9. Die deutsche Bierausfuhr.
Von Senator a. D. :G. Schurig, Bremen, Vorsitzendem des Verbandes der Deutschen Ausfuhrbrauereien E. V.

Die deutsche Bierausfuhr reicht in ihren Anfängen
weit in.das Mittelalter zurück. Waren die Exportwerte
 des Mittelalters mit denen unserer heutigen
Bierausfuhr auch nicht ohne weiteres zu vergleichen,
ınd blieben Ziele und Entiernungen der ausgeführten
Exportmengen auch weit hinter den heutigen Ausmaßen
 zurück, so müssen Tatkraft und Unternehmungsgeist
 der Brauherren damaliger Zeit uns
doch mit Bewunderung und Hochschätzung erfüllen,
Ihre Biertransporte mit allen Schwierigkeiten und
Mühsalen erfolgten über weite Gebiete und Grenzen
Deutschlands bis in die entlegensten Küstengebiete
der Ost- und Nordseeländer.
Zu den ältesten Exportbieren, die deutsche Grenzen
verließen, gehörte das Bremer Bier. Bereits im
13. Jahrhundert hatte Bremen einen bedeutenden
Bierexport nach Holland, Flandern, England, Skandinavien
 und den Niederlassungen der Hansa an der
Ostsee. Im 14. Jahrhundert trat es die führende
Stellung an Hamburg ab. Immerhin blieb auch in
den folgenden Jahrhunderten Bremens Bierhandel
recht beträchtlich.
Auch der Hamburger Bierexport reicht in das frühe
Mittelalter zurück. Die Hamburger Brauereien verstanden
 es, ein Bier herzustellen und auszuführen,
dessen überragende Güte den Auslandsmarkt langsam,
aber sicher eroberte. Alte Chroniken nennen Hamburg
 geradezu das „Brauhaus der Hanse“. Vor allem
war es Holland, das Hamburger Bier besonders
schätzte. Die Einfuhr von Hamburger oder deutschem
 Bier machte sich in den Niederlanden bald
derart geltend, daß die holländische Regierung im
Jahre 1321 zum Schutze des heimischen Braygewerbes
 ein Einfuhrverbot für Hamburger Bier
glaubte erlassen zu müssen, Dieses Einfuhrverbot
hatte nur kurzen Bestand, schon zwei Jahre später
mußte es wieder aufgehoben
 werden. Die
Qualität des Hamburger
 Bieres hat sich
siegreich behauptet.
Blieben Hamburg
und Bremen führend
im Bierhandel der
Nordseeländer, so beherrschten
 später die
Hansestädte Lübeck,
Wismar, Rostock,
Danzig und Stralsund
den Bierhandel der
Ostseestaaten.
Die deutsche Brauindustrie der Gegenwart

Nicht minder rege war die Bierausfuhr zahlreicher
Städte des Binnenlandes: Akzise und Zollbücher
‚ieler deutscher Städte enthalten urkundliche Beveise
 dafür, in welch erheblichem Umfange auch im
3innenlande berühmte Biere bekannter Braustädte
uf weite Entfernungen verfrachtet wurden.
Handel und Wandel des Mittelalters und somit
uch der deutsche Bierhandel waren mit dem Auf-;:tieg
 und der Blüte der deutschen Hansa eng veryunden.
 Die Entdeckung Amerikas, politische Ergnisse,
 der Dreißigjährige Krieg mit seinen Folgearscheinungen
 usw. hatten die Erschließung neuer und
Jmgestaltung bisheriger Handelsbeziehungen der
Yölker zur Folge. Der Niedergang der Hansa führte
‚um Absterben zahlreicher einst blühender Handelsınd
 Gewerbezweige. Auch die Bierausfuhr erlosch
n vielen Städten fast vollständig oder ging wie in
Jamburg, Bremen und den übrigen Hansestädten
ıuf einen Bruchteil des früheren Umfanges zurück.
30 wurden im 17. Jahrhundert von Hamburg statt
‚00000 etwa 30000 Tonnen exportiert, und in
3remen war die Biererzeugung auf etwa 10 %%
yegenüber den früheren Zeiten gesunken.
Frst im 19. Jahrhundert sind wieder Anzeichen bezinnenden
 Bierexports erkennbar. Während z. B. von
3remen im Jahre 1850 nur 715 Tonnen und 12 Viertel
3xportbier für rund 9134 Taler Gold ins Ausland gerangen
 waren, hatte die Bierausfuhr 14 Jahre später
‚ereits das Zehnfache erreicht. Im Jahre 1870 wurde
„ım erstenmal die Exportziffer von 10 000 hl erzielt,
jie damals einen Wert von etwas über 550 000 Mark
ıatten. Es handelte sich damals aber durchweg um
lie Ausfuhr von Ale und Porter (Stout) und erst
\nfang der 70er Jahre begann die Ausfuhr heller
„agerbiere, mit dem Erfolg, daß sechs Jahre später
schon 20000 hl exportiert wurden, 1878 schon
30 000 hl; und 1880 erreichte
 die bremische
Bierausfuhr 50000 hl.
Natürlich enthalten
diese Zahlen nicht nur
die Ziffern der exportierenden
 bremischen
Brauereien, sie zeigen
auch die wachsende
Bedeutung des Bremer
Hafens für den Export
deutschen Bieres ganz
allgemein. Im Jahre
1900 betrug die bremische
 Ausfuhr nahe-Bremen,

 Freihafen II, — Laden von Exzporigütern.