Dr. Neumann, Berlin:
gerstenbau fast ganz ausschließlich beherrscht,
sind nunmehr sämtlich als fein- und sehr feinpelzige
 Qualitäten anzusprechen. Legen doch schon
die Züchter bei ihren Zuchtarbeiten besonderen
Wert darauf, feinspelzige, dünnhülsige Zuchtprodukte
auf den Saatenmarkt zu bringen. Diese, den einzelnen
 Sorten mitgegebene Eigenschaft wird aber
erst dann voll in Erscheinung treten, wenn dem betreffenden
 Saatgut auch Gelegenheit gegeben wird,
sie besonders entfalten zu können.
Hierzu dürften neben leidlichen Witterungsverhältnissen
 während der Vegetationsperiode auch genügend
 große Aussaatmengen, eine rationelle Ernährung
 der Saat und eine Ernte in dem Stadium
zwischen Voll- und Totreife zu rechnen sein.
Als letzte Werteigenschaft bleibt dann noch
der Eiweißgehalt der Gerste.
Die hohen Anforderungen, die früher in dieser Beziehung
 gestellt worden sind, haben in den letzten
Jahren einer etwas ruhigeren, weniger strengen Aufjassung
 Platz gemacht. So werden auf den alljährlichen
 deutschen Gersten- und Hopfenausstellungen
in Berlin Gersten mit einem Eiweißgehalt bis 10,5 %
mit der höchsten Wertziffer für dieses Prüfungsmoment
 ausgezeichnet, und man kann wohl sagen,
daß ein Proteinanteil von etwa 10 bis 11% als
günstig für die Verarbeitung betrachtet wird. Hierdurch
 ist gleichzeitig auch die Möglichkeit gegeben,
beim Anbau in ausreichendem Maße die Erträge
sicherzustellen und doch dabei die Qualitätsfrage
nicht zu vernachlässigen.
Bevor auf die neuzeitliche, verfeinerte Technik des
Qualitätsanbaus selbst näher eingegangen wird, seien
einige Betrachtungen allgemeiner Natur vorausgeschickt.

Man hat die Gerste als ein Kind der höheren Ackerxsultur
 und als eine anspruchsvolle Pflanze bezeichnet
ınd hat hierdurch treifend zum Ausdruck gebracht,
daß sie hohe Ansprüche sowohl an Boden und.Klima,
wie auch an die Fähigkeit und den Fleiß des Wirtschaftsleiters
 stellt; sie ist die intensivste Getreideart
 und daher bildet ihr rationeller Anbau einen wichtigen
 Kulturfaktor, weil er in sich den Zwang zur
aöheren Ackerkultur trägt und somit eine gewichtige
Triebfeder für die gesamte Bodenkultur
des betreffenden Wirtschaftsbetriebes darstellt.
Ein weiterer Vorzug der Gerste beruht auf ihrer
Fähigheit, im allgemeinen Kälte-, wie Dürreperioden
leichter als alle anderen Getreidearten parieren zu
&lt;önnen, daher hat ein ausgedehnter Braugerstenbau
zerade in den regenarmen und regenärmsten Gegenden
 unseres Landes festen Fuß fassen können. Eng
verbunden mit dieser Fähigkeit steht ihr im Vergleich
zu den anderen Getreidearten geringeres Wasserbedürfnis,
 sie vermag sparsamer mit den vor-‘andenen
 Wasservorräten des Ackers umzugehen,

Ja

vodurch ihr eine Sonderstellung gegenüber dem Hafer
ınd dem Sommerweizen mit seinem größeren
“euchtigkeitsbedürfnis im Frühjahr verliehen ist,
Die Zusammensetzung des Bodens spielt für die
Qualitätsgerstenerzeugung nur in sofern eine Rolle,
ıls sie den Nährstoff- und insbesondere den Wasser-)jedarf
 der Gerste sicherstellen muß. Sind diese Belingungen
 erfüllt, so ist, abgesehen von seinem
&lt;ultur-, Reaktionszustand usw., deren Höhe Beleutung
 allerdings hervorgehoben werden muß, mehr
der weniger bedeutungslos, ob der Boden leichter
der schwerer ist. Daß die Braugerste in den meisten
7ällen, . besonders aber in Trockengebieten, nur auf
nilden, tiefgründigen, besseren Lehmböden mit einem
jestimmten Kolloid-(Humus-)gehalt gute Qualitäten
1ervorbringt, ist lediglich ein Beweis dafür, daß dort
lie Sicherheit für diese Voraussetzungen am größten
st. Wasser in der Hauptbedarifsperiode im Verein
nit einem günstigen Kalkgehalt des Bodens ist mit
ın Hauptfaktor für die Erzielung bester Braugersten.
Ixtreme nach jeder Richtung schließen die Proluktion
 hochwertiger Qualitätsgersten aus.
Trotz ihrer bekannten Anpassungfähigkeit pflegt
ler Einfluß des Klimas auf die Güte der angebauten
3raugerste erheblich zu sein. Versucht man, das
3raugerstenklima in Worten zu charakterisieren, so
ann gesagt werden, daß eine gleichmäßig an-;teigende
 Wärme der Luft von etwa 8°C im April
is 19°C im Juli und eine mit dem zunehmenden
Nachstum gesteigerte Regenmenge von beiläufig
0 mm im April bis zu 70—80 mm im Juli immer der
Intwicklung und der Qualität der Braugerste förderich
 sein werden. Während im April in der Regel
ıoch die Winterfeuchtigkeit des Ackers genügt,
lürfen Mai und Juni Regen bringen, selbst zur Blütezeit
 schadet er nicht, wenn nur Sonne und warmes
Netter nicht zu sehr zurückgedrängt werden. Im
etzten Wachstumsstadium ist ein sonniges und nicht
rar zu trockenes Wetter einer guten Reife sehr zuräglich.

In Anbetracht der sich hieran anschließenden
'peziellen Ausführungen über den Anbau selbst, sei
vorher nachdrücklichst darauf hingewiesen, daß die
olgenden Maßnahmen aber nur zusammengefaßt
sicheren Erfolg‘ versprechen. Beim Braugerstenınbau
 verbürgen einzelne Maßnahmen an sich noch
ceinen sicheren Erfolg, sondern nur ein Zusammen-'aassen
 und somit ein günstiges Zusammenwirken
ıller qualitätsfördernden Maßnahmen bringen in
lieser Richtung die erstrebte Sicherheit.
Wurde schon eingangs auf die Ansprüche der
3erste an die Bodenbeschaffenheit kurz hingewiesen,
;o seien ergänzend noch folgende Bemerkungen über
3oden und Bodenbearbeitung hinzugefügt. Die ge-»orenen
 Gerstenböden sind die tiefgründigen, milden,
ıumosen Lehmböden in guter Kultur. und mit fehler-Teiem
 Untergrund: sie stehen also unter allen Boden-