7. Die Rentabilität der Brauindustrie,
Von Kurt W. Droege, Syndikus des Deutschen Brauer-Bundes, E. V., Berlin.

Um die Entwicklung der Rentabilität unserer deutschen
 Brauindustrie in den letzten Jahren eindeutig
erkennen zu können, ist es zunächst notwendig, sich
darüber klar zu werden, auf welcher Grundlage die
wirkliche Rentabilität festzustellen ist. Keiner besonderen
 Erwähnung bedarf es eigentlich, daß nicht
die Spitzendividenden einiger Aktiengesellschaften
als hierfür maßgebend angesehen werden dürfen,
sondern daß auf jeden Fall diese Frage im Durchschnitt
 der Gesamtindustrie gesehen werden muß.
Dagegen muß bei der besonderen Kapitallage der
3rauindustrie ganz besonders scharf betont werden,
daß der reine Dividendenmaßstab, losgelöst von der
Kapitalmenge, zu der die Dividende ins Verhältnis
gesetzt werden muß, zur Feststellung der Rentalität
 untauglich ist. Denn die Brauindustrie ist
1eute in hohem Maße unterkapitalisiert, d. h. das
Kapital entspricht keineswegs den wirklich investierten
 Werten. Diese Erscheinung erklärt sich
laraus, daß die Brauindustrie, die im Gegensatz zu
last allen anderen Zweigen der deutschen Wirtschaft
 nie eine Kriegs- und Inflationskonjunktur genossen
 hatte, infolge des Rohstoffmangels und der
zesetzlichen Beschränkung des Stammwürzegehalts
sinen sehr erheblichen wirtschaftlichen Tiefstand in
dem Augenblick erreicht hatte, in dem es galt, das
Kapital auf eine neue Goldbasis umzustellen. Da
man infolgedessen die Absatzaussichten außerardentlich
 pessimistisch beurteilte, hielt es die Brauindustrie
 für ratsam, ihr Kapital sehr scharf zusammenzulegen.
 Die Goldumstellung war somit
fr die Brauindustrie mit wesentlich schärferen
Kapitalschnitten verbunden als für andere Industriezweige,
 In Deutschland gibt es derzeit 306 Aktienhrauereien
 mit einem Kapital von 534 Millionen
xeichsmark. 1913/14 dagegen bestanden 495 Aktiendrauereien
 mit 620 Millionen Vorkriegsmark Kapital.
 Aus dieser Gegenüberstellung zeigt sich
nicht nur, wie stark der Konzentrationsprozeß der
Brauindustrie unter dem Zwang von Krieg und
Inflation gewesen ist, sondern vor allem auch, daß
lie Gesamtsumme des Aktfienkapitals gegenüber der
Vorkriegszeit auf 86 % zurückgegangen ist. Die
Bedeutung dieser Tatsache wird durch die nach-‚;Olgende
 mit anderen Industriezweigen vergleichende
Statistik besonders beleuchtet:

.ktienkapital 1928 in
'’rozenten des Aktienkapitala
 von 1918/14

Brauereien . ... . 0.0.1
Steinkohlenbergbau. . ....
Chemische Industrie .. ... |
Textilindustrie 2... ...

86%
380 9/9
396 9%
188 97,

Diese Statistik führt zu der Konsequenz, daß eine
)ividende bei der Brauindustrie in Höhe von etwa
5% den gleichen Rentabilitätsgrad aufweist, wie
ne etwa 7prozentige Dividende bei einem Unterıehmen
 der Textilindustrie oder eine zwischen
3 und 4% sich bewegende Gewinnausschüttung bei
iner Gesellschaft des Steinkohlenbergbaues oder
ler chemischen Industrie.
Das mußte vorweg gesagt werden, um bei den
ıachfolgenden Zusammenstellungen nicht ein falches
 Bild zu erwecken. Gleichzeitig muß hinzusefügt
 werden, daß ein exaktes Bild über die Rentaxlität
 leider nur bei den Aktienbrauereien zu gevinnen
 ist, weil nur bei ihnen ausreichende bilanznäßige
 Unterlagen vorliegen. Um zu den Zahlen
ler Aktienbrauereien das richtige Verhältnis zu gevinnen,
 muß deshalb hier ebenfalls vorweg bemerkt
verden, daß das Verhältnis innerhalb der Brauadustrie
 zur Zeit so liegt, daß 306 Aktienbrauereien
und 60% der Produktion erfassen, daß also bei
iner Gesamtproduktion von 55 Millionen Hektoliter
jier etwas mehr als 30 Millionen Hektoliter in
ıktienbrauereien erzeugt wurden. Auf der anderen
jeite stehen allerdings diesen 306 Aktienbrauereien
und 4000 Brauereien gegenüber, die in anderer
"orm betrieben werden.
Die nachfolgenden ziffernmäßigen Feststellungen
iber die Rentabilität der Brauindustrie beziehen sich
ıuf die Aktiengesellschaften, die vom Deutschen
3rauer-Bund statistisch erfaßt werden konnten, d.h.
ıuf 299 für das Braujahr 1927/28, auf 284 für das
3raujahr 1926/27 und auf 298 für das Braujahr
925/26. Für diese Betriebe ergab sich zunächst für
las Jahr 1927/28 der folgende hilanzmäßige Status:

in Mill
vr

bin Mill.
RM.

Aktiva,
Anlagen, ......
Debitoren . ......
/orräte .. 0.0.0...
iffekten und Beteiligungen
 ......
Sonstige Aktiven. . .

610,1
473,5
12397

Passiva,
Aktienkapitalien. ...
Reserven. ......
Langfristige Verbindlichkeiten
 .....
Kreditoren . ....
Sonstige Verbindlichkeiten.
 .....-. 15,6
Reingewinn ..... 79,6
|1278,8

531,8
1094

51.7

128,3
419,6

|1278.8

Um die Bedeutung dieser Sammelbilanz klar ergxennen
 zu können, sei gleich im Anschluß hieran eine
Tabelle über die Entwicklung der insgesamt zur Verügung
 stehenden Kapitalien sowie des Verhältnisses
der gesamten eigenen Mittel zu den gesamten werbenlen
 Kapitalien in absoluten Ziffern wiedergegeben: