I., 9. Die deutsche Bierausfuhr. _51
3ierexport augenblicklich kein sehr aufnahmefähiges
\bsatzgebiet, da auch die Vereinigten Staaten, die
1913: 82 000 hl deutschen Bieres importierten, durch
lie Prohibition ausgefallen sind und nur von Kanada,
las sich selbst mit hohen Zöllen gegen eine Einfuhr
schützt, mit großen Mengen ganz leichten Bieres bejefert
 werden.
Verschwindend gering ist der deutsche Bierexport
nach Ausfralien, wo durch Prohibitivzölle, teilweise
auch durch Einfuhrverbote, das deutsche Bier nicht
nehr wettbewerbsfähig ist.
Die Ausfuhr nach Afrika hat zugenommen. Auch
hier machen sich die Folgen des ausländischen
Nettbewerbs jedoch mehr und mehr bemerkbar;
‚trotzdem ist die Ausfuhr nach Ägypten, nach dem
&lt;ongo und Britisch - Ostafrika erfreulicherweise
srößer gworden. Dagegen deckt die Südafrikanische
Jnion ihren Bierbedarf fast ausschließlich aus eigener
Produktion. NeueAbsatzgebiete für den Bierexport
zu erschließen, ist außerordentlich schwer. Zu dem
Verlust von Absatzgebieten, der in einer Reihe von
„ändern durch die übermäßig hohen Zölle ‘herbeireführt
 wird, tritt noch hinzu der verschärfte Wettewerb
 der übrigen Bier ausführenden Länder, in
arster Linie Englands und Hollands und auch Japans,
an Wettbewerb, der namentlich auch auf den
ısiatischen Märkten besonders fühlbar wird.
Die Verfrachtung des deutschen Exportbieres geschieht
 zum größten Teil über Hamburg und Bremen.
Die westdeutschen Brauereien versenden ihr Export-Xier
 auch wohl über die für sie frachtgünstig liegenlen
 holländischen und belgischen Häfen (Amsterdam,
Zotterdam, Antwerpen). Schließlich geht ein Teil
ler deutschen Bierausfuhr, besonders der bayerischen
?xportbrauereien und aus dem Süden des Reiches,
iber Triest und Genua. Es handelt sich hierbei vorviegend
 um Solche Biere, die für die Mittelmeeränder
 und nach Asien im Verkehr durch den Suezzanal
 bestimmt sind.
Bei der Passivität der deutschen Handelsbilanz ist
eder Exportüberschuß zu fördern. Der deutsche
3ieraußenhandel spielt im Verhältnis zu dem ge-‚amten
 Außenhandel zwar nur eine geringe Rolle,
wesentlich anders steht er schon im Verhältnis zum
‚ebensmittel- und Getränkehandel, der bekanntlich
a sehr starkem Maße passiv ist. Hier ist der Bier-‚ußenhandel
 einer der wenigen Aktivposten, der in
‚einer Bedeutung nicht zu unterschätzen ist.
Der Wert der. deutschen Bierausfuhr betrug in den
ahren 1925 bis 1928: 25,8, 28,3, 31,2 und 33,5 Milionen
 Reichsmark; nach Abzug der Biereinfuhr verılleibt
 immer noch ein Aktivposten von +4211,;1,
+ 23,7, +25,8 und -+27,5 Millionen Reichsmark.
3ier steht damit im Jahre 1928 unter den Waren der
»osition „Lebensmittel und Getränke‘“,, die einen
\usfuhrüberschuß erzielen, nach technischen Ölen
ınd Fetten und Hafer an dritter Stelle.

Wiedergewinnung ihrer Stellung auf dem Weltmarkt
fortgesetzt neue Schranken entgegen.
So ist dem deutschen Bierexport das europäische
Absatzgebiet zum großen Teil verlorengegangen.
Während vor dem Kriege 61 % der deutschen Bierausfuhr
 nach Europa gingen, waren es im Jahre 1928
erst rund 20% der Vorkriegsausfuhr., Die nachstehenden
 Zahlen lassen die veränderte Richtung deı
deutschen Bierausfuhr in der Vor- und Nachkriegszeit
 im einzelnen erkennen:
Richtung der deutschen Bierausfuhr (in Hektolitern)

Gesamtausfuhr
Deutschlands nach

1913 | 1925 | 1927 | 1928

Zuropa ........ wu 84636 ' 111272
Afrika ..0..0.00000000000 153263 164321
ASIEN s000 een een 220447 233969
Amerika ..........00. | 54 576
Australien ‚.......... 373 3242
Fremde Schiffe ....... ARO 838
Insgesamt: | 941342 | 431890 | 522426 | 568218
Die Tabelle veranschaulicht, wie bereits ausgeführt,
zunächst die Tatsache, daß der europäische Markt
für den deutschen Bierexport durch die Erstarkung
der Brauindustrie der übrigen europäischen Länder
und aus anderen bereits mitgeteilten Gründen an Aufnahmefähigkeit
 bedeutend verloren hat. Zwar ist es
in den letzten zwei Jahren gelungen, wieder festen
Fuß zu fassen und verlorengegangene Absatzmärkte
langsam wieder zurückzugewinnen; aber die deutsche
Brauindustrie mußte doch versuchen, neue Absatzgebiete
 zu erschließen, wollte sie in ihrem Auslandsabsatz
 nicht ganz wesentliche Einbußen hinnehmen.
Daß dies in weitem Maße gelang, ist eine der erfreulichsten
 Erscheinungen in der Entwicklung der
deutschen Bierausfuhr der Nachkriegszeit. Die
Mengen des nach Übersee ausgeführten Bieres, und
zwar ganz überwiegend des Flaschenbieres, sind von
369 951 hl im Jahre 1913 auf 456 108 hl im Jahre 1928,
d. h. von 39 % auf 84 % des jeweiligen Exportes gestiegen,
 wenngleich auch in Übersee die für Europa
aufgezeigten Tendenzen in nicht geringerem Umfange
 fühlbar waren. / Besonders in Mittel- und Südamerikd,
 die vor dem Kriege beträchtliche Mengen
deutschen Bieres aufnahmen, sind vielfach neue
Brauereien gegründet worden, die den größten Teil
des dortigen Bedarfs decken. So hat die deutsche
Bierausfuhr dorthin keine großen Fortschritte
machen können (1928: 38 752 hl). Die wirtschaftlich
entwickelten Staaten (Brasilien, Argentinien, Chile
usw.) haben sich durch ihre eigene Bierproduktion von
der Finfuhr nahezu unabhängig gemacht und durch
sehr hohe Schutzzölle die Einfuhr verhindert. Auch
in den übrigen Ländern ist die Einfuhr von deutschem
Bier stark gemindert KEinzig einige wenige kleine
mittelamerikanische Staaten bilden eine erfreuliche
Ausnahme. Jedenfalls ist Amerika für den deutschen