2. Das deutsche Brau- und Mälzereigewerbe und der heimische Braugerstenbau,
Von Dr. Neumann, Dozent an der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei, Berlin.

Der
Gesamtverbrauch der deutschen Brauereien an
Braugerste
befrug in den beiden letzten Rechnungsjahren
April 1926 und 1927 bis März 1927 und 1928 etwa
[2 und 12,8 Mill. dz. Dieser Gesamtverbrauch konnte
nicht vollständig aus der einheimischen Produktion
zedeckt werden, obwohl unsere Sommergerstenernte
{926 sich auf etwa 21,3 Mill. dz stellte und 1927 auf
23.4 Mill. dz zu veranschlagen war.
Nach Abzug unserer Gerstenausfuhr an Brau-,
Brenn- und Futtergersten, die ja nicht getrennt aufgeführt
 werden, sind in den angeführten Berichtsjahren
 noch 2,4 bzw. 2,6 Mill. dz Braugersten eingeführt
 worden, um den an das fertige Malz von
seiten der Brauindustrie gestellten Ansprüchen gerecht
 zu werden.
Diese etwa 23 % des Gesamtbedaris betragende
Cinfuhr ausländischer Brauware repräsentiert immer-3ıin
 noch einen Wert von über 60 Mill. RM., die dem
Binnenmarkt und damit auch unserer Landwirtschaft
fortlaufend verlorengehen. Um diesen dauernden
Verlust aufzuheben oder wenigstens auf einen bescheidenen
 Umfang zurückzuführen und stark einzuschränken,
 müßte mithin etwa die Hälfte der deutschen
 Sommergerstenerzeugung den Anforderungen
entsprechen, die das deutsche Braugewerbe an die
Beschaffenheit ihres Rohstoffes stellt, wenn die
heimische Brauindustrie sich in vollem Umfange auf
die Deckung ihres Bedarfes durch die einheimische
Produktion einstellen will.
Es wird sich nun fragen, ob und wie weit die Erüllung
 dieser Voraussetzung für unsere Gerstenerzeugung
 möglich sein kann und auch möglich sein
wird, und welche Wege hierfür als die gangbarsten
und empfehlenswertesten zu betrachten sind.
Daß die
natürlichen Grundlagen für Menge und Güte unserer
Gerstenerträge
;n den verschiedensten Landesteilen und in unseren
Hauptanbaugebieten vorhanden sind, dürfte wohl
kaum zweifelhaft erscheinen und ebensowenig ist
zu befürchten, daß wir nicht durch Beobachtung und
Innehaltung sicherer und erprobter Anbaumaßnahmen,
 denen sich gleichzeitig eine sachgemäße
Ernte, Lagerung und Herrichtung zum Verkauf, also
2@ine weitere Veredelung des Produktes anschließen
muß, zu befriedigenden, auch den gesteigerten Ansprüchen
 des Brauers und Mälzers zusagenden
SZrnten kommen sollten, die den Rokhstoffbedarf in
ler Hauptsache aus eigenen Erzeugnissen zu decken
vermögen.

Zur Erreichung dieses für Produktion und Konsum
zleich wichtigen und erstrebenswerten Zieles wird
3s nun weniger darauf ankommen, einer weiteren
Vergrößerung der Anbaufläche das Wort zu reden,
ıls vielmehr darauf, immer wieder hinzuweisen, daß
wur eine gesteigerte Qualitätsproduktion einen durch-:chlagenden
 Erfolg verspricht, die Auslandsgersten
‚on unserem Binnenmarkt abzudrängen. Denn die
Nertschätzung dieser Auslandsgersten, in der Haupt-;ache
 böhmische, mährische und dänische Provenienzen,
 denen sich noch Überseequalitäten an-;ichließen,
 beruht nun nicht etwa allein auf einer
rünstigen stofflichen Zusammensetzung des Kornes,
je wird in der Hauptsache mitbedingt durch die
'chon im Hinblick auf die Frachtsätze sehr zute Veraufsvorbereitung
 mit Hilfe von Putz- und Reinigungsnaschinen.
 Man wird auch ferner beachten müssen,
laß für diese Auslandsgersten schon als Exportware
ur gute, feine Posten in Frage kommen werden, und
laß es sich in der Regel, nur um Qualitäten von
ıohem Gebrauchswert handelt. Wollen wir sie also
ait gleichen Waffen bekämpfen und erfolgreich aus
lem Felde schlagen, so müssen unsere Erzeugnisse
ıuch in annähernd gleicher Beschaffenheit auf dem
Varkte erscheinen und dem Käufer fortlaufend zur
’erfügung gestellt werden können.
Solange daher die gerstenbauende Landwirtschaft
ıcht ernstlich an die Aufgabe herangeht, ihre restichen
 Gersten den Auslandsgersten gegenüber kon-&lt;urrenzfähig
 zu machen, wird und kann unsere Braundustrie
 nicht davon abgehen, ihren Bedarf zum Teil
uch im Auslande zu decken. Das freie Spiel des
landels zwischen Angebot und Nachfrage läßt sich
ıicht so weit drosseln, daß die Interessen einer Wirtschaftsgruppe
 zugunsten einer zweiten vernachlässigt
verden können,
Man kann wohl nicht mehr davon sprechen, daß
las ausländische Braugerstenangebot zu billigeren
”7reisen auf den Markt gelangt als das einheimische,
ınd daß aus diesem Grunde so nennenswerte Einuhren
 stattfinden. Es dürfte heute nicht die Kon-:urrenz
 im Preise, sondern die Konkurrenz in der
jüte für das Vordringen ausländischer Brauware
;ntscheidend sein.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß
der Handel
nit einem als hochwertiges Produkt anzusprechenden
ohstoff nach Überwindung aller Hemmungen der
Nachkriegszeit, sich wieder allein nach seiner Qualität
ınd Eignung als Brauware vollzieht, und daß dieser
Jmstand auch für unsere Landwirtschaft ein nicht
ıußer acht zu lassender Faktor sein muß. in der Fr-