I, 7. Die Rentabilität der Brauindustrie,
jeiten lassen, daß der Anteilseigentümer in möglichst
 großem Ausmaß am Reingewinn des Unternehmens
 beteiligt werden muß. Die verhältnismäßig
hohen Dividenden der Brauindustrie zeigen somit
auch von dieser Seite aus, daß sie nicht die
Folge einer besonders großen Prosperität der Brauindustrie,
 sondern die Folge einer Dividendenpolitik
sind, die in der Höhe des ausgeschütteten Gewinns
den Anteilseignern bis zu der Grenze des irgendwie
zu Verantwortenden entgegenkommt. Es ist deshalb
 durchaus richtig, wenn die in Hamburg erscheinende
 wissenschaftliche = Wirtschaftszeitung
„Wirtschaftsdienst“ in ihrer Nr. 24 vom 14. Juni
1929, S. 1022, festgestellt hat, daß die „ziemlich
hohen Dividendensätze der Brauindustrie nicht für
eine steuerpolitische Begründung (irgendwelcher
Biersteuererhöhung) verwendbar sind.“
Auch ein Vergleich der offenen Reserven mit den
restlichen Reingewinnen unterstreicht das soeben
Gesagte. Sie sind in ihrem Verhältnis zueinander
von 22,9% im Jahre 1925 auf 18,7 % im Jahre
1927/28 zurückgegangen. Das ist, abgesehen von
der sinkenden Tendenz, durchaus ein niedriges Verhältnis,
 vor allem, wenn man bedenkt, daß auch die
bilanzmäßigen ordentlichen Abschreibungen hierunter
wiedergegeben sind. Was die Abschreibungen selbst
betrifft, so betrugen sie im Jahre 1927/28 11,0 %
des gesamten Anlagevermögens. Mithin wurde —
in absoluter Zahl ausgedrückt — angesichts eines
Gesamtanlagevermögens in Höhe von 597129 678
Reichsmark eine ordentliche bilanzmäßige Abschreibung
 in Höhe von 65480673 RM vorgenommen,
 wobei hier bemerkt werden muß, daß in
diesen Zahlen die Ergebnisse des Landesfinanzamtes
Unterweser mit einem Anlagevermögen . von
13 023 051 RM fehlen. Offensichtlich hält sich diese
Abschreibungsquote in außerordentlich niedrigen
Grenzen, ja, man muß sie sogar für die Dauer als
unzureichend kennzeichnen. Denn es handelt sich
ja nicht nur um bloße Amortisation der bisherigen
Aufwendungen für Anlagegegenstände, sondern es
muß darüber hinaus die Wiederanschaffung berücksichtigt
 werden, deren Preis für die Anlageobjekte
von Jahr zu Jahr höher wird. Es sei dabei auf das
verwiesen, was Direktor Dr. Koppe an anderer Stelle
dieses Kompendiums über die berechtigten Bestrebungen
 der Wirtschaft schreibt, daß über die
normalen Abschreibungssätze hinaus dem veränderen

 Geldstande entsprechende zusätzliche Abschreijungen
 bzw. die Zulassung eines steuerfreien Erjeuerungskontos
 gesetzgeberisch anerkannt werden.
3s ist in diesem Zusammenhang auch interessant,
laß der Reichsfinanzhof selbst diesem Bedürfnis
venigstens grundsätzlich neuerdings entgegenzommt,
 indem er eine „wirtschaftliche‘“ neben der
echnischen Abschreibung anerkennt. Bei der Braundustrie
 wirkt sich zudem hierbei in spezifischer
Neise aus, daß die kostspieligen Anlagen infolge
les öfter geschilderten schärfesten Konkurrenzsampfes,
 besonders lange ‚vor ihrer eigentlichen
echnischen Abnutzung ersetzungsbedürftig werden.
Abschließend sei noch ein Wort von der Entwickung
 der Rentabilität der Brauindustrie in den verschiedenen
 Gegenden Deutschlands gesagt. Verzleicht
 man die Geschäftsjahre 1926/27 und 1927/28,
so ergibt sich das folgende Bild der Steigerung der
Dividenden:

1927/98

Zuwachs

Norddeutschland . ..! 10,8% 11,7% 8,8%
Witteldeutschland , . . | 8,7% 9,8 % 12,6 %
jüddeutschland . ... 9,2 %% 9,4 9% 2.29%

Daraus ergibt sich die stärkste Steigerung für
Mitteldeutschland. Keine Dividendensteigerungen
1aaben die Aktienbrauereien gezeigt in ganz
3aden sowie in den Landesfinanzamtsbezirken
Magdeburg und Unterweser, wo die Durchschnittslividende
 übrigens nur etwas über 6,4 % beträgt
ınd innerhalb Deutschlands am niedrigsten ist. Die
ıÖöchste Brauereidividende kam im Durchschnitt in
3erlin zur Ausschüttung; sie betrug dort im Jahre
927/28 14,4 % gegen 13,6 % im Voriahr.
Für das Jahr 1928/29 1äßt sich in der Rentabilitätsrage
 der Brauindutrie zur Zeit leider noch kein
sanz klarer Überblick geben. Man kann heute
ichon feststellen, daß dieselbe und in einigen Fällen
:ine etwas bessere Rentabilität erzielt worden ist.
?7ür das Geschäftsjahr 1929/30 wird man es allerlings
 als äußerst fraglich bezeichnen müssen, ob
ıngesichts der erhöhten Biersteuer, der Aufhebung
ler Brauereikontingente, der wieder steigenden
Tendenz der Rohstoffpreise und schließlich der
mmer stärker anwachsenden Bestände an kurz-’ristigen
 Verbindlichkeiten der derzeitige Grad der
Rentabilität noch aufrecht erhalten werden kann.