentlich geringerem Aufvand
 erreichen.
Die Technik der Buchführung als solche wird auch
m Braugewerbe mehr und mehr durch die modernen
3uchführungssysteme beeinflußt. Die Zukunit wird
yuch auf dem Gebiete der Buchführung, insbesondere
m Groß- und Mittelbetrieb, ohne Zweifel der Buchraltungsmaschine
 gehören. Bis jetzt sind es aller-Ungs
 nur wenige Brauereibetriebe, welche die eigentche
 Buchführung maschinell organisiert haben.
\uch die manuellen Durchschreibeverfahren sind in
ier Brauerei anwendbar und zwar grundsätzlich
ür jede Betriebsgröße. Gegenüber der oben beichriebenen
 amerikanischen Buchführung bietet die
nechanisierte Buchführung allerdings kaum mehr
ine Vereinfachung. Sie kann bei Betrieben, die bis
stzt diese Buchführung haben, nur insofern einen
/orteil bringen, als sie eine wesentlich weiter ausrebaute
 Buchführung ohne erheblich größeren Zeitınd
 Kostenaufwand möglich macht.

2. Anwendung der Buchiführungsergebnisse auf die
Betriebsgebarung.
Die kaufmännischen Aufgaben der Buchführung
ind aber mit deren Abschluß, auch wenn sich mit
hm eine ordnungsmäßige Kalkulation verbindet,
ıicht erschöpft. Die Buchführung muß vielmehr
ıuch darüber hinaus bestmöglich ausgewertet und für
lie Betriebsführung als Kontrolle für die Vergangenı1eit
 und Wegweiserin für die Zukunft mutzbar genacht
 werden.
Diese Auswertung der Buchführung kann in statischer
und in dynamischer Hinsicht erfolgen.
Die statische Bilanzauswertung
‘ührt zunächst zur Analyse der Bilanz und der
jewinn- und Verlust-Rechnung und dann zur
&lt;ritischen Betrachtung der Ergebnisse der Analyse,
Auf diese Weise führt die Bilanzanalyse zur Erzenntnis
 der hauptsächlichsten Betriebsvorgänge und
intwicklungswege in Bezug auf Vermögen und seine
Zusammensetzung, auf Kapital und seine Herkunit,
uf Neuinvestierungen und ihre Richtung insbe-'ondere
 nach Produktion und Absatz, auf die Aufringung
 der Mittel für die Neuinvestierungen aus
igenen oder fremden Finanzierungsquellen usw. Sie
sibt ferner auch lehrreiche Aufschlüsse über die
iquidität des Betriebes und seine Abhängigkeit vom
isikoreichen Geldmarkt. Gerade derartige Beur«
eilungen sind aber in der Gegenwart für das Braurewerbe
 außerordentlich wichtig und für eine gedeihiche
 Betriebsleitung geradezu unentbehrlich, Manche
Maßnahme in Bezug auf Finanzierung und Inve-;tierung
 würde in den Brauereien unterbleiben, wenn
auf dem Wege der Bilanzanalvse und Bilanzkritik