If., 1. Wie entsteht das Bier? 59
bei der Gärung und anderer mehr, die zum Teil allge- 3rauer in steigendem Maße als‘ Schüler oder Stumein-wissenschaftlichen
 Forschufgsstätten zu ver- lierender solche Lehranstalten besucht, hat sich das
danken sind, sehen wir die fortschreitende Auf- ıohe wissenschaftliche Niveau entwickeln können,
klärungsarbeit sämtlicher Vorgänge der Brauerei vor las wir heute in der Brauindustrie vor uns sehen.
uns, Die gesicherte Handhabung der Mälzerei auf Tür die technische Leistung des einzelnen ist heute
Grund der Erforschung der chemischen und 10ch immer seine praktische Erfahrung und sein
enzymatischen Zusammensetzung der Gerste, die »raktisches Können entscheidend, aber dieses selbst-Schaffung
 der technologischen Grundlagen des zeschaffene Aktivum muß erweitert und vertieft
Darrens, die planmäßige Leitung der Sudhausarbeit werden durch ein erhebliches Maß von wissenschaftin
 ihrem Zusammenhange mit bestimmten Biertypeh, ichem Rüstzeug. Auf dem Wege zu dieser Erdie
 Auswahl, Pflege und Behandlung der Hefe in und cenntnis ist der deutsche Braumeister immer mehr
außerhalb der Gärung, der Einfluß des Brauwassers iiber den irüheren Begriff des Handwerksmeisters
auf den Charakter des Bieres, stellen einzelne große inausgewachsen, mit dem er nichts mehr als die
Arbeitsgebiete dar, auf denen die wissenschaftlichen, Äiußerlichkeit des Meistertitels gemein hat. Es gibt
von Staat und Industrie getrennt oder  gemein- vohl kaum einen zweiten technischen Stand in
schaftlich unterhaltenen Anstalten der Brauindustrie Deutschland, dessen Arbeit so hohe Anforderungen an
als Führer vorausgegangen sind. Daß alle diese Ge- ıraktisches Können, scharfe Beobachtungsgabe und
biete heute mit den modernsten Methoden der phy- "ähigkeit zur wissenschaftlichen Deutung stellt, wie
sikalischen Chemie bearbeitet werden, ist eine Tat- len Braumeisterstand. Wir dürfen stolz darauf sein,
sache, die kaum erwähnt zu werden braucht. : laß deutsche Gründlichkeit in engem Züsammen-Niemals
 wäre es möglich gewesen, diese Fülle von ı\rbeiten von Praxis und Wissenschaft diesen Stand
wissenschaftlichen Feststellungen in die Brauereien ‚ervorgebracht hat, auf den der Begriff des „wissenzu
 tragen und sie dort zum Allgemeingut der täg- chaftlichen Praktikers“ in hervorragenderem Maße
lichen Arbeit zu machen, wenn die wissenschaftlichen zutrifft und der weit über die Grenzen unseres Vater-Brauereiforschungsstätten
 sich nicht frühzeitig auch andes hoch geachtet ist. Die hervorragende Güte
Lehrstätten angegliedert hätten. Nur dadurch, daß dier deutschen Biere ist ein Lob des deutschen Brauseit
 vielen Jahrzehnten der praktisch ausgebildete meisters.